Washington. Ausgerechnet in der Außenpolitik, die bisher als Barack Obamas Trumpfkarte galt, setzt der Republikaner Mitt Romney den US-Präsidenten unter Druck. Obama hat den Krieg im Irak beendet, auch aus Afghanistan ziehen die Truppen ab. Außerdem hat er Osama bin Laden zur Strecke gebracht. Trotzdem ist seine Außenpolitik unter Beschuss.
Mitt Romney greift auf ein altes, aber wirkungsvolles Rezept zurück: Er will den globalen Führungsanspruch der USA durchsetzen. Daher lehnt Romney Einsparungen beim Militär ebenso ab wie etwa "Flexibilität" in den Beziehungen zu Russland. Und ein Nachgeben gegenüber dem Iran kommt für ihn unter keinen Umständen in Frage.
Auch für Obama ist ein Iran mit Atomwaffen nicht hinnehmbar. Der US-Präsident betonte wiederholt, dass keine Option vom Tisch sei. Dennoch setzt er vorläufig weiter auf Sanktionen. Romney will die Präsenz der US-Flotte in der Region sowie die militärische Zusammenarbeit mit Israel verstärken. Im Wahlkampf zeigt sich auch die US-Regierung großen Kompromissen nicht zugänglich. Ein Bericht der "New York Times" wurde umgehend dementiert, wonach Washington und Teheran direkte Gespräche über das iranische Atomprogramm vereinbart hätten.
US-Außenpolitik auf dem Prüfstand
Als er sein Amt antrat, präsentierte Obama noch hochfliegende Pläne: Er wollte die Atomwaffen in der Welt abschaffen. Er wollte sich mit den Muslimen versöhnen, mit Russland auf gutem Fuß stehen, den Frieden in Nahost vorantreiben. "Wir werden Amerika verändern und die Welt", tönte er vollmundig im Wahlkampf. Doch dann ist einiges schiefgelaufen.
Vor allem seit der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat in Libyen, bei dem vier amerikanische Diplomaten starben, greift der Obama-Herausforderer Mitt Romney an. Ob im Atomkonflikt mit dem Iran, dem Bürgerkrieg in Syrien oder im Streit mit China: Viel zu zaghaft, viel zu weich trete Obama auf. Mehr Führung und mehr Stärke seien gefragt. "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert sein."
Sprachloser Obama
Selten wirkte Obama derart sprach- und hilflos wie nach dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi (Benghazi). Die vier toten US-Diplomaten "sind ein brutaler Beweis, dass die Turbulenzen, die den Nahen Osten seit dem Arabischen Frühling erschüttern, gefährliche Konsequenzen für die USA haben", meint Daniel Bymann vom Brookings-Institut, einer Washingtoner Denkfabrik.
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