Studenten haben ein Imageproblem. Faulenzer heißt man sie oft, obwohl sie ja eigentlich studiosus (lateinisch für eifrig) sind. Unbeschwertheit wirft man ihnen vor, obwohl sie ihre Studien mehrheitlich ja doch abschließen. Bloß Folgen neidischer Mythen über den Studentenalltag, die keinen Bezug zur Realität aufweisen? Oder tun sie das etwa doch? Zwei (Ex-)Studenten blicken auf die braven und auf die lasterhaften Seiten ihrer Studienzeit zurück.
Des Abschlusses wegen
von Birgit Riezinger
Es gibt Studenten und es gibt Studenten. Sex, Drugs und Rock n Roll oder brav und bieder. Okay, dazwischen gibts vielleicht auch noch was. Ich gehörte eher zur zweiten Kategorie. Laaangweilig? Ja eh irgendwie. Aber ich kam halt an die Uni, um zu studieren. Und was ich studieren wollte, war mir von Anfang an klar. Ein Studienwechsel wäre nie infrage gekommen – ist nach einer Studienberechtigungsprüfung, während der man sich im Grunde auf ein bestimmtes Fach festlegt, ohnehin mühsamer als nach einer Matura, mit der einem an der Uni ja quasi alle Türen offenstehen.
Mit 25 und bereits ein paar Jahren Berufserfahrung auf dem Buckel sieht man die Dinge eben ein wenig anders als mit 18 oder 19. Und ein Party-Tiger war ich ohnehin nie so wirklich. Also war ich quasi eine "Anti-Studentin"? Vielleicht. Statt in einem Studentenheim oder einer Wohngemeinschaft wohnte ich alleine in einer Wohnung. Statt mit der Bahn trat ich die Wochenendheimfahrten mit dem eigenen Pkw an. Taschengeld von Mami und Papi gabs auch keines. Hätte ich auch nie gewollt. Und in Vorlesungen pflegte ich zumeist anwesend zu sein. Streberin? Nicht wirklich. Das Durchackern von seitenweiser trockener Materie war mir ein Gräuel. Lernen auf den letzten Drücker stand auch bei mir an der Tagesordnung. Die Motivation ist halt manchmal ein Hund – ob man nun ein konkretes Ziel vor Augen hat oder nicht.
Viele der "Spaß-Studenten" traf ich im sechsten Semester nicht mehr. Also blieben nur die Braven und Biederen übrig? Mitnichten. Das Studenten-Leben genießen und trotzdem gezielt sein Studium verfolgen – es geht. Abschluss ist Abschluss. Nach dem Wie fragt am Ende keiner mehr. Und eines hatte ich dann doch mit (fast) allen Studierenden gemein: Das Geld war immer knapp.
Feiern, damit die Feste fallen
von Stefan Meisterle
Wilde Zeiten bedürfen wilder Taten. Und wann lassen sich diese schon bereitwilliger begehen als im jungen Studentenalter? Kriminell war das zwar glücklicherweise – weitestgehend – nicht. Polizisten hätten in vielen Momenten aber dennoch keine anwesend sein dürfen.
Eigentlich taten wir nichts Besonderes, waren bloß drei Freunde in einer geräumigen Altbauwohnung, gerade günstig genug, damit genug Budget für die wesentlichen Dinge im (Studenten-)leben übrig blieb. Und das war: Feiern, Experimentieren und – doch auch – Studieren. Das nicht Besondere stellte sich also dann folgendermaßen dar: Mit dem übrig gebliebenen Budget wurde einmal im Monat reichlich Alkohol sowie ein paar Zutaten für das Massen-Nudelgericht besorgt, um sich für das Großfest in der geräumigen Altbauwohnung zu rüsten.
Wie es dort im Monatsabstand zuging, kann sich jedermann selbst ausmalen. Die Nachbarn brauchten das freilich nicht zu tun – sie hörten es. Mit dem Ergebnis, dass die Polizei regelmäßig vorbei- aber nicht hereinschaute und wir nach etwa zwei Jahren zum Ausziehen gedrängt wurden.
Weil zwischen den ausufernden Monatsfesten aber eben doch reichlich Zeit blieb, vertrieben wir uns diese mit Studentenjobs, nächtlichen Abenteuern in kleinerem Rahmen und dem Studium. Das schlossen am Ende zumindest zwei Drittel der WG-Bewohner erfolgreich ab. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil die Zeiten wilder Taten auch für Studenten irgendwann langweilig werden - und zu Ende gehen.
Wien. Das Team Stronach wollte einen Nationalratssitz via TV-Show vergeben. Wie der Kurier (Mittwoch-Ausgabe) berichtet...weiter