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Update: 24.08.2012, 20:12 Uhr
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Griechischer Regierungschef wollte Linienflug nach Berlin nehmen

Deutscher Druck mit Augenmaß


Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Merkel will keine "vorschnellen Urteile fällen" – und Griechen im Euro halten.

Gesten der Empathie Griechischer Premier Samaras, Deutschlands Kanzlerin Merkel. - epa/Nietfeld

Gesten der Empathie Griechischer Premier Samaras, Deutschlands Kanzlerin Merkel. epa/Nietfeld

Berlin. In Griechenland geht es um jeden Cent – und um Gesten des guten Willens. Und so wollte der griechische Ministerpräsident eigentlich per Linienflug nach Deutschland kommen. Dass er schließlich doch die Regierungsmaschine für seine erste offizielle Auslandsreise nahm, ist einem Augenleiden geschuldet: Antonis Samaras’ Piloten achteten genau auf die für den Ministerpräsidenten erträgliche Flughöhe und den Kabinendruck. "Symbolik. Gespart hätte man ohnehin kaum etwas", kommentierte ein griechischer Korrespondent vor dem Bundeskanzleramt in Berlin die ursprünglichen Pläne.

Mehr als Symbolik erwartet sich die deutsche Kanzlerin vom griechischen Staat. Dafür verkündete Angela Merkel (CDU): "Ich möchte, dass Griechenland ein Teil der Eurozone bleibt." Noch am Vortag war von den Koalitionsparteien wenig Liebevolles zu Griechenland zu hören gewesen. Der Klubchef von CDU und CSU, Volker Kauder, hatte gesagt, ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre "für den Euro kein Problem". Rainer Brüder, FDP-Klubchef und früherer Wirtschaftsminister, sagte, jetzt müsse Griechenland "mal liefern". Seit mehr als zwei Jahren schürt die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands, die "Bild", Ablehnung und Hass auf Griechenland – mit Titeln wie "Schmeißt die Griechen endlich aus dem Euro!" Die griechische Zeitung "Dimokratia" druckte dagegen im vergangenen Herbst eine Fotomontage der deutschen Kanzlerin mit Hakenkreuzbinde.

Warten auf Troika-Bericht
Dass die Stimmung auf beiden Seiten angespannt ist, weiß Merkel nur zu gut. Und so zeigte sie sich am Freitag neben ihrem Amtskollegen versöhnlich, unaufgeregt und verständnisvoll. Griechenland könne von Deutschland erwarten, "dass wir keine vorschnellen Urteile fällen". Dass man seit zwei Jahren immer wieder helfe, führe bei manchem Deutschen zu Ungeduld. Auf der anderen Seite fühlten viele Griechen, dass sie bereits so viel "erduldet" und "gelitten" hätten. Doch der Euro sei nicht nur "eine Währung", sondern "die Idee eines geeinten Europas".

Man wolle Griechenland aufgrund "belastbarer Grundlagen" bewerten. Merkel meint damit den Bericht der "Troika", bestehend aus Vertretern der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds. Der Fortschrittsbericht wird im September vorgelegt. Dafür muss die Regierung ein neues Sparpaket für 2013 und 2014 festsetzen. Laut Samaras will Griechenland 30 Milliarden Euro bis 2016 einsparen. Er schlägt auch vor, die Bahn und Wettbüros zu verkaufen. Man wolle Bürokratie abbauen und somit Investoren ein besseres Umfeld ermöglichen. Diskussionen über die Wiedereinführung der Drachme schrecke Investoren ab. Der Bericht der Troika werde zeigen, dass die "Regierung sehr schnell Ergebnisse erreichen wird."

Allerdings wird die Wirtschaftsleistung heuer voraussichtlich um mehr als 7 Prozent sinken – geplant waren 4,7 Prozent. Wie schlimm die Lage in Griechenland ist, war Samaras anzuhören. Er sprach langsam, ruhig und getragen von den Opfern, die gebracht würden – aber auch von der "Hauptaufgabe", die Griechenland habe, nämlich Wirtschaftswachstum zu schaffen und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. "Wir brauchen Zeit zum Atmen." Doch Deutschland will derzeit Griechenland nicht mehr Zeit gewähren, um die Vorgaben der Troika zu erreichen.




Schlagwörter

Euro-Krise, Griechenland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-24 13:18:36
Letzte Änderung am 2012-08-24 20:12:11


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