• vom 20.02.2015, 17:22 Uhr

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Update: 23.02.2015, 17:41 Uhr

Sterbehilfe

Der Staat am Sterbebett




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Von Jan Michael Marchart

  • Wie sich eine Lockerung bei der Suizidbeihilfe auswirkt.


© Corbis/Darren Kemper © Corbis/Darren Kemper

Wien. Das Thema lässt niemanden kalt. Schließlich betrifft uns das Sterben alle irgendwann. Und dabei gilt: So frei von Einflüssen wir geboren werden, so selbstbestimmt wollen wir aus dem Leben treten.

Die Mehrheit der Bioethikkommission und die SPÖ haben deswegen eine schwierige Debatte eröffnet. Nämlich eine über eine Liberalisierung des Paragrafen 78 aus dem Strafgesetzbuch, Beihilfe zum Suizid. Die ist derzeit mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren versehen. Der Suizid an sich ist straffrei. Der Gesetzgeber hat im Falle eines Rechtsbruchs in extremen Ausnahmefällen Milderungsgründe vorgesehen. In Form des Paragrafen 10, entschuldigender Notstand. Auf den verwies zuletzt auch Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) und lehnte eine Gesetzesänderung ab. Peter Kampits, stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission, sprach sich als Einziger für eine Straffreiheit bei der Tötung auf Verlangen aus.

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"Jeder Suizid ist eine Tragödie"
Susanne Kummer, Leiterin des Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik, sieht die Diskussion hierzulande sehr kritisch. "Sie wird geführt, obwohl Österreich noch nicht einmal seine Hausaufgaben bei der Palliativ- und Hospizversorgung erfüllt hat", sagt sie. "Was wir eher brauchen, ist eine neue Sterbekultur." Der Hospiz- und Palliativbereich muss aus ihrer Sicht ausgebaut werden. Geld darf dabei keine Rolle spielen. "Wer Geld für Wahlplakate und Autobahnen hat, muss sie auch für den Gesundheitsbereich haben. Das ist eine politische Entscheidung."

In einen Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizbetreuung zu investieren, war der allgemeine Tenor der Bioethikkommission und der erst im Jänner abgeschlossenen Enquetekommission der Regierung. Bis Ende 2015 soll die Qualität in allen Einrichtungen und Teams auf ein einheitliches Niveau gebracht werden. Priorität hat außerdem die Versorgung von Kindern.

Arzt ist kein Suizidbegleiter
Kummer lehnt eine Liberalisierung des Beihilfe-Passus restriktiv ab. "Die gesellschaftliche Antwort auf Depression und Hoffnungslosigkeit kann nicht die Beihilfe zum Suizid sein", sagt sie, "sondern Beratung und Beistand". Es widerspreche sich, in Suizid-Prävention zu investieren, im Gegenzug aber die Beihilfe straffrei stellen zu wollen. Auch könne es niemals die Aufgabe des Arztes sein, den Tod als professionelle Dienstleistung anzubieten oder an einem Suizid mitzuwirken. Die Ärztekammer hat sich bereits einstimmig dagegen ausgesprochen. "Ein suizidgefährdeter Mensch möchte dem Leiden entrinnen, nicht dem Leben. Die Person möchte nicht nicht, sondern vielmehr anders leben", sagt die Ethikerin Kummer.

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Dokument erstellt am 2015-02-20 17:26:05
Letzte ─nderung am 2015-02-23 17:41:28



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