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Update: 15.10.2012, 10:28 Uhr
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Schubs aus Oslo: Die Europäer sollen sich auf die Gründungsidee der Union besinnen

Nobelpreis für den europäischen Traum


Von Thomas Seifert

  • Die Wiederentdeckung der EU-Gründerväter: Jean Monnet wieder hoch im Kurs.

Ein langer Weg zu einem vereinten Europa (v.l.): Am Anfang waren die Verträge der Stahlindustrie; die historische Geste von Helmut Kohl und François Mitterrand 1984 in Verdun als Zeichen deutsch-französischer Freundschaft, der Mauerfall in Berlin und die Durchschneidung des Grenzzauns zwischen Österreich und Ungarn im Jahr 1989. Und heute? - Montage. APA/Reuters/EPA

Ein langer Weg zu einem vereinten Europa (v.l.): Am Anfang waren die Verträge der Stahlindustrie; die historische Geste von Helmut Kohl und François Mitterrand 1984 in Verdun als Zeichen deutsch-französischer Freundschaft, der Mauerfall in Berlin und die Durchschneidung des Grenzzauns zwischen Österreich und Ungarn im Jahr 1989. Und heute? Montage. APA/Reuters/EPA

Brüssel/Oslo/Wien. 503.824.373 Europäer dürfen sich freuen: Ob sie jetzt in ihren Lebenslauf unter "Auszeichnungen" auch "Trägerin des Friedensnobelpreises 2012" schreiben könne, twitterte eine junge EU-Bürgerin launig. Warum nicht? Die Auszeichnung geht an die EU und die Union, da sind auch die europäischen Bürgerinnen und Bürger gemeint und nicht nur Brüsseler Institutionen.

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Frankreichs Präsident François Hollande scheint diese Meinung zu teilen: "Jeder Europäer kann stolz darauf sein, Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, die in der Lage gewesen ist, Frieden zwischen Völkern zu stiften, die lange Zeit verfeindet waren", hieß aus dem Élysée-Palast. Das Nobelpreiskomitee sieht in der Verleihung des Preises offenbar eine Rückenstärkung für überzeugte Europäer: "Wir wollen laufende und noch unfertige Entwicklungen für den Frieden mit dem Preis unterstützen", sagt der Chef im Nobelkomitee, der 61-jährige Sozialdemokrat, Ex-Regierungschef und jetzige Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland.

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Jagland sieht deshalb keinen Widerspruch zwischen der diesjährigen Entscheidung und dem in der derzeitigen Krise alles andere als strahlenden Erscheinungsbild der EU: "Wir sehen auch, dass Extremismus und Nationalismus wieder auf dem Vormarsch sind. Der  Preis ist ein Signal, dass das Erreichte gesichert werden muss."

Die Auszeichnung sei eine Ermahnung, was verloren ginge, "wenn der Union das Auseinanderbrechen gestattet würde". Die EU habe eine Schlüsselrolle bei der Umwandlung Europas von einem Kontinent des Krieges in einen des Friedens gespielt. Die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach drei Kriegen sei ein beispielloser Erfolg. "Heute ist ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar", heißt es aus Oslo. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, nach Jahrhunderten des Blutvergießens auf dem Kontinent sei eine friedliche Ordnung erreicht worden, zu der auch der Euro gehöre, der mehr sei als eine Währung.

Wie sie sehen viele andere Politiker die Ehrung auch als Ansporn für eine Überwindung der Schuldenkrise. Oslo erinnert die Bürger Europas auch daran, dass sie Grund zum Stolz auf das Erreichte haben – Krise hin oder her: War die Europäische Gemeinschaft so etwas wie der zivile Arm des westlichen Bündnisses, änderte sich die Lage im Jahr 1989.

Die EU hat schon bessere Zeiten erlebt - und doch wird sie gerade jetzt mit der wichtigsten Auszeichnung geehrt.

Die EU hat schon bessere Zeiten erlebt - und doch wird sie gerade jetzt mit der wichtigsten Auszeichnung geehrt.APAweb/dpa/Horst Ossinger Die EU hat schon bessere Zeiten erlebt - und doch wird sie gerade jetzt mit der wichtigsten Auszeichnung geehrt.APAweb/dpa/Horst Ossinger

Blumen für die EU, überreicht von Norwegens EU-Botschafter Atle Leikvoll (rechts im Bild) an Kommissionspräsident Barroso.

Blumen für die EU, überreicht von Norwegens EU-Botschafter Atle Leikvoll (rechts im Bild) an Kommissionspräsident Barroso.APAWeb/ epa Blumen für die EU, überreicht von Norwegens EU-Botschafter Atle Leikvoll (rechts im Bild) an Kommissionspräsident Barroso.APAWeb/ epa




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 11:07:18
Letzte Änderung am 2012-10-15 10:28:05


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