• vom 08.09.2012, 23:17 Uhr

Top News

Update: 10.09.2012, 11:48 Uhr
  • Artikel
  • Video
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Beim 69. Filmfestival von Venedig wurden die Löwen vergeben

Ulrich Seidl erhält Jury-Preis


Von Matthias Greuling, Venedig

  • Hauptpreis geht an Kim Ki-duk.

Es ist auch eine Anerkennung für den österreichischen Film, aber mehr noch ist es eine Würdigung des Werks von Ulrich Seidl, der am Samstag Abend beim 69. Filmfestival in Venedig mit dem Preis der Jury (zum zweiten Mal nach 2001 für "Hundstage") ausgezeichnet wurde.

Ulrich Seidl bekommt bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis der Jury für seinen Film "Paradies: Glaube"

Ulrich Seidl bekommt bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis der Jury für seinen Film "Paradies: Glaube"APAweb / Reuters /Tony Gentile Ulrich Seidl bekommt bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis der Jury für seinen Film "Paradies: Glaube"APAweb / Reuters /Tony Gentile

Sein Film "Paradies: Glaube", der zweite in seiner "Paradies"-Trilogie, hatte in Italien für Aufsehen gesorgt, weil es darin um einen erzkonservative gottesfürchtige Frau (Maria Hofstätter) geht, die missionierend von Tür zu Tür zieht. Für eine Szene, in der sie sich mit einem Christus-Kreuz selbst befriedigt, gab es gar eine Anzeige wegen Blasphemie von der ultrakonservativen katholischen Vereinigung NO 194.

Information

Die wichtigsten Preise
  • Goldener Löwe für den besten Film: "Pieta" von Kim Ki-duk
  • Spezialpreis der Jury: "Paradies: Glaube" von Ulrich Seidl
  • Silberner Löwe für die beste Regie: Paul Thomas Anderson für "The Master
  • Preis für die besten Schauspieler: Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix für "The Master"
  • Preis für die beste Schauspielerin: Hadas Yaron für "Fill the Void"
  • Bestes Drehbuch: Olivier Assayas für "Après Mai"

Und jetzt dieser Preis, quasi als Kontrapunkt zum vielfach als geschmacklos und beleidigend gewerteten "Paradies: Glaube", der Seidls Stil formal wie inhaltlich weiterentwickelt hin zu einem verstörend-repetitiven Kino der Schmerzlichkeiten: Ja, Seidl ist sich bewusst, dass er Menschen mit seinem Film weh tun kann, aber er nimmt das in Kauf, weil er gerne auf die Zustände in der Welt reagiert, und sie korrekt wiedergibt, zumindest so, wie er als Künstler es als korrekt empfindet.

Dass der Goldene Löwe schließlich nach Korea an den Regisseur Kim Ki-duk und seinen Film "Pieta" ging, unterstreicht nur den Trend, der sich das ganze Festival über bereits abgezeichnet hatte: Es sind Festspiele des Glaubens gewesen, sie haben Religion(en) und ihre Einflussnahme auf die Menschen genau seziert, jeder Film aus seine Weise, aber keiner weniger energisch als der andere. Das Jahr 2012, geprägt von Weltuntergangsängsten und dem seit 9/11 schwelenden Konflikt zwischen Islam und Christentum, ist der passende Nährboden für Filme über den Glauben.

Interview mit Ulrich Seidl

"Pieta" jedenfalls markiert die Rückkehr des Festival-Lieblings Kim Ki-duk auf die internationale Bühne, nachdem der Regisseur aufgrund einer Depression und Schaffenskrise lange Zeit in einer Waldhütte lebte und dort auch die Doku "Arirang" drehte, die 2011 in Cannes präsentiert wurde. "Pieta" ist eine wuchtige Kritik am Kapitalismus, die einen Mann zeigt, der Gelder von Schuldnern eintreibt, und das gerne mit brutaler Härte tut. Der Mann versichert Verkrüppelungen, und seine Schuldner sind oft heilfroh, wenn sie ihre Gelenke brechen lassen können, nur um nicht weiterhin in Geldnöten stecken zu müssen. Irgendwann wird dieser Vollstrecker mit seiner Mutter konfrontiert, die ihn nach seiner Geburt ablehnte und nun um Gnade bittet. Eine Katastrophe in der noch zaghaft vorhandenen Gefühlswelt dieses Mannes. Ein würdiger Preisträger, durch und durch in Ki-duks Stil einer depressiv-pessimistischen Tonlage voller archaischer Gewalt gehalten; doch Gewalt ist für den Regisseur stets das einzige adäquate Ausdrucksmittel von Liebe und menschlichen Beziehungen, niemals Provokation, wie er mehrfach betonte.

Auch der US-Amerikaner Paul Thomas Anderson hatte Grund zur Freude: Für sein Sektendrama "The Master" erhielt er den Silbernen Löwen für die beste Regie, seine Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman wurden als beste Schauspieler prämiert. Hadas Yaron (als beste Darstellerin in "Fill the Void") erhielt ihren Preis verdient, wenngleich es schade ist, dass Maria Hofstätter in Seidls "Paradies: Glaube" leer ausging.

Interview mit Ulrich Seidl



zurück zum Artikel





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-08 23:19:31
Letzte Änderung am 2012-09-10 11:48:39


Werbung



Beliebte Inhalte



Freundliches Lächeln zwischen Vizemarschall Choe Ryong-hae und Präsident Xi Jinping. - ap
  • Erstmals unter Kim Jong-un besucht ein nordkoreanischer Gesandter Peking
  • weiter

Mehr als 5000 "Siemensianer" arbeiten derzeit noch in der neuen "Siemens-City" in Wien-Floridsdorf. - apa
  • Auch in Österreich wackeln bis zu 1000 Arbeitsplätze
  • weiter

Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

Auf Sexualverhalten bezogene Aidsbekämpfung macht wenig Sinn, so Hunsmann. - Apaweb/Pfarrhofer
  • HIV-Epidemien in Afrika gehen aus schlechtem Gesundheitszustand der Bevölkerungen hervor.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung