Wien. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt im Zuge des Zusammenschlusses der Raiffeisen Zentralbank mit ihrer Tochter Raiffeisen Bank International gegen mehrere Raiffeisen-Manager wegen des Verdachts von Insiderhandel. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft habe dabei 15 Beschuldigte im Visier, sagte ein Sprecher am Montag. Er bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "profil". Die 15 Insider - darunter ein leitender Angestellter - sollen dem Blatt zufolge vor Veröffentlichung einer Pflichtmitteilung über einen "möglichen" Zusammenschluss der beiden Institute im Februar 2010 Aktien verkauft haben. Nach der Mitteilung fiel der Kurs deutlich. Aktive Vorstände oder Aufsichtsräte der Bank seien jedoch nicht unter den Beschuldigten.
Nach Aussage des Sprechers der Staatsanwaltschaft könnten die Ermittlungen relativ rasch abgeschlossen sein. "Es geht um Monate, nicht um Jahre", sagte er.
Die Ermittlungen kamen durch eine Anzeige der Finanzmarktaufsicht (FMA) ins Rollen, wie ein FMA-Sprecher bestätigte. Die Behörde hatte die Abläufe über zwei Jahre hinweg rekonstruiert.
Ein Sprecher der Raiffeisen Zentralbank sagte, er kenne die Anzeige nicht. Nach Ansicht der Bank habe es aber keine Möglichkeit gegeben, Insiderinformationen missbräuchlich zu nutzen. "Aus unserer Sicht war bis zur finalen Entscheidung durch die Eigentümer und Bekanntgabe des 'Mergers' zwischen Raiffeisen International und Teilen der RZB am 19. April 2010 nicht klar, ob diese Transaktion tatsächlich zustande kommen kann. Genau das aber wäre die Voraussetzung für eine Insiderinformation."