
Moskau. Mit einer Überraschung ging die Berufungsverhandlung gegen drei Mitglieder der russischen Polit-Punkband Pussy Riot in Moskau zu Ende. Die Haft für eine der drei Frauen wurde in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Die zwei übrigen Aktivistinnen müssen nach ihrer Kritik an Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche tatsächlich für zwei Jahre ins Straflager. Das teilte das Moskauer Stadtgericht am Mittwoch mit.
Die Verteidigungsrede, in der Nadeschda Tolokonnikowa erklären wollte, dass es sich um eine politische und nicht um eine anti-religiöse Aktion gehandelt habe, wurde vom Gericht abgebrochen.
Bestätigt wurden vom Moskauer Gericht die zweijährige Haftstrafe gegen Marina Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, die dritte Sängerin , Jekaterina Samuzewitsch, kam am Mittwoch auf Bewährung frei. Die drei Frauen waren wegen einer regierungskritischen Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale verurteilt worden.
Die neue Anwältin von Samuzewitsch hatte kurz zuvor während der Anhörung vor Gericht gesagt, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr "Punkgebet" gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Staatschef Wladimir Putin in der Kirche aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits außerhalb der Kirche befunden, sagte die Anwältin.
Zu Beginn hatte die Verteidigung der inhaftierten Frauen am Mittwoch ein unabhängiges Gutachten über das Protestgebet der Gruppe gegen Kremlchef Wladimir Putin gefordert. Der Auftritt der Band im Februar in einer Moskauer Kirche müsse von einem unabhängigen Sprachforscher untersucht werden, sagte Anwältin Violetta Wolkowa nach Angaben der Agentur Interfax.
Ein unabhängiges Gutachten werde zeigen, dass es in dem Punkgebet nicht um religiösen Hass gehe, sagte Wolkowa. Zudem habe das Gericht in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Anhänger und Gegner der Frauen. Auf einem großen Transparent forderten Putin-Gegner den Rücktritt des Präsidenten. Mindestens zwei Menschen wurden festgenommen, hieß es.
Das umstrittene Urteil aus erster Instanz wegen Rowdytums und der Verletzung der Gefühle von Gläubigen war international auf Kritik gestoßen. Die Verteidigung hatte den Prozess als politisch motiviert kritisiert und beantragt, alle seit März inhaftierten Aktivistinnen freizulassen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Frauen als politische Gefangene anerkannt.