• vom 23.08.2015, 17:02 Uhr

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Update: 24.08.2015, 14:54 Uhr

Europäisches Forum Alpbach

Einen Wald ins Hallenbad gepflanzt




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Von Magdalena Meergraf

  • Es ist fast so, als würde man in eine andere Welt eintauchen.
  • Bis auf das Zischen der Nebelmaschinen ist es ganz ruhig, es ist angenehm kühl und die Luft ist frisch. So wie Waldluft.

Im Hallenbad in Alpbach wächst ein Indoor-Wald. - © Luiza Puiu

Im Hallenbad in Alpbach wächst ein Indoor-Wald. © Luiza Puiu

Im Hallenbad in Alpbach, wo zurzeit die Europäischen Gespräche des Forum Alpbachs stattfinden, wächst ein Indoor-Wald. Er wurde gepflanzt von den Erschaffern des österreichischen Pavillons auf der Expo in Mailand, eine grüne Oase mitten im Ausstellungsgelände. Lisa Enzenhofer, Mitgestalterin des Konzepts "breathe.austria", erklärt, man wolle den erschöpften Forumsteilnehmern einen Ort für Ruhe und Entspannung bieten und andererseits mittels dieser "Rückeroberung des Hallenbads durch die Natur" das Problem des Leerstands aufzeigen. Das Projekt hat Österreich in Mailand den Titel "Schönster Pavillon" eingetragen.

Die Besucher der Expo und auch die Forumsteilnehmer in Alpbach wollen sie mit dem Thema "Luft als Nahrungsmittel" erreichen. Laut den kreativen Köpfen des Projekts, kann Luft als Lebensmittel Nummer Eins verstanden werden: "Luft ist für uns das höchste Gut. Ohne Atmen kann man nur fünf Minuten überleben, ohne Essen aber fünf Wochen. In Österreich haben wir viele Luftkurorte und gleichzeitig bestehen 50 Prozent der Landesfläche aus Wald, was für uns ein Ausdruck dafür ist, wie viel atmosphärische Qualität vorhanden ist.", erklärt Enzenhofer die Idee. Die Jungwaldinstallation aus Fichten, Tannen, Buchen, Lärchen, Zirben, Ahorn und Eichen im Hallenbad solle genau darauf hinweisen. Weil Pflanzen und Photosynthese ist bekanntlich gleich gute Luft. "Luft ist etwas, das man nicht sieht, das sehr schwer zu reinigen ist und an dessen Verschmutzung jährlich tausende Menschen sterben", so Enzenhofer. Ob sie denke, dass in Österreich genügend auf den Schutz und Erhalt der heimischen Vegetation geachtet wird? "Ich denke, dass die Bundesforste gut darauf achten aber es kann nie genug sein."


Auch auf Twitter schaffte es der Hallenbad-Wald:

Ein Hybrid aus Technik und Natur

Zwölf Meter hohe Bäume überragen derzeit die Skyline der Expo. Die Bäume im Alpbacher Hallenbad sind zwar nicht annähernd so hoch, die Vegetation schafft aber trotzdem mithilfe von Hochdrucknebeldüsen ein eigenes kühles Mikroklima. Die Waldinstallation macht also nicht nur das Thema Luft sichtbar, sondern ist auch ein Prototyp für Räume mit natürlicher Kühlung. Die sogennante "Luftmaschine" funktioniert aus dem Nutzen der Natur, es ist keine Klimaanlage notwendig. "Unser Wald ist ein Hybrid aus Technik und Natur", sagt Enzenhofer. Die Architektin und ihr Team wollen zeigen, dass so etwas auch in Städten gebaut werden kann – eine energieneutrale, klimaaktive Bauform der Zukunft. Wieso sie das Projekt nach Alpbach gebracht haben? "Weil es ein zukunftsweisendes Projekt ist. Und man macht sich beim nächsten Mal vielleicht doch wieder mehr Gedanken, ob man mit dem Zug oder mit dem Auto fährt", hofft Enzenhofer.

Die Ausstellung soll aber nicht nur Forumsteilnehmer anlocken, sondern auch die Bewohner von und rund um Alpbach. Denn die Idee ist auch, das leerstehende Schwimmbad zu nutzen und es zur Verfügung zu stellen. Seit vier Jahren schon steht das Hallenbad leer. "Ich finde es wichtig, dass es genutzt wird, weil es dann einen Wert und Aufmerksamkeit bekommt", so Enzenhofer. Das Hallenbad wurde 1970 gebaut und war damals noch das einzige in der näheren Umgebung. Doch Zeiten ändern sich und es kam der Punkt, an dem sich das Bad nicht mehr erhalten ließ. Im September 2009 wurde das Bad geschlossen, doch nicht, ohne dass vorher Bürger eine Initiative dagegen gestartet haben. "Ich habe schon als Kind hier gebadet", sagt Brigitte, die wir in dem zweckentfremdeten Schwimmbecken aus Luft und Wald treffen. Brigitte und Renate haben sich damals gemeinsam gegen eine Schließung des Bads eingesetzt. "Aber man muss irgendwann auch realistisch sein", gesteht Renate ein. Der Pachtvertrag laufe bald aus und wird das Hallenbad nicht als solches genutzt, muss es abgerissen werden. "Es gab leider noch keine alternativen, schlüssigen Projektvorschläge, mit denen man argumentieren hätte können", bedauern die beiden Tirolerinnen.

Die Hallenbad-Panelbühne des Forum Alpbachs steht dieses Jahr mitten im Wald. "Es soll ein Ort sein, an dem man sich austauschen kann, aber auch einer, an dem man ausatmen und vor allem wirklich bewusst atmen kann", sagt Enzenhofer. Am 4. September 2015 wird sie gemeinsam mit zwei Kollegen bei den Baukulturgesprächen über die Installation diskutieren und von ihren Erfahrungen als österreichischer Beitrag auf der Expo berichten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-08-23 17:03:44
Letzte nderung am 2015-08-24 14:54:01



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