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Update: 25.08.2015, 12:17 Uhr

Ernährung

Die Grenzen des Nahrungswachstums




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Von Heiner Boberski

  • Der britische Experte Tim Benton über die Zukunft der Versorgung mit Essen und die richtige Ernährung.

Vegetarische Kost liegt im Trend, Fleischverzicht nutzt der Umwelt. - © Persson, Per Magnus/the food passionates/Corbis

Vegetarische Kost liegt im Trend, Fleischverzicht nutzt der Umwelt. © Persson, Per Magnus/the food passionates/Corbis

Alpbach. Für den Präsidenten des Europäischen Forums Alpbach Franz Fischler ist die heute, Dienstag, zu Ende gehende Seminarwoche das "Herzstück" des Forums. Eines der spannendsten der 16 stark frequentierten Seminare war dem Thema "Globale Ernährungssicherheit und Ernährung" gewidmet. Der britische Seminarleiter Tim Benton sprach sich im Interview mit der "Wiener Zeitung" für eine faire und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und eine gesündere Ernährung aus.

"Wiener Zeitung": Professor Benton, welche Botschaft geben Sie in Ihrem Seminar den Studenten mit?


Tim Benton: Meine Hauptarbeit an der Universität befasst sich mit der Bedeutung von Nachhaltigkeit. Wenn wir vorausschauen zur Mitte des 21. Jahrhunderts, so werden wir mehr Menschen auf diesem Planeten haben, mehr Menschen mit mehr Geld, die mehr Nahrung haben wollen, die mit mehr Intensität produziert werden muss. Und angesichts des Klimawandels wird der landwirtschaftlich nutzbare Boden knapp. Wir haben nicht nur daran zu denken, wie wir mehr Nahrungsmittel produzieren können, sondern auch daran, vor allem in der entwickelten Welt, wie wir unseren Bedarf an Essen organisieren, das wir derzeit verschwenden.

Information

Tim Benton ist Biologe und Professor für Bevölkerungsökologie an der Fakultät für Biowissenschaften der Universität Leeds. Als Leiter des britischen Programms für globale Nahrungssicherheit führt er den schönen Titel "UK Champion for Global Food Security".

Die Botschaft, für die ich die Studenten gewinnen will, lautet: Die Welt braucht ein gerechtes und nachhaltiges Nahrungssystem, und wir in der reichen Welt haben dafür ebenso viel zu tun wie die Menschen in der armen Welt. Und das ist politisch für viele Leute eine ganz schwierige Botschaft. Denn wir leben in Zeiten mit dem Trugschluss, dass ökonomisches Wachstum ewig und beschleunigt weitergehen kann. Wir müssen begreifen, dass wir auf einem begrenzten Planeten mit begrenzten Ressourcen leben. Wenn jeder von uns immer mehr, mehr und mehr haben möchte, seien das nun Kleider oder Essen, stoßen wir an diese Grenzen.

Könnte man die ganze Erdbevölkerung, sollte sie auf elf oder zwölf Milliarden Menschen wachsen, ausreichend mit Essen versorgen?

Gegenwärtig haben wir genug Kalorien, um mehr als elf Milliarden Menschen Essen zu geben. Es ist aber etwas anderes, wenn wir über richtige Ernährung sprechen, denn die genaue Menge von Proteinen, Vitaminen, Mineralien und so weiter ist sehr schwer zu kalkulieren. Aber grob geschätzt haben wir genug Essen. Das Kernproblem ist: Wir haben viele Menschen in der Welt, die Zugang zu vielen Kalorien haben und fettleibig werden, und wir haben viele Menschen in der Welt, die keinen Zugang dazu haben und darum krank werden. Die meisten Menschen in der reichen Welt verschwenden rund 30 Prozent des Essens, das sie kaufen, und sie essen 20 Prozent zu viele Kalorien. Wenn aber die Frage lautet, ob wir Mitte des Jahrhunderts verlässlich genug Essen für neun Milliarden Menschen haben werden, so lautet die Antwort: Nein.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-08-24 16:29:05
Letzte nderung am 2015-08-25 12:17:53



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