Washington. Die USA reagieren nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der ostlibyschen Metropole Bengasi mit einer Demonstration militärischer Stärke: Das US-Verteidigungsministerium verlegte zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer "USS Laboon" habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die "USS McFaul" sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen.
Doch die Kanonenboot-Politik vermag die Eskalation der Krise offenbar nicht zu verhindern: Demonstranten stürmten am Donnerstag die US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Die Polizei gab nach ersten Berichten Warnschüsse ab, um die Menschenmenge zu vertreiben. Lokale Medien berichteten, dass es Verletzte gegeben habe.
Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, dabei kam es in Libyen und Ägypten zu blutigen Ausschreitungen.
Al-Kaida-Attentat zum Jubiläum?
Beim Angriff auf das US-Konsulat am Dienstag in Bengasi wurden der Botschafter der USA in Libyen, Chris Stevens, und drei weitere Amerikaner getötet. In den USA geht man davon aus, dass einmal mehr das Terrornetzwerkes Al-Kaida hinter dem Anschlag stehen könnte. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum.
Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, äußerste am Mittwoch den Verdacht, es könnte sich um eine Art Jubiläums-Attentat handeln. "Das war ein sehr gut durchdachtes, koordiniertes Ereignis. Ich glaube, es war geplant, dass es an diesem Datum passiert", meinte der Republikaner.
Ähnlich äußerte sich der Islam-Experte Fouad Ajami von der Stanford University im Sender CNN: Es gebe immer noch viele aktive Al-Kaida-Kämpfer in Libyen.
Die Angreifer setzten Brandbomben und Panzerfäuste ein. Sie hätten das Hauptgebäude und später auch die Nebengebäude mehr als vier Stunden lang beschossen, sagte eine Beamtin des US-Außenamtes in Washington. Das Konsulat habe erst nach großer Gegenwehr amerikanischer und libyscher Sicherheitskräfte evakuiert werden können. Die Vertretung in Tripolis arbeite nur noch im Notbetrieb. Die überlebenden Botschaftsmitarbeiter und die Leichname sind mittlerweile auf die US-Militärbasis im pfälzischen Ramstein gebracht worden.