
Dublin/Berlin. Facebook lenkt bei der von Datenschützern beanstandeten Gesichtserkennungsfunktion ein. Das Online-Netzwerk hat sich bereit erklärt, bis zum 15. Oktober alle bisher erstellten Nutzerprofile von EU-Bürgern zu löschen. Die Funktion sei bereits für alle neuen Nutzer in der Europäischen Union abgeschaltet worden, teilte die irische Datenschützbehörde am Freitag mit.
Das gefällt ganz besonders einem Studenten aus Wien. Max Schrems betrachtet den Facebook-Rückzug als ersten Sieg gegen den US-Internetkonzern. "Wir können jetzt die erste von 22 Anzeigen fallen lassen", sagte Schrems am Freitagnachmittag zur APA, gleich nachdem die irische Datenschutzbehörde ihren finalen Facebook-Prüfbericht veröffentlicht hatte. Schrems zeigte sich überrascht von der Wende, habe doch der zuständige Beamte bei der irischen Datenschutzkommission noch vor einem Jahr bei der Gesichtserkennung keinen Handlungsbedarf gesehen.
Schrems hat mit seiner Gruppe "europe-v-facebook.org" die Anzeigen bei der irischen Datenschutzbehörde gegen Facebook eingebracht. Neben der Gesichtserkennung geht es um den Umgang mit Nutzerdaten und ihrer Löschung. Dass Facebook nun gerade bei der Gesichtserkennung eingelenkt habe, schreibt Schrems der Tatsache zu, dass sich die Hamburger Datenschutzbehörde dieser Frage angenommen habe. "Es hat wahnsinnig viel Druck auf europäischer Ebene gegeben."
Großes Missbrauchspotenzial
Die automatische Gesichtserkennung soll nach der Vorstellung von Facebook den Nutzern helfen, ihre Freunde in Fotos zu finden und zu markieren. Die Datenschützer haben aber Bedenken, dass eine Datenbank mit "Gesichtsabdrucken" von Millionen Mitgliedern ein immenses Risiko-und Missbrauchspotenzial hätte. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar forderte, dass Nutzer ausdrücklich um ihre Zustimmung zur Freischaltung der Funktion gefragt werden müssten.
Bevor Facebook zurück ruderte, hatte das Unternehmen immer betont, dass die Fotomarkierungs-Funktion mit den europäischen Datenschutzbestimmungen vollkommen konform sei. Ob die Funktion in veränderter Form wieder eingeführt wird, ließ das Unternehmen offen.
Facebook lässt viele Fragen offen
Die irische Datenschutzbehörde hat am Freitag ihren finalen Prüfbericht über Facebook vorgelegt. Sie ist für die Kontrolle des Sozialen Netzwerks zuständig, weil sich die europäische Zentrale in Dublin befindet. In Irland war der Internetkonzern nach Ansicht von Kritikern bisher mit Samthandschuhen angefasst worden. Die Behörde gab 2011 eine Reihe von Empfehlungen ab, welche von Facebook offenbar großteils zur Zufriedenheit der Iren umgesetzt worden waren.
Max Schrems wollte sich diesem Verdikt in einer Aussendung allerdings nicht anschließen. Laut Schrems hätte Facebook eben nicht alle Empfehlungen umgesetzt und müsse deshalb nicht einmal Konsequenzen fürchten.
Eine verbindliches Urteil über die 22 Anzeigen von "europe-v-facebook.org" will die irische Datenschutzbehörde separat fällen. Die Initiative sammelt bereits Geld für den Instanzenzug in Irland.
Zu den offenen Punkten zählen fundamentale Funktionen wie das vollständige Löschen von Facebook-Accounts oder das Werbe-Targeting des Internet-Konzerns, das anhand persönlicher Daten erfolgt.
Deutschland begrüßt Ende der Gesichtserkennung
Das Einlenken von Facebook sei "ein großer Erfolg für den Verbraucherschutz", sagte ein Sprecher der deutschen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner Freitagabend in Berlin. Es zeige, dass die Debatte über Datenschutz im weltgrößten sozialen Netzwerk nicht ohne Wirkung geblieben sei.
Dass Facebook unter massivem Druck der europäischen Datenschutz-Behörden seine Praxis ändere, belege, "dass es bereits nach geltendem Recht Möglichkeiten gibt, auch die globalen Player zur Einhaltung des Rechts zu verpflichten". Laut dem deutschen Verbraucherministerium hatte Facebook für die Gesichtserkennung die derzeit vermutlich weltweit größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen einzelner Menschen erstellt, ohne aber über die biometrische Erfassung klar und verständlich zu informieren.