• vom 09.10.2013, 18:37 Uhr

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Update: 10.10.2013, 10:04 Uhr

Janet Yellen

Frau Yellens Gespür für Gelddruck




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  • Janet Yellen wird Ben Bernanke im Februar 2014 an der Spitze der Federal Reserve nachfolgen.



Washington/Wien. (aum/wak) Als die Krise im Jahr 2007 schließlich da war, waren alle schlauer. Janet Yellen hingegen hat sie schon 2005 kommen sehen und vor ihr gewarnt. An ökonomischem Weitblick wird es der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve also nicht mangeln, wenn die bisherige Vizepräsidentin im Februar die Führung über sie übernimmt. US-Präsident Barack Obama nominierte sie Mittwochabend offiziell für den Posten und forderte den Senat auf, "eine der führenden Wirtschaftswissenschaftlerinnen unserer Nation" rasch zu bestätigen.

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Yellen gilt als Taube, also als jemand, dem niedrige Arbeitslosenzahlen wichtiger sind als eine niedrige Inflation (bei Falken ist es umgekehrt). Und so pfeifen bereits die Spatzen von den Dächern, wie ihre Wirtschaftspolitik sein wird: eine Fortesetzung des Kurses des billigen Geldes, den der amtierende Chef der Fed, Ben Bernanke, fährt und damit die Wirtschaft des Landes seit Jahren anschiebt. Dem munteren Gelddrucken steht damit auch weiterhin nichts im Wege.

Durch das Quantitative Easing, die quantitative Lockerung, wird derzeit jeden Monat per Knopfdruck der Kontostand um zig Milliarden Dollar einfach erhöht. Mit diesem Geld werden dann Anleihen gekauft, vorzugsweise eigene Staatsanleihen. Und auch wenn dies auf elektronischem Weg geschieht, so ist doch passend dazu seit Mittwoch auch die neue 100-Dollar-Note in Umlauf. Die war eigentlich schon für 2011 geplant, lag jedoch jahrelang auf Eis. Offenbar nutzt Obama die Zeit der Totalblockade im Budget, um nebenher längst fällig Punkte - wie die Nominierung der neuen Notenbankchefin und den Start der neuen Geldnoten - auf seiner To-do-Liste abzuarbeiten.



Kritiker fürchten, dass Yellen mit der Politik des leichten Geldes genau das befeuert, wovor sie noch 2005 gewarnt hat: Blasen an den Märkten. Sollte es so kommen, drohen eine neue Finanzkrise und womöglich noch gravierendere Erschütterungen als das Beben der jüngsten Jahre.

Doch kann man Yellen getrost zutrauen, ausreichend Expertise zu haben, um zu wissen, was sie tut. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass die Wirtschaft Yellens Leben ist. Es gibt kaum eine Eliteuni in den USA, an der sie nicht tätig war. In Yale machte sie ihren Doktor, war Forschungsstipendiatin am MIT, unterrichtete in Berkeley, in Harvard und auch an der London School of Economics. Auch wenn Yellen eher zur unauffälligen Gattung "In der Ruhe liegt die Kraft" gehört, so fiel sie auf der Universität dadurch auf, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann, der dort ebenfalls lehrte, in einem eigenwillig-praktischen Partnerlook herumlief: Khakihose, Poloshirt, dazu Joggingschuhe.

Verheiratet ist Yellen mit dem Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, George Akerlof, mit dem sie ein Kind hat. Gemeinsam mit ihrem Mann hat Yellen das Werk "Effizienzlohnmodelle des Arbeitsmarkts" geschrieben. Darin zeigten die beiden, dass - im Gegensatz zum Modell des freien Marktes - niedrige Löhne zu mehr Arbeitslosigkeit führen können.

Yellen wird kein besonders guter Draht zu Obama nachgesagt. Doch hat die frühere Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco enge Verbindungen zur demokratischen Partei und im linken Flügel zahlreiche Fans. 1997 bis 1999 diente sie schon unter dem demokratischen Ex-Präsidenten Bill Clinton als Chefin des Stabs der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses.

Damals ist sie bald wieder an die Universität Berkeley zurückgekehrt, Politik sei ihre Sache nicht gewesen, hieß es damals. Lieber weiterhin in der Forschung und Lehre tätig sein.

Man darf annehmen, dass Yellen ihre Meinung über Politik inzwischen geändert hat. Denn den Job, den sie 2014 übernehmen wird, ist hochpolitisch.

Vor der Krise herrschte ein globaler Konsens darüber, dass sich Notenbanken allein mit Geldpolitik zu beschäftigen haben. Idealerweise waren die Notenbanker vollkommen unabhängig von der Politik, damit weder Wahlen noch andere Begehrlichkeiten die Geldpolitik und die Bekämpfung von Inflation beeinflussen konnten. Vor dem Jahr 2008 gab es eine klare Trennung von Geld-, Fiskal- und Aufsichtspolitik. Aber seit 2008 haben die Notenbanker hätten ein anderes Selbstverständnis entwickelt. Der Einbruch 2008 widerlegte laut Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Notenbank, die Idee der Trennung und zeigte auch, dass "Geldpolitik eine Zeit lang die Fiskalpolitik ersetzen kann". Demokratisch nicht gewählte Ökonomen sind damit für Wohl und Wehe der jeweiligen Volkswirtschaften verantwortlich, im Falle von der Fed sind sogar die Finanzmärkte auf der ganzen Welt der Zinspolitik der Bank ausgeliefert.

Hand in Hand mit Regierung
Dieser Mechanismus wird auch nach der Krise nicht aufhören: "Ich glaube, dass es weiterhin zu mehr Kooperation zwischen Zentralbanken und Regierungen kommen wird", erklärte Nowotny bei einer Veranstaltung im September über die zukünftige Rolle der Notenbanken. Früher war der typische Notenbanker noch ein einsamer Ökonom, der die Zinsentscheidung ungern vor einem Publikum bekannt gab. Heute werden Pressekonferenzen um Zinsentscheide gehalten, das geschah auch auf Yellens drängen hinauf, genauso wie die Tatsache, dass die Fed sich transparenter zeigt. Inzwischen wird nicht nur die Zinsentscheidung bekanntgegeben, sondern auch das Warum, das Wann und das Wie für die Zukunft. "Forward Guidance" nennt man das Prinzip, damit Märkte nicht das Schlimmste antizipieren, sondern ihnen nüchtern gesagt wird, worauf sie sich einstellen müssen. Und am besten in einem ruhigen Ton. Yellen klingt äußerst beruhigend bei ihren öffentlichen Reden.

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Schlagwörter

Janet Yellen, FED, Ben Bernanke

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-10-09 18:41:06
Letzte Änderung am 2013-10-10 10:04:26



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