• vom 28.07.2013, 11:46 Uhr

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Update: 28.07.2013, 18:56 Uhr

Ägypten

Angst vor Bürgerkrieg




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  • Ultimatum zur Versöhnung abgelaufen, internationale Besorgnis wegen Gewalt.
  • Unruhen in Port Said, Tote und Festnahmen auf dem Sinai.

Kairo/New York/Washington. Trotz der Gewalt der Polizei in Ägypten wollen die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi dem Militär weiter die Stirn bieten. Auch nach der Tötung dutzender Demonstranten am Samstagmorgen harrten tausende Menschen am Sonntag in einem Protestlager der Muslimbruderschaft in Kairo aus. Die US-Regierung äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Entwicklung, während Human Rights Watch den Behörden die kriminelle Missachtung von Menschenleben vorwarf. Die Eskalation der Gewalt, bei der am Samstag mindestens 72 Menschen starben und rund 800 Menschen verletzt wurden, löste im Ausland Befürchtungen vor einem Bürgerkrieg aus.

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Innenminister Mohammed Ibrahim hatte am Samstag angekündigt, die Proteste der Mursi-Anhänger vor der Moschee und nahe der Universität von Kairo würden "sehr bald im Rahmen des Gesetzes" aufgelöst. Die Polizei werde versuchen, dass es "so wenig Opfer wie möglich" gebe. Nahe des Protestlagers in Nasr City hatten sich am Samstagmorgen die blutigsten Zusammenstöße seit dem Sturz Mursis ereignet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bei den Unruhen 72 Menschen getötet.

Die Polizei war auf der Straße zum Flughafen gegen Proteste der Anhänger Mursis vorgegangen. Eigenen Angaben zufolge setzte sie nur Tränengas ein. Die Demonstranten warfen ihr aber vor, scharf geschossen zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) äußerte scharfe Kritik an dem Vorgehen. Da vielen der Opfer in Brust oder Kopf geschossen wurde, gingen befragte Ärzte davon aus, dass einige der Toten gezielt erschossen wurden, erklärte die Organisation.

"Es ist fast unvorstellbar, dass es so viele Tote gab, ohne den Willen zu töten oder zumindest die kriminelle Missachtung von Menschenleben", erklärte der HRW-Experte Nadim Houry. Die Gewalt wurde auch von Ägyptens Vize-Präsident Mohammed ElBaradei scharf kritisiert. Er verurteilte den Rückgriff auf "übertriebene Gewalt" und forderte eine friedliche Lösung. Auch die einflussreiche sunnitische Al-Azhar-Universität forderte eine "dringende Untersuchung durch die Justiz".

Weitere Unruhen

In der Nacht zu Sonntag gab es in der Hafenstadt Port Said weitere Unruhen. Bei der Beisetzung eines Mursi-Anhängers seien 15 Menschen verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur MENA. Ein Augenzeuge sagte AFP, die Trauergäste hätten auf eine Kirche gefeuert. Die Muslimbrüder erklärten dagegen, der Trauerzug sei unter Beschuss geraten. Im Norden der Sinai-Halbinsel erschossen die Sicherheitskräfte derweil laut MENA zehn "Terroristen" und nahmen 20 Verdächtige fest. Auf dem Sinai hat die Gewalt seit dem Sturz Mursis deutlich zugenommen.

Ultimatum abgelaufen

Am Samstag Abend lief außerdem ein Ultimatum des Militärs ab, das den Islamisten gestellt worden war, um sich am sogenannten Versöhnungsprozess zu beteiligen. Andernfalls hatte die Armeeführung eine härtere Gangart angekündigt. Innenminister Mohammed Ibrahim sagte auf einer Pressekonferenz in Kairo, dass 50 Polizisten verletzt wurden, zwei von ihnen schwer. "Es war ein Trick der Muslimbruderschaft, um einen Zwischenfall zu provozieren und Sympathien für sich zu gewinnen." Ibrahim stellte außerdem eine baldige Räumung der islamistischen Protestlager in Aussicht.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte indes das Blutvergießen und rief die Übergangsregierung auf, "den Schutz aller Ägypter sicherzustellen". Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte einen sofortigen Gewaltverzicht. US-Außenminister John Kerry brachte in einem Telefonat mit Übergangsvizepräsident Mohammed ElBaradei die "tiefe Besorgnis" der USA zum Ausdruck.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-07-28 11:46:43
Letzte Änderung am 2013-07-28 18:56:12


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