Charkiw. Charkiw. (rel) Es bedarf einiger Energie, um Metall zu biegen. Im Fall von Metalist Charkiw war es Donnerstagabend eine Mischung aus brasilianischem und argentinischem "Stahl", mit dem es Rapid Wien im zweiten Europa-League-Spiel zu tun hatte. Einziger Ukrainer in der fast nur aus Südamerikanern gebildeten Metalist-Auswahl war Torwart Alexander Gorjainow. Für ein Fussballwunder, also einen Sieg oder zumindest ein Remis gegen den Traditionsklub aus dem Don-Becken, hat schließlich nicht gereicht. Rapid verlor – trotz beherzten Einsatzes und mehrerer Torchancen – vor 40.000 Zuschauern mit 0:2.

Dabei schien zumindest in der ersten Spielhälfte noch alles möglich. Rapid hatte gegen den Favoriten lange Zeit gut mitgehalten, vergab vor der Pause aber eine Vielzahl guter Möglichkeiten. Die Grün-Weißen ließen die technisch starken Metalist-Kicker nur selten zur Geltung kommen, und wenn es einmal brenzlig wurde, war Königshofer zur Stelle – so etwa in der 5. Minute gegen Taison und in der 25. Minute gegen Sosa. In der 35. Minute verfehlte ein Kopfball von Cleiton Xavier nur knapp das Tor.
Rote Karte für Burgstaller
In der zweiten Hälfte verstärkten die Ukrainer den Druck und gingen schließlich durch den Brasilianer Edmar in der 66. Minute in Führung. Nach dem Treffer bemühten sich die Gäste redlich um den Ausgleich, große Chancen wurden allerdings nicht mehr herausgespielt. Die Mannschaft aus Charkiw zeigte in der 80. Minute noch einmal ihre Klasse. Nach einer schönen Aktion über mehrere Stationen spielte Willian für Cleiton Xavier auf, der per Kopf aus kurzer Distanz für die Entscheidung sorgte. Damit war die Partie für Rapid gelaufen. Guido Burgstaller sah in der Nachspielzeit nach einem groben Foul zudem die Rote Karte. Er wird nun gegen Bayer Leverkusen fehlen. Teamchef Peter Schöttel zeigte sich mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. "Wir können auf unsere Leistung stolz sein. Wir haben Metalist so gut es geht aus dem Spiel genommen.
Schöttel steht mit der Niederlage nicht allein da – waren bereits schon einmal zwei österreichische Klubs, Austria und Salzburg, gegen Charkiw gescheitert. Die Wiener kassierten sechs, die Salzburger gar acht Tore. Als Erklärung für die Stärke der Ukrainer wurde immer wieder die hohe Anzahl an südamerikanischen Legionären genannt. Nicht zu vergessen die prall gefüllte Vereinskassa. Bei Charkiw scheint überhaupt vieles, was glänzt, tatsächlich auch Gold zu sein. Dass dem Verein das Geld nicht ausgeht, dafür sorgt der Ex-Polizist, Banker und Oligarch Alexander Jaroslawski. Er hat seit 2004 Millionen in seinen Heimatklub gepumpt und Metalist damit zu einem der besten Klubs des Landes gemacht.
Dennoch wäre für Rapid zumindest ein Punkt möglich gewesen. Nun hilft den Grün-Weißen in ihrem nächsten Europa-League Spiel am 25. Oktober in Wien gegen Leverkusen nur ein Sieg, um im Rennen zu bleiben. In der Tabelle führen Charkiw und Leverkusen mit jeweils vier Punkten.
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