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Update: 07.10.2012, 15:30 Uhr
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Grenzüberschreitende Scharmützel halten Bevölkerung in Atem

Türkisch-syrisches Grenzgebiet kommt nicht zur Ruhe



  • Syrische Staatsmedien melden "Säuberungen" nahe Damaskus

Das türkisch-syrische Grenzgebiet kommt nicht zur Ruhe. Rebellen eroberten nach Zeugenangaben vom Sonntag einen syrischen Vorposten. Am Vortag war es zudem erneut zu grenzüberschreitenden Scharmützeln gekommen.

Das türkisch-syrische Grenzgebiet kommt nicht zur Ruhe. Rebellen eroberten nach Zeugenangaben vom Sonntag einen syrischen Vorposten. Am Vortag war es zudem erneut zu grenzüberschreitenden Scharmützeln gekommen.APAweb/AP/dpa Das türkisch-syrische Grenzgebiet kommt nicht zur Ruhe. Rebellen eroberten nach Zeugenangaben vom Sonntag einen syrischen Vorposten. Am Vortag war es zudem erneut zu grenzüberschreitenden Scharmützeln gekommen.APAweb/AP/dpa

Güvecci. Das türkisch-syrische Grenzgebiet kommt nicht zur Ruhe. Rebellen eroberten nach Zeugenangaben vom Sonntag einen syrischen Vorposten. Am Vortag war es zudem erneut zu grenzüberschreitenden Scharmützeln gekommen. Dabei erwiderte das türkische Militär nach eigener Darstellung den von Syrien ausgehenden Beschuss. Trotz unmissverständlicher Drohungen an die Adresse der syrischen Führung schlug die Türkei aber auch versöhnliche Töne an. So äußerte sich Außenminister Ahmet Davutoglu zurückhaltender als Regierungschef Tayyip Erdogan, der beide Länder als "nicht weit von einem Krieg entfernt" beschrieben hatte.

Auch nach der Einnahme des syrischen Vorpostens durch Kämpfer der Freien Syrischen Armee waren den Zeugen zufolge am Sonntag Schüsse in dem Gebiet zu hören. Rauch stieg auf. Seit vier Tagen hätten in der Region schwere Kämpfe getobt, berichtete ein Bewohner des türkischen Grenzortes Güvecci. Das dreistöckige weiße Gebäude der syrischen Armee ist einen Kilometer von der Grenze entfernt. Es steht auf einem Hügel, der einen direkten Blick auf Güvecci erlaubt. Die FSA nahm den Vorposten laut Zeugen am Samstag ein.

Bei den Schießereien kamen laut Syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 50 Menschen ums Leben. Unter ihnen seien 40 Regierungssoldaten, berichtete die in London ansässige oppositionelle Gruppe. Verifiziert werden konnten deren Angaben nicht.

Ebenfalls am Samstag waren in der Nähe des Dorfes drei Granaten aus Syrien eingeschlagen. Türkische Truppen schossen zurück. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben des Provinz-Gouverneurs wurden die Granaten vermutlich von der Armee auf Rebellen im Grenzgebiet abgefeuert worden. Die Behörden wiesen die Anwohner an, Balkone zu meiden und sich möglichst wenig im Freien aufzuhalten.

Es war der vierte Tag in Folge, an dem das Nato-Mitglied Feuer aus Syrien erwiderte. Die Lage hatte sich dramatisch zugespitzt, als am Mittwoch in Akcakale fünf Türken durch Beschuss aus Syrien ums Leben gekommen waren. Erdogan sagte am Freitag, die Türkei wolle keinen Krieg. Doch wer die Reaktionsfähigkeit und Entschlossenheit seines Landes testen wolle, begehe einen tödlichen Fehler. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "extrem ernsten Situation". Auch die USA zeigten sich zunehmend besorgt.

SENDER: SYRISCHE FLUGZEUGE MÜSSEN SICH VON GRENZE FERNHALTEN

Der UN-Sicherheitsrat hatte den tödlichen Angriff auf das Grenzdorf Akcakale scharf verurteilt. Russland erhielt nach eigenen Angaben die Zusicherung Syriens, bei dem Beschuss habe es sich um einem tragischen Unfall gehandelt. Die Türkei reagierte mit Vergeltungsschlägen, bei denen syrische Soldaten getötet wurden. Der türkischen Sender NTV berichtete, die syrische Artillerie sei seitdem angewiesen worden, im Kampf mit Rebellen nicht mehr nahe der Grenze zu feuern. Kampflugzeuge und Hubschrauber wurden angewiesen, einen Abstand von mindestens zehn Kilometern zur Grenze einzuhalten. Von syrischer Seite wurde dies nicht bestätigt.

Die Türkei verfügt über ein wesentlich stärkeres Militär als Syrien. Beide Länder unterhielten einst enge Beziehungen. Das änderte sich jedoch, als die Regierung in Damaskus immer härter gegen ihre Gegner vorging. Erdogan ist inzwischen einer der schärfsten Kritiker von Präsident Baschar al-Assad. Die Türkei bietet ranghohen Rebellen Unterschlupf und hat fast 100.000 Flüchtlinge aufgenommen.

Die internationalen Friedensbemühungen haben bislang im Syrien-Konflikt wie Versuche der Anrainer keinen Erfolg gehabt. Außenminister Davutoglu teilte mit, UN-Sondervermittler Lakhdar Brahimi werde in Kürze in der Türkei zu Beratungen erwartet wie der russische Präsident Wladimir Putin. Die Hoffnungen auf einen Erfolg Brahimis sind allerdings gering.

Syrische Staatsmedien melden "Säuberungen" nahe Damaskus
Syrische Regierungstruppen haben im Großraum Damaskus eine neue Offensive gegen Rebellen gestartet. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete am Sonntag, dass die Vororte Al-Hamah und Kudsaya "von Terroristen gesäubert" worden seien, und erklärten sie zu sicheren Zonen.

Oppositionelle meldeten, dass in Al-Hamah zehn Leichen gefunden worden seien. Die Männer - darunter ein Angehöriger der Rebellen - seien von Regimesoldaten bei einer mehrtägigen Militäroperation erschossen worden. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.




Schlagwörter

Türkei, Syrien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-07 15:27:02
Letzte Änderung am 2012-10-07 15:30:10


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