• vom 04.10.2012, 08:55 Uhr

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Update: 04.10.2012, 09:15 Uhr
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Kaum Geld für Humankapital

Österreich investiert
zu wenig in Menschen



  • Ranghöchster Beamter der Euro-Zone kritisiert Mängel der Aus- und Weiterbildung.

Mit Weiterbildung gegen die Arbeitslosigkeit - hier hat Österreich Nachholbedarf. - APAweb / dapd / Volker Hartmann

Mit Weiterbildung gegen die Arbeitslosigkeit - hier hat Österreich Nachholbedarf. APAweb / dapd / Volker Hartmann

Alpbach. Durch die Globalisierung kommen Menschen mit unqualifizierten Jobs in den Industrieländern massiv unter Druck. Österreich setzt viel zu sehr auf passive Maßnahmen, etwa Steuerbefreiung oder Arbeitslosengeld, um diesem Problem zu begegnen, kritisierte Thomas Wieser, als Koordinator der Eurogruppe ranghöchster Beamter der Eurozone, am Mittwochabend bei der Eröffnung des Finanzsymposiums Alpbach. Er forderte aktive Maßnahmen wie Aus- und Weiterbildung, damit Arbeitslose wieder höherwertige Jobs finden können.

Österreich habe "die Investition in Humankapital drastisch reduziert", stellte Wieser fest und - wie die Industriestaaten allgemein - unter der Konkurrenz der Schwellenländer versucht, durch Verschuldung die Strukturprobleme zu kaschieren. In Österreich wurde dabei vor allem der Staatshaushalt belastet, in anderen Ländern haben sich die privaten Haushalte verschuldet, um ihren Lebensstandard zu halten.

In den viel gelobten Niederlanden etwa sei die Gesamtverschuldung (Private und öffentliche Hand zusammen) höher als in Österreich. Nun sei aber diese Verschuldungspolitik an ihre Grenze gestoßen: "Wir sind am Ende der Reißleine angekommen". Die Erhöhung der Transferleistungen werde nicht ausreichen, um in der Konkurrenz mit China zu bestehen.

Dabei habe Österreich dank innerer Abwertung des Euro einen Leistungsbilanzüberschuss, aber die Mittel daraus "haben wir verbrannt", so Wieser. Viel Geld sei in Risikopapiere in den USA geflossen - statt in die Bildung. Fehlende Innovationen werden jedoch in Zukunft das Wachstumspotenzial in den Industrieländern deutlich verringern, erwartet Wieser. Zwar stehe man hierzulande besser da als in den östlichen Nachbarländern, im Vergleich zum Westen gebe es aber "Aufholbedarf".

Wieser glaubt, dass die Nähe zu Osteuropa ein Grund ist, warum Österreich besser da steht als etwa südliche Länder in Europa. Seit 1989 müsse man mit hohen Lohnunterschieden zu den Nachbarländern leben und habe sich daran adaptiert. In Spanien habe es diesen Druck nicht gegeben. Nun müsse dort gleichsam in einem großen Bruch nachgeholt werden, was seit 20 Jahren versäumt wurde. Und das, ohne im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern abwerten zu können.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 08:55:50
Letzte Änderung am 2012-10-04 09:15:31


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