Damaskus/Beirut/New York. Die syrische Opposition wirft den Truppen von Staatschef Bashar al-Assad erneut ein schweres Massaker vor. In Daraya nahe der Hauptstadt Damaskus seien am Wochenende mindestens 320 Leichen gefunden worden, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Laut den syrischen Rebellen wurden viele Opfer bei Massenhinrichtungen getötet und die Leichen dann verbrannt. Erstmals soll sich ein Armeekommandant aus Syrien abgesetzt haben, der größere Kampfverbände befehligt hatte.
Die Armee habe Daraya zunächst abgeriegelt und dann mit mit schweren Waffen und Kampfflugzeugen unter Beschuss genommen, sagte ein Oppositionssprecher. Später seien die "Mörderbanden" der regierungstreuen Shabiha-Miliz in die Stadt eingedrungen und hätten Massenhinrichtungen verübt. Die Leichen seien zerstückelt und in Brand gesetzt worden. In einem von der Opposition verbreiteten Video waren zahlreiche verkohlte Leichen zu sehen, die in einer Moschee entlang der Wände übereinandergelegt waren. Eine Stimme beschreibt die Bilder als Ergebnis eines "abscheulichen Massakers", das von Assads Truppen begangen worden sei. Die syrischen Staatsmedien berichteten, die Armee habe Daraya "von Terroristen gesäubert".
Angaben von unabhängiger Seite nicht überprüfbar
Die Beobachtungsstelle erklärte, die meisten Opfer seien vermutlich in den vergangenen Tagen bei einer Offensive der Armee getötet worden. Demnach hatten die Regierungstruppen zu Wochenbeginn einen Großeinsatz gegen Daraya gestartet, um die gegen Assad kämpfenden Aufständischen aus der Stadt mit rund 200.000 Einwohnern zu vertreiben. Die Beobachtungsstelle stützt sich bei der Bekanntgabe ihrer Opferzahlen auf die Aussagen von Aufständischen und Augenzeugen. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.
Die syrische Führung um Assad lässt seit Mitte März 2011 eine Revolte blutig niederschlagen. Seither wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle rund 25.000 Menschen getötet. Mit mehr als 4.000 Toten ist der August schon jetzt der blutigste Monat seit dem Beginn des Aufstands.
Jordanische Medien meldeten, General Mohammed Mussa al-Khairat habe am Samstag die Grenze überquert. Der Name des Kommandanten der 7. Division war im Jänner auf einer von den Koordinationskomitees der Syrischen Revolution in der Stadt Jasim verbreiteten Liste mit Namen von Militärs aufgetaucht, die nach ihren Angaben an der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung in ihrer Stadt beteiligt waren. Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabiya, wonach sich auch Vizepräsident Faruk al-Sharaa nach Jordanien abgesetzt haben soll.