• vom 04.10.2012, 10:05 Uhr

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Update: 04.10.2012, 10:08 Uhr
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Orchester in der Krise

USA: Kein Geld für Klassik



  • Streiks und Etat-Kürzungen zum Saisonstart.

Selbst renommierte Orchester wie das Chicago Symphony leiden unter Geldmangel. - APAweb / EPA / Todd Rosenberg

Selbst renommierte Orchester wie das Chicago Symphony leiden unter Geldmangel. APAweb / EPA / Todd Rosenberg

Washington. Es gibt viele Misstöne in US-amerikanischen Orchestern. Aber weder Pauken, Bläser oder Streicher sind dafür verantwortlich - sondern die schwere finanzielle Krise, in der sich die Klassikbetriebe quer durch die Vereinigten Staaten befinden. An allen Ecken und Enden wird gestreikt, sogar die Spitzenorchester des Landes sind unter massivem Zugzwang. Nicht wenige Konzertsäle sind in den vergangenen Tagen und Wochen der Verhandlungen geschlossen geblieben, viele Saisonauftakte standen unter dem langen Schatten von Kürzungen.

Auch einige der "Big Five" sind betroffen: Chicago, Boston, New York, Philadelphia und Cleveland. In der Vorwoche streikten die Musiker des Chicago Symphony und ließen ein Konzert unter Chefdirigent Riccardo Muti ausfallen - nach 48 Stunden erreichte man eine Einigung in den Verhandlungen und machte sich auf zum Carnegie Hall Galakonzert mit Anne-Sophie Mutter.

In New York einigte man sich in Verhandlungen, die von einem Mediator begleitet wurden, auf einen Vertrag, der bereits im nächsten September wieder ausläuft. In Cleveland hat Franz Welser-Möst jüngst die Saison eröffnet - mit Musikern, die derzeit überhaupt ohne Vertrag und während laufender Verhandlungen spielen.

Philadelphia sorgte schon im Vorjahr für Entsetzen: Dass ein solches Traditionsorchester Konkurs anmeldet, schien in Europa unfassbar. Nach langem Hin und Her ließen sich die Musiker auf massive Kürzungen bei Gehalt und Pensionen ein.

In Indianapolis haben Musiker mittlerweile begonnen, sich arbeitslos zu melden. Die Liste könnte noch lange weitergeführt werden: In San Antonio wird geklagt, in Jacksonville stocken die Verhandlungen ebenso wie in Richmond, in Atlanta gibt es nach kompletten Ausfällen wieder Gesprächsbereitschaft. In Minnesota wurden alle Konzerttätigkeiten bis Ende November eingestellt und die Gehälter eingefroren. Andere haben ungewöhnliche Einigungen gefunden: In Pittsburgh akzeptierten die Musiker eine zehnprozentige Gehaltskürzung - und verpflichteten sich sogar zu Spenden an das Orchester im Wert von zweimal 100.000 Dollar.

Dass Geld fehlt, darüber herrscht Einigkeit. In die hochgelobten amerikanischen Orchester fließt so gut wie keine öffentliche Förderung, in manchen Staaten mehr, in manchen weniger, in einigen wurde auch das Wenige gestrichen. Gegründet wurden die meisten Orchester von wohlhabenden Familien, die das kulturelle Leben ihrer Stadt bereichern wollten. Viele leben von Stiftungsvermögen, das ihnen von ihren Mäzenen überlassen wurde, dazu kommen Spenden und Karteneinnahmen.

Die Einnahmen aus diesen beiden Quellen sind seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 allerdings dramatisch gesunken. Allerorts spricht man nun von einem "strukturellen Defizit". Die Sparmaßnahmen treffen hauptsächlich die Musiker. In einem über YouTube bereits tausendfach verbreiteten Video appellieren die Instrumentalisten des Minnesota Orchestra an Management, Publikum und Sponsoren, nicht "aus einem Orchester die Musik zu streichen".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 10:05:20
Letzte Änderung am 2012-10-04 10:08:02


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