• vom 15.01.2014, 07:56 Uhr

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Update: 15.01.2014, 08:00 Uhr

Landwirtschaft

Bohnenkrise in der Türkei




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  • Preise für zahlreiche Grundnahrungmittel stiegen stärker als Jahresinflation.

Istanbul. Das türkische Nationalgericht aus Bohnen und Reis, 'Kuru Fasulye', wird zum Symbol einer rasanten Teuerungswelle von Nahrungsmitteln in der Türkei. In dem Agrarland explodieren die Preise für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Für die türkischen Verbraucher, die bereits unter der hohen Inflation stöhnen, wird der tägliche Einkauf zu einem Fiasko.

Bohnen mit Reis gehören zum Standardrepertoire aller türkischen Restaurants. Vor allem kleine Lokale setzen auf das billige Gericht. Akif Köse, Mitglied der Vereinigung der Istanbuler Restaurantbesitzer gibt Durchhalteparolen für seine Zunft aus und mahnt die eigenen Reihen zur Disziplin. "Die Preise für Bohnen werden sich wieder stabilisieren", erklärte er vor türkischen Journalisten. Aber die Türken müssten sich dennoch auf Preiserhöhungen in Restaurants von zehn bis 20 Prozent einstellen. Real wäre eine Preiserhöhung von bis zu 60 Prozent vonnöten, so Köse. Die Preise für "Kuru Fasulye" (getrocknete Bohnen) haben sich innerhalb von zwei Jahren von acht auf bis zu 17 Lira pro Kilo verdoppelt. In der Türkei werden jährlich 250.000 Tonnen Bohnen verzehrt.


Aber nicht nur die Bohnenpreise schocken die türkische Öffentlichkeit: Die Preise für Kartoffeln könnten von derzeit 2,5 Lira auf bis zu sechs Lira ansteigen, warnte Hussein Bozdag, Präsident des Verbands der türkischen Lebensmittelproduzenten. Seine Branche verarbeitet jährlich 95.000 Tonnen Kartoffel. Im Gegensatz zu Restaurants, die ihr Angebot reduzieren könnten, gäbe es für seinen Sektor keine Alternative, so Bozdag. Im September 2013 lagen die Preise für ein Kilo Kartoffeln noch bei nicht einmal einer Lira.

Als Grund für die extremen Preissprünge bei Bohnen werden Rückgänge in der Produktion wegen der Trockenheit in Anbauländern wie Argentinien, Mexiko oder Kirgisistan genannt. Dadurch ziehen die Exportpreise an. Ähnlich trist ist die Lage bei Kartoffeln. 2012 wurden in der Türkei 4,8 Millionen Tonnen geerntet, 2013 ging die Produktion auf vier Millionen zurück. Trotz leerer Lager habe man aber Kartoffeln in den Irak und nach Syrien exportiert, beschwert sich der Präsident des Verbands der türkischen Landwirte, Ibrahim Yetkin.

Während sich der türkische Landwirtschaftsminister Mehdi Eker über die im Vorjahr erzielten Exporterfolge der Türkei - vor allem bei Weizen - in Höhe von 16 Mrd. US-Dollar freut, ist die Produktion von Hülsenfrüchten in den vergangenen zehn Jahren in der Türkei um die Hälfte geschrumpft, berichtete die türkische Zeitung "Hürriyet" in ihrer Dienstagsausgabe. Eine Dekade zuvor habe die Agrarnation Türkei noch zwei Millionen Tonnen an Hülsenfrüchten geerntet. Mittlerweile müssten Hülsenfrüchte, die unabdingbarer Bestandteil der türkischen Küche sind, eingeführt werden. Agrarexperten sehen darin die Folgen kurzsichtiger bzw. verfehlter Agrarpolitik. Die Türkei habe alle Warnungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in den Wind geschlagen.

Die Preistreiberei trifft zudem weitere heimische Erzeugnisse des täglichen Bedarfs: Nach Berechnungen des türkischen Statistikamts TUIK haben die Preise für Melanzani und Salatgurken allein im Dezember um 34,4 Prozent bzw. 26,6 Prozent angezogen. Die besagten Bohnen wurden um 19,7 Prozent teurer. Im November erreichten die Preise für Karfiol und Orangen schwindelnde Höhen, bevor sie im Dezember wieder zweistellig nachgaben.

Im Jahresvergleich stiegen die Preise für Brot um 11,5 Prozent, Eier um 20 Prozent, Weichkäse um beinahe 10 Prozent und Butter um 14,3 Prozent. Zu den wenigen Erzeugnissen, die in der Türkei angebaut werden und einen Preisauftrieb unter der vorjährigen Jahresinflationsrate von 7,4 Prozent verzeichneten, gehörten Reis mit einer Teuerungsrate von 7,3 Prozent und Oliven mit vier Prozent.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-01-15 07:57:42
Letzte nderung am 2014-01-15 08:00:56



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