• vom 06.05.2016, 18:09 Uhr

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Brunnenmarkt

"Gefahr wird auf Unbeteiligte übertragen"




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Von Alexander U. Mathé

  • Der Psychologe Arnd Florack im Interview über den Mord am Brunnenmarkt und seine Auswirkungen.

Polizeieinsatz nach dem Mord am Brunnenmarkt.

Polizeieinsatz nach dem Mord am Brunnenmarkt.© apa/Herbert Oczeret Polizeieinsatz nach dem Mord am Brunnenmarkt.© apa/Herbert Oczeret

"Wiener Zeitung":Warum sorgt der Brunnenmarkt-Mord für so viel Aufsehen? Ist es die Herkunft des mutmaßlichen Täters und die Sensibilisierung für die Asyl-Thematik?

Arnd Florack: Aufgrund einer insgesamt unsicheren Situation sind viele Menschen sehr aufmerksam für negative Ereignisse. In dem Fall spielen der Hintergrund und die Asylthematik eigentlich keine Rolle. Es hat ja vermutlich überhaupt keinen kausalen Einfluss auf die Tat gehabt, dass der Täter aus dem Ausland stammt. Dementsprechend hätte man auch einfach von einem Täter sprechen können, ohne den Bezug zur Nationalität herzustellen. Es besteht aber der verständliche Wunsch, solche Informationen zu erhalten.


Was bewirkt diese Information?

Erstens: Die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse wird immens überschätzt. Zweitens: Der Zusammenhang mit der ethnischen Herkunft wird überschätzt. Drittens: Die Gefahren werden auf Gruppen übertragen, die in überhaupt keinem Zusammenhang zu diesem Ereignis stehen, beispielsweise auf Flüchtlinge aus Syrien.

Woher rührt das Bedürfnis nach dieser ethnischen Einordnung?

Der Rückzug auf eine starke nationale Identität und ein Aufbau von Grenzen gibt ein trügerisches Gefühl von mehr Sicherheit. Letztlich bleibt aber die Bedrohung vor den Grenzen erhalten und die Unsicherheit der Situation wird nicht beseitigt. Die Bilder aus dem griechischen Flüchtlingslager Idomeni sind ein Beispiel dafür.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Medienberichte über gewalttätige Ausländer in letzter Zeit zugenommen haben. Können solche Berichte einen Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf haben?

Das einzelne Ereignis vermutlich nicht, aber die Summe der Ereignisse schon. Tatsächlich wird unter Wissenschaftlern stark diskutiert, dass genau solche Situationen der Verunsicherung den extrem rechten Parteien nationaler Prägung dienlich sind. Das sieht man ja auch in Deutschland und Frankreich.

Kann die Berichterstattung über Gewaltverbrechen durch Ausländer eine Eigendynamik entwickeln?

Nach den Ereignissen von Köln erging der Vorwurf an die Medien, dass sie nicht frühzeitig benannt haben, dass Flüchtlinge beteiligt waren. Die Medien reagieren jetzt auf das, was gewünscht wird. Das ist ein heikler Punkt. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Unsicherheit besonders bei jenen Menschen groß ist, die wenig Kontakt zu Ausländern haben. Bei diesen sind die Medien die zentrale Kontaktquelle. Menschen, die in Gebieten mit höherem Ausländeranteil leben und mehr Kontakt zu Ausländern haben, haben eine breitere Erfahrungsbasis und weniger Befürchtungen.

Zur Person

Arnd Florack

ist Professor für angewandte Sozialpsychologie an der Universität Wien.




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Dokument erstellt am 2016-05-06 18:14:06



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