
Ankara/Damaskus/Moskau. Die Türkei hat ein syrisches Passagierflugzeug nach einer Zwangslandung in Ankara wieder frei gelassen. Die Fracht der Maschine vom Typ A-320 wurde teilweise beschlagnahmt. Das Flugzeug habe Munition eines russischen Herstellers an Bord gehabt, die für das Verteidigungsministerium in Damaskus bestimmt gewesen sei, ergänzte Ministerpräsident Tayyip Erdogan am Donnerstag.
Geheimdienstinformationen sorgten für Überprüfung

"Wir sind entschlossen, Waffenlieferungen an ein Regime zu kontrollieren, das solch brutale Massaker an der Zivilbevölkerung verübt", erklärte Davutoglu während eines Aufenthalts in Athen. Es sei nicht hinnehmbar, dass der türkische Luftraum für solche Lieferungen benutzt werde.
Donnerstag früh durfte die Maschine mit ihren 35 Passagieren in Ankara wieder starten und Richtung Damaskus weiterfliegen.
Moskau forderte Erklärung
Die Führung in Moskau forderte am Donnerstag eine Erklärung der türkischen Regierung. Syrien reagierte empört auf den Zwischenfall. "Dies ist ein feindlicher Akt", erklärte das Außenministerium. Es seien "keine Waffen oder sonstigen verbotenen Waren" an Bord gewesen. Damaskus forderte die türkischen Behörden auf, die beschlagnahmte Ladung "vollständig und unbeschädigt" zu übergeben. Konkrete Angaben dazu, was sich im Frachtraum der Maschine befand, wurden nicht gemacht.
Die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien sind stark angespannt. In den vergangenen Tagen kam es an der türkisch-syrischen Grenze zu Schusswechseln - so auch am Mittwoch, als auf türkischer Seite erneut mehrere Mörsergranaten einschlugen. Der türkische Generalstabschef Necdet Özel drohte Syrien mit härteren Vergeltungsschlägen, falls der Beschuss nicht aufhöre.

"Der türkische Ministerpräsident führt seine Reihe lügenhafter Erklärungen fort, die darauf abzielen, das feindselige Verhalten seiner Regierung gegenüber Syrien zu rechtfertigen", erklärte das syrische Außenministerium am Donnerstag in Damaskus und wies damit erneut zurück, dass sich an Bord der Maschine Waffen befunden hätten.
USA unterstützen die Türkei
Die USA unterstützen das Vorgehen der Türkei. Zwar wollte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest die Entscheidung Ankaras, das Flugzeug zur Landung zu zwingen, nicht ausdrücklich kommentieren. Aber er sagte am Donnerstag, Washington stehe hinter Verbündeten, die versuchten, Waffenlieferungen an das Regime von Bashar al-Assad zu verhindern. Die gelte besonders für die Türkei.
Experten fürchten Flächenbrand
Experten sehen eine stärkere Konfrontation in der Region heraufziehen. Die Türkei nehme Russland im Syrienkonflikt zunehmend als Feind wahr, sagte der Arabist Boris Dolgow von der Akademie der Wissenschaften der Staatsagentur Ria Nowosti.
Der Moskauer Politologe Wladimir Jewsejew sprach von einer gezielten Eskalation durch die Türkei. "Es ist offensichtlich, dass das ein Element des Drucks auf Russland ist, weil die Türkei keine direkten Hebel hat, um die Lage in Syrien zu beeinflussen", meinte er. Ankaras Ziel sei es, Russland auf diese Weise von seiner Unterstützung für Assad abzubringen.