London. Ecuadors Präsident Rafael Correa hält den Streit seiner Regierung mit Großbritannien um den Wikileaks-Gründer Julian Assange für überwunden. Der "unglückliche Vorfall" sei vorbei, sagte Correa am Wochenende. Es sei "gut", dass die britische Regierung ihre Drohung, Assange notfalls aus der Botschaft in London herauszuholen, zurückgenommen habe.
Seine Regierung werde so tun, als habe es die britische Drohung nie gegeben, sagte Correa. Jetzt gehe es darum, im Streit um Assange eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Assange war am 19. Juli in die Botschaft Ecuadors in London geflohen. Ecuador gewährte Assange Asyl, er kann aber London nicht verlassen. Die britischen Behörden wollen den 41-Jährigen an Schweden ausliefern, wo ihm Sexualdelikte zur Last gelegt werden.
Versöhnliche Töne
Am Freitagabend hatte Correa in einer Fernseh- und Rundfunkansprache ein Einlenken der britischen Regierung begrüßt. Noch wenige Stunden zuvor hatte Ecuadors Außenminister Ricardo Patino auf einer Dringlichkeitssitzung der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) in Washington eine "öffentliche Entschuldigung" Großbritanniens für das von London angedrohte Eindringen in die Botschaft gefordert. Der britische Beobachter bei der OAS, Philip Barton, versicherte, sein Land habe die Botschaft "zu keinem Zeitpunkt bedroht".
Unterdessen wurden geheime Dokumente der britischen Polizei öffentlich, wonach Befehl erteilt wurde, Assange "unter allen Umständen" festzunehmen, wenn er das Gebäude verlasse. Ein Fotograf machte Aufnahmen von Notizen, die ein Polizist vor der Botschaft in der Hand hielt. Diese wurden von mehreren Zeitungen gedruckt. Die Anordnung sollte anscheinend auch für den Fall gelten, dass der Australier die diplomatische Vertretung in einem Wagen oder als "diplomatisches Gepäck" verlässt.
"Widersprüchliches" Handeln Londons
Ecuadors Präsident Rafael Correa spielte die Vorwürfe der schwedischen Justiz gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange am Sonntag herunter. Die Vorwürfe gegen Assange seien "in 90 bis 95 Prozent der Welt kein Verbrechen", sagte er der britischen "Sunday Times".
Ecuadors Staatschef warf Großbritannien vor, "widersprüchlich" zu handeln. Das Land habe sich 1998 geweigert, den international gesuchten chilenischen Ex-Präsidenten Augusto Pinochet zu verhaften und auszuliefern. Pinochet sollte sich in Spanien für die Verbrechen während seiner Amtszeit verantworten. London habe sich damals aus "humanitären Gründen" geweigert, wolle aber Assange ausliefern, weil er kein Kondom benutzt habe, kritisierte Correa.
Tatsächlich will die schwedische Justiz Assange wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs befragen. Assange fürchtet aber eine Auslieferung an die USA, wo er wegen Spionage angeklagt werden könnte. Wikileaks veröffentlichte zehntausende geheime Depeschen der US-Diplomatie sowie Dokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan.