Beirut/Genf/Amman. Die syrische Luftwaffe hat am Freitag nach Angaben von Aktivisten mehrere Stadtteile der Wirtschaftsmetropole Aleppo bombardiert, darunter das teilweise von Aufständischen kontrollierte Quartier Salaheddin. Auch Viertel der Hauptstadt Damaskus wurden beschossen, dabei soll es 21 Tote gegeben haben.
In Damaskus beschoss die Armee am Freitag den Vorort Daraya mit schwerem Geschütz, hieß es von Aktivisten. Eingesetzt wurden unter anderem auch Raketenwerfer. Im Zuge der Offensive sollen in den vergangenen drei Tagen mehr als 70 Menschen getötet worden sein, zumeist Zivilisten.
Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete von Gefechten in Aleppo. Dabei setzten die Truppen zunehmend auf die Unterstützung bewaffneter Zivilisten. Bewohner Aleppos würden mit den Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad "kooperieren", vermeldete die Agentur.
Die oppositionelle "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" berichtete, dass in der Provinz Aleppo auch die Stadt Asas attackiert worden sei, die bereits in den vergangenen Wochen Ziel von Angriffen war. Es seien Häuser zerstört worden, und es habe Verletzte gegeben.
Nach Angaben von Regierung und Rebellen dient der Beschuss in der Provinz Aleppo dazu, die Nachschubrouten für Waffen an die Rebellen in Aleppo zu stören. Auch in der nordwestlichen Provinz Idlib wurden laut der Beobachtungsstelle Ortschaften unter Beschuss genommen, und es habe schwere Schäden gegeben. Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gab es demnach auch in der Stadt Hama.
Assad lässt seit 17 Monaten eine Revolte gegen seine autoritäre Herrschaft blutig niederschlagen. Seither wurden Aktivisten zufolge mehr als 23.000 und nach Angaben der UNO rund 17.000 Menschen getötet.
Tausende flüchten in die Türkei
In der Türkei traf unterdessen eine neue Welle an Flüchtlingen aus Syrien ein: Allein in den vergangenen 24 Stunden querten mehr als 3.500 Menschen die Grenze, berichteten die türkischen Behörden am Freitag. Die Gesamtzahl der meist in großen Flüchtlingslagern an der Grenze einquartierten Menschen erreiche nun 78.000 - bis Ende Juli waren es noch rund 44.000 Flüchtlinge gewesen.
Insgesamt sind nach Schätzungen der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR mehr als 200.000 Syrer in vier Nachbarstaaten geflohen. Allein in der vergangenen Woche sind demnach 30.000 Menschen in der Türkei, Libanon, Irak und Jordanien eingetroffen.