• vom 22.02.2014, 15:49 Uhr

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Update: 22.02.2014, 20:12 Uhr

Olympische Winterspiele

Matt vergoldet seine Karriere




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  • Hirscher kann sich noch Silber sichern.

Krasnaja Poljana. 13 Jahre nach seinem ersten Weltmeistertitel darf sich Mario Matt auch Olympiasieger nennen. Der 34-jährige Tiroler bot am Samstag bei den Olympischen Spielen in Krasnaja Poljana eine beeindruckende Slalom-Leistung, er eroberte auf Frühlingsschnee den dritten großen Titel seiner Karriere. Weltmeister Marcel Hirscher erkämpfte Silber, Bronze ging an den Norweger Henrik Kristoffersen.

Um 0,45 Sekunden lag der Flirscher Matt zur Halbzeit vor dem zweitplatzierten Schweden Andre Myhrer. "Der Mario ist auf diesem Schnee unschlagbar, und ich komm nicht näher als auf eine Sekunde heran", hatte der 24-jährige Hirscher gemeint, der als Halbzeit-Neunter bereits 1,28 Sekunden Rückstand und wohl kaum noch an die Medaillenchance geglaubt hatte.

Hirscher gelang Traum-Lauf

Doch es kam einiges anders. Hirscher lag auch noch immer in Führung, als aus den Top-30 nur noch Matt oben stand, womit das zweite alpine Gold der ÖSV-Herren nach dem Triumph in der Abfahrt von Matthias Mayer feststand. Der Weltmeister von 2001 in St. Anton und 2007 in Aare setzte abgebrüht Schwung um Schwung und brachte auf der schon ziemlich ramponierten Piste 0,28 Sekunden Vorsprung auf seinen um zehn Jahre jüngeren Teamkollegen ins Ziel.

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Für Hirscher und Matt war es bei den jeweils zweiten Spielen das erste Edelmetall. Während Hirscher schon zwei vierte und einen fünften Platz zu Buche stehen hatte, schied Matt bei seinem bisher einzigen Antreten 2006 in Turin im ersten Slalom-Durchgang aus. Ob er seine Karriere fortsetzt, hat er noch nicht entscheiden.

"Große Erleichterung"

Matt liebt normalerweise derartige Verhältnisse, der Pferdezüchter war mit seiner "Fahrerei" aber nicht zufrieden. "Die war eine Katastrophe, aber irgendwie habe ich das doch runtergebracht. Es ist einfach eine große Erleichterung, ein Wahnsinn wie das heute aufgegangen ist. Es ist genial. Ein Riesenziel, ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist", sprudelte es aus dem sonst eher schweigsamen Athleten heraus. Beim Besichtigen habe er das letzte Drittel des Kurs nicht genau anschauen können, weil die Besichtigungszeit so knapp gewesen sei.

Hirscher hatte sich nach dem ersten Lauf nichts mehr ausgerechnet, den Rückstand hatte er als Ding der Ummöglichkeit betrachtet. "Gott sei Dank ist es härter geworden und wir mussten nicht mehr hier im Gatsch herumfahren. Jetzt haben wir Gold und Silber, ich bin brutal erleichtert. Das Übergepäck zahle ich gerne", meinte der zweifache Gesamtweltcupsieger. Als er die Kurssetzung von Ante Kostelic gesehen habe, habe er einen Grinser im Gesicht gehabt: "Gott sei Dank war der zweite Lauf so selektiv, wir suchen ja die Olympischen Champions und fahren kein Schülerrennen."

Gefinkelter Kurs

Der Kroate Ante Kostelic hatte einmal mehr einen gefinkelten Kurs gesetzt, das brachte seinem Sohn Ivica zwar noch etwas nach vorne (von 21 auf 9), zwang jedoch etliche Läufer - natürlich auch in Verbindung mit den schwierigen Verhältnissen - vorzeitig in die Knie.

Auch die Mitfavoriten Alexis Pinturault (FRA) und Felix Neureuther schieden aus, der Deutsche hatte aus Position sieben um eine Medaille mitringen wollen. Es folgten im K.o.-Rennen aus den Top-Ten Ted Ligety (USA), Jean-Baptiste Grange (FRA) und der Halbzeitzweite Myhrer, die ohne Slalomresultat heimfahren müssen. Die Ex-aequo-Halbzeitdritten Mattias Hargin (SWE) und Stefano Gross (ITA) fielen auf Platz 7 bzw. 4 zurück.

Raichs Einfädler

Die große Winterspiele-Karriere von Benjamin Raich endete mit einem Einfädler im ersten Durchgang. "Ich war gut unterwegs", sagte der Tiroler, der 2006 in Turin Olympiasieger in Slalom und Riesentorlauf geworden war. "Ich war so im Rennen drinnen, auf einmal stehst du neben dem Lauf und fühlst einfach nur Leere", erklärte der 35-Jährige, der sich mit Slalom-Silber seiner Lebensgefährtin Marlies Schild tröstete.

Für den ebenfalls 35-jährigen Reinfried Herbst kam drei Tore vor dem Ziel des ersten Laufes das Ende. "Lieber das Herz in die Hand nehmen und alles riskieren, als um Platz 20 herumwedeln", lautete die Bilanz des Salzburgers, der wusste, dass er riskieren muss, wenn er etwas holen will.

Nicht mehr in Krasnaja Poljana war Herren-Rennsportleiter Mathias Berthold, der aus privaten Gründen vorzeitig abgereist ist. ÖSV-Sportdirektor Hans Pum meinte zum Doppelsieg: "Es war ein großartiger Abschluss. Immer wieder wenn Ante setzt, sind auch unsere Athleten vorne dabei. Es sind immer schwierige Läufe, man muss mit dem Kopf fahren. Ich freue mich für die beiden sehr."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-02-22 15:50:54
Letzte nderung am 2014-02-22 20:12:58



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