Berlin/Paris. Berlin und Paris demonstrieren Einigkeit und wollen Griechenland im Euro halten - doch in der deutschen Koalition trat die CSU einen neuen Streit darüber los. Trotz klarer Mahnungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, an einem Austritt Athens aus der Währungsunion führe kein Weg vorbei: "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone."
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte scharf ein Ende des "Griechenland-Mobbings" der CSU, das deutschen Interessen schade. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dämpfte Erwartungen, der hoch verschuldete Europartner könnte bei der Reformen-Umsetzung mehr Zeit bekommen. Das tat in Österreich ebenso Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) via "NZZ am Sonntag" - im Gegensatz zu Kanzler Werner Faymann (SPÖ), der den Griechen mehr Zeit für Reformen geben würde, wie er am Sonntag in der Zeitung "Österreich" sagte.
Marshallplan und Rückkehroption
Dobrindt sagte der "Bild am Sonntag", es könne für Griechenland nicht immer weiter nach dem Motto gehen: "Einmal Eurozone, immer Eurozone". Nach einem Austritt müsse es einen Marshallplan für den wirtschaftlichen Aufbau und eine Rückkehroption für Athen geben. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn sagte dem "Focus": "Ein Land, das nicht in der Lage ist, dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein innerhalb der Euro-Zone, stellt sich besser außerhalb."
Westerwelle verurteilte die CSU-Forderungen: "Ich glaube, dass dieses Griechenland-Mobbing die Politik der Bundesregierung, auch der Bundeskanzlerin untergräbt." Dies schade dem Ansehen Deutschlands in der Welt. Notwendig sei, dass die Euro-Zone zusammen bleibe, sagte der Außenminister am Samstag. "Dazu ist es wichtig, dass wir unser Urteil fällen, wenn wir die Fakten kennen und wenn die Troika ihren Bericht vorgelegt hat." Der Bericht der Geldgeber-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds über die Umsetzung der Sparauflagen wird für September erwartet.
Oettinger: Niemand wisse, was passieren würde
Merkel hatte nach einem Gespräch mit dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Antons Samaras am Freitag gesagt, es sei "Ziel der gesamten Bundesregierung, dass Griechenland Teil der Eurozone ist". Sie kenne "niemanden in den Regierungsfraktionen, der das nicht will". Athen könne erwarten, "dass wir keine vorschnellen Urteile fällen". Belastbare Basis sei erst der Troika-Bericht. Dies mahnte auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt an: "Ob Griechenland in der Eurozone bleibt oder nicht, ist keine Frage, die zum jetzigen Zeitpunkt oder aus einem Bauchgefühl heraus entschieden werden kann."