• vom 19.10.2012, 18:03 Uhr

Top News

Update: 19.10.2012, 18:43 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Keine Mitglieder, "nur Interessenten"

Frank Stronach ist sein einziges Parteimitglied


Von Wolfgang Zaunbauer

  • Spekulationen über ein Antreten bei NÖ-Landtagswahl im März 2013.

Gern im Scheinwerferlicht, aber noch alleine in seiner Partei: Frank Stronach.

Gern im Scheinwerferlicht, aber noch alleine in seiner Partei: Frank Stronach.© APA Gern im Scheinwerferlicht, aber noch alleine in seiner Partei: Frank Stronach.© APA

Wien. Dass das "Team Stronach" tendenziell eine One-Man-Show wird, war von Anfang an abzusehen. Wie weit dieses Solo geht, ist allerdings dann doch überraschend: Frank Stronach ist nämlich bisher das einzige Mitglied von "Team Stronach", wie ein Sprecher des Milliardärs der "Wiener Zeitung" bestätigte. Derzeit gebe es "noch keine Mitglieder, erst Interessenten". Begründet wird das mit "organisatorischen Fragen". Kritiker meinen allerdings, Stronach wolle aus Gründen der Kontrolle die Zahl der Mitglieder ganz bewusst minimal halten. Von einem "System wie in Nordkorea" ist die Rede.

Werbung

Obwohl, ganz alleine ist Stronach nicht. Gerhard Köfer, Bürgermeister von Spittal an der Drau, sagt "Ich bin Mitglied" und zwar im "Team Stronach Kärnten", das er im Auftrag Stronachs gegründet hat.

Rechtlich gesehen ist eine Ein-Mann-Partei völlig in Ordnung. Im Gegensatz zu einem Verein, wo es laut Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck ein Leitungsorgan aus mindestens zwei Personen und zwei Rechnungsprüfer braucht, genügt bei einer Partei eine Person. Mit Hinterlegung und Veröffentlichung der Statuten ist die Partei gegründet.

Auch um für die Partei auf einer Wahlliste zu kandidieren, muss man nicht Mitglied sein. Allerdings tut eine Partei gut daran, genügend Personen auf die Liste zu setzen. Kandidieren nämlich zum Beispiel nur fünf Personen, die Partei erreicht aber zehn Mandate, so bleiben fünf Sitze leer. "Das Gesetz sieht keine Möglichkeit der Nachnominierung vor", sagt Grundböck.

Für Stronach stehen die Chancen auf Mandate - zumindest laut den Umfragen - ziemlich gut. Erste Nagelprobe wird die Kärntner Landtagswahl voraussichtlich am 3. März 2013 sein. Hier wird Köfer, der von der SPÖ zu Stronach gewechselt ist, einiges zugetraut.

Niederösterreich-Wahl "noch kein Thema"
Während die Kandidatur in Kärnten fix ist, ist ein Antreten in Niederösterreich laut dem Stronach-Sprecher "im Moment noch kein Thema". Dort wird ebenfalls im März gewählt, wann genau ist aber noch unklar.

Dort könnte Karin Prokop, Tochter der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop, gegen Landeshauptmann Erwin Pröll ins Rennen gehen. Prokop hatte sich frustriert von der ÖVP abgewendet, weil sie in der dortigen Parteihierarchie nicht vorangekommen ist. Mit ihr könnte Stronach im Pröll-Lager wildern.

Für den Landeshauptmann hat der Milliardär wenig Schmeichelhaftes übrig: Pröll sei "der größte Schmähtandler", hatte Stronach gemeint, weil ihm vom Land zugesagte Genehmigungen nicht erteilt wurden. Für Pröll steht nicht weniger als die absolute Mehrheit auf dem Spiel. Dem Vernehmen nach soll daher auch die schwarze Raiffeisen, Hausbank auch von Stronachs Magna-Konzern in Österreich, nicht wirklich erfreut sein über eine mögliche Kandidatur in Niederösterreich.

Untergriffiger Streit
mit dem BZÖ

Auf Bundesebene bemüht sich das "Team Stronach" indes in erster Linie um den Klubstatus im Nationalrat. Dadurch würde man im Nationalratswahlkampf zum Beispiel auch zu Fernsehdiskussionen eingeladen. Neben Ex-SPÖler Köfer sind bisher vier Mandatare vom BZÖ zu Stronach gewechselt. Bis Monatsende soll ein fünfter oranger Überläufer präsentiert werden, wodurch man Klubstatus beantragen kann.

So leicht will es Nationalratspräsidentin Barbara Prammer den derzeit noch Farblosen aber nicht machen. Klubstatus werde es sicher nicht automatisch geben. Vergleiche mit dem LIF 1993 seien nur bedingt zulässig, weil bei Stronach nicht alle Mandatare direkt zu ihm gewechselt sind. Zwei der Ex-BZÖler waren zuerst wilde, also fraktionslose Abgeordnete.

Wer der nächste Überläufer sein könnte, darüber kann man nur mutmaßen. Im Gespräch ist immer wieder Stefan Markowitz. Ob der offensiven Abwerbung von Mandataren ist indes ein wüster Streit zwischen BZÖ und Stronach entbrannt. Das Bündnis hat den Milliardär wegen Bestechung angezeigt. Parteichef Josef Bucher sagt, Stronach habe ihm 500.000 Euro für einen Wechsel geboten.

Stronach weist das empört zurück und droht mit Verleumdungsklage. Das Geld sei für den Wahlkampf gedacht gewesen, wenn er sich zu einer Unterstützung des BZÖ entschlossen hätte. Zu dieser Kooperation sei es nicht gekommen, weil Bucher "keine Hoden hat", erklärte Stronach in der "Krone". Auf Twitter setzt das Team Stronach nach: "Bucher fehlen einfach die Eier."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-19 18:08:06
Letzte Änderung am 2012-10-19 18:43:36


Werbung



Beliebte Inhalte



Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Auch wenn Teilergebnisse gefeiert wurden, das Gesamtergebnis verursacht bei den meisten Fraktionen eher Katerstimmung. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Mandatsgewinne vor allem für kleiner Gruppierungen
  • TU Graz schaffte Auszählung nicht
  • weiter

Und wieder ist Österreich beim Song Contest gescheitert: Natalia Kelly durfte nur beim Semifinale singen. - APAweb / AP, Janerik Henriksson Österreich hat beim Eurovision Song Contest 2013 in Malmö wieder einmal nicht das Finale erreicht. Auch Natalia Kelly konnte mit ihrem Song "Shine"...weiter

Europa im 21. Jahrhundert und immer noch ein Aufreger-Thema die Homosexualität. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Reding: Gewalt gegen Homosexuelle unvereinbar mit EU-Grundwerten.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung