An der Oberfläche ist in Damaskus alles ruhig. Die Cafes sind voll, Menschenmassen wälzen sich durch die engen Gassen der Altstadt. Einzig schwer bewaffnete Checkpoints lassen den Ausnahmezustand erkennen.

"Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten". Das steht auf einem Plakat zu lesen, das vor dem Bauplatz des Massar Discovery Center in Damaskus angebracht ist. Das Zitat stammt vom syrischen Präsidenten Bashar al Assad, er ist auch überlebensgroß auf dem Plakat zu sehen. 2013 sollte das Kindermuseum in Gestalt einer Rose fertig sein. Die Arbeit ruht, die abgewinkelten Stahlbetonträger recken wie die Finger einer sehnigen Hand in die Höhe. Die Zukunft: Seit März 2011 liegt die Gestaltung des Morgen und Übermorgen in Syrien nicht mehr allein in Bashar al-Assads Händen: Die Gewalt im Land eskaliert, bewaffnete Milizen und radikalislamische Terror-Gruppen mit al-Qaida-Verbindungen sind in immer blutigeren, erbitterteren Rebellion gegen das Regime.
Die Reise im Taxi von der nur 109 Kilometer entfernt liegenden Hauptstadt Damaskus erwies sich als zeitraubend, insgesamt dauerte der Trip über sechs Stunden. Lange Wartezeiten an den Grenzen, fünf Checkpoints waren am Weg zu passieren. Zweimal hieß es, Koffer und Rucksack auspacken. "What is this?" – "Externe Festplatte". "And this?" – "Tripod", das Stativ erregte besondere Aufmerksamkeit.
Wenn man in der Altstadt von Damaskus in diesen wunderschönen Sommertagen spazieren geht, merkt man davon freilich nur wenig. Die Cafés und Bars sind voll mit Backgammon-Spielern, in einem der beliebten, schicken Altstadt-Bars sitzt eine Gruppe von fünf jungen Frauen und raucht Nargile, also Wasserpfeife. Süßlicher Apfelduft erfüllt den Raum, eine der jungen, gestylten Damen sitzt gebannt über ihrem iPad. Die fünf jungen Frauen gehören eindeutig der Oberschicht an. Was wohl in den Köpfen der Jeunesse Dorée von Damaskus vorgeht?

Erst wenn man Nächtens noch einmal das Haus verlässt, wird einem der Ausnahmezustand vor Augen geführt. Abends sitzen nämlich Grüppchen von mit Pump-Gun und Kalaschnikow-Sturmgewehren bewaffneten Männern an der Straßenecke und fragen nach dem Pass: "Sorry, sorry, but you must understand. The situation ", sagt ein mit einem roten T-Shirt und Jeans bekleideter Zivilpolizist. Ich soll lieber nach Hause gehen, vor ein paar Tagen sei nicht weit von hier eine Bombe hochgegangen. Der Mann ist ausnehmend höflich, aber bestimmt. Ich möge verzeihen, verstehen, aber so sei eben die Situation. Sporadisch hört man ein dumpfes Grollen, da kein Wölkchen am Himmel ist, handelt es sich eher nicht um ein Gewitter. Granatwerfer? Artillerie? Eine Autobombe, die hochgegangen ist?