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Update: 08.08.2016, 16:33 Uhr

Griechischer Kultureinfluss

Keine Eulen nach Athen




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Von Christian Pinter

  • Die Geschichte Griechenlands hinterließ etliche Begriffe und Redensarten in unserer Sprache.

"Demokratie" ist einer der wichtigsten Begriffe griechischen Ursprungs. Auf dem Hügel Pnyx versammeltn sich Athens Bürger in ihrer Art Demokratie. - © Pinter

"Demokratie" ist einer der wichtigsten Begriffe griechischen Ursprungs. Auf dem Hügel Pnyx versammeltn sich Athens Bürger in ihrer Art Demokratie. © Pinter



In diesem Grabhügel sollen jene Athener begraben sein, die in der berühmten Schlacht von Marathon fielen.

In diesem Grabhügel sollen jene Athener begraben sein, die in der berühmten Schlacht von Marathon fielen.© Pinter In diesem Grabhügel sollen jene Athener begraben sein, die in der berühmten Schlacht von Marathon fielen.© Pinter

Mit Rio de Janeiro fungiert erstmals eine südamerikanische Stadt als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Die Wurzeln dieser sportlichen Wettkampfveranstaltungen liegen natürlich im alten Griechenland. In der Antike ließ man dort nämlich kaum ein Jahr ohne ein panhellenisches Spiel verstreichen. In Delphi huldigten die Griechen damit dem Gott Apollon, in Korinth dem Poseidon, in Nemea und Olympia dem Zeus.

"Dromos" und "Stadion"

Information

Christian Pinter, geboren 1959, schreibt seit genau 25 Jahren im "extra" der Wiener Zeitung über astronomische Themen.

In Olympia ritterten die Athleten ab 776 v. Chr. um den Sieg. Sie maßen sich dabei in jenen Disziplinen, die auch auf dem Schlachtfeld gefragt waren: Speer- und Diskuswurf, Springen, Laufen, Ringen oder Faustkampf. Sieht man vom Waffenlauf mit Helm, Schild, Beinschienen und Speer ab, kämpften sie grundsätzlich nackt (griech.: gymnós). Davon leitet sich auch das Gymnasium (gymnásion) ab, das anfangs bloß als Stätte für Leibesübungen gedacht war.

Der drómos (Weg, Straße) übertrug seinen Namen auf den Laufplatz und die Pferderennbahn. Er lebt im "Autodrom", im "Motodrom" oder im "Dromedar" fort. Ein stádion war ursprünglich ein regional variierendes Längenmaß von grob 180 Metern. Weil es eine beliebte Laufdistanz bildete, hieß bald die gesamte Sportanlage "Stadion".

In Anspielung auf die Siegesgöttin Nike nannte man die siegreichen Sportler - und nur sie! - "Olympioniken", zumindest bis zum Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr.; dann verbot der christliche Kaiser Theodosius I. die heidnischen Spiele. Die mehr als ein Jahrtausend lang gepflegte Tradition endete damit.

Im Zeus-Tempel von Olympia erblickte man einst eine 13 Meter hohe, sitzende Figur dieses Gottes, mit einer kleinen Nike in der Rechten. Aus Gold, Elfenbein und Ebenholz erschaffen, galt die Statue als eines der sieben Weltwunder. Die "7" symbolisierte Vollkommenheit, zumal damals ebensoviele Wandelgestirne bekannt waren. Zum illustren Kreis der Weltwunder zählte auch das monumentale Grabmal von Mausolos II. in Halikarnassos. Der Name dieses Königs lebt im Wort "Mausoleum" fort: Das ist ein Grabmal in Gebäudeform. Außerordentliche Bauwerke der Gegenwart, aber auch bahnbrechende Erfindungen werden heute gelegentlich noch als "Weltwunder" gerühmt.

Athen war einst so reich, dass es Geld unter seinen Bürgern verteilen konnte. Es beutete nämlich die Silberminen von Laureion aus. Genauer: die zehntausenden Sklaven, die dort schuften mussten. Anfangs zerhackte man das Silber in kleine, spitze Teile. Das erklärt deren Namen "obolós" (obelós: Bratspieß). Wir entrichten unseren Obolus noch häufig genug, z.B. in Form einer Gebühr oder eines kleinen Beitrags.

Eine Drachme war sechs Obolen wert. Auf den Münzen Athens prangte das Bildnis der Athene. Sie fungierte als Schutzgöttin der Stadt und stand für die Kriegskunst sowie die Weisheit. Als ihr heiliges Tier galt die Eule. Dieser Vogel wurde ebenfalls mit Wissen und Klugheit verbunden, da er in der Dunkelheit sehen konnte. Entsprechend existierten etliche Eulen-Statuen in Athen.

Geld und Elektronen

Der Vogel zierte außerdem die Vier-Drachmen-Münzen, vom Volk daher schlicht "Eulen" genannt. Wir wollen darüber hinwegsehen, dass es sich hierbei eigentlich um einen Steinkauz gehandelt hat (wissenschaftlicher Name: Athena noctua). Jedenfalls erschien es bald recht unnütz, weitere "Eulen nach Athen zu tragen". Diese Redewendung bürgerte sich zur Bezeichnung einer höchst überflüssigen Handlung ein.

Münzen wurden schon im 7. Jahrhundert in Lydien geprägt, und zwar aus einer natürlichen Gold-Silber-Legierung. Der hellgoldenen Farbe wegen nannten die Griechen diese Legierung übrigens genauso wie den Bernstein: élektron. Um 550 v. Chr. rieben Forscher wie Thales von Milet den Bernstein mit Fell. Dann beobachteten sie dessen nun anziehende Wirkung auf Haare oder Vogelfedern. Dieses Phänomen schenkte uns Begriffe wie "Elek-trizität", "Elektriker" oder "Elek-tronik".

Zweimal wollten die Perser Griechenland erobern. Im Sommer 490 v. Chr. lagerten sie in der Ebene von Marathon. Dort stellten sich die Griechen zum Kampf: Diese stritten dabei Schulter an Schulter in einer dichtgeschlossenen Formation, der Phalanx (griech.: Walze, Balken). Die Kunde von ihrem Triumph wurde von einem Meldeläufer ins rund 40 Kilometer entfernte Athen getragen. Angeblich hieß er Pheidippides und brach mit der Siegesmeldung auf den Lippen tot am Ziel zusammen.

Eng mit Athen verbunden war Herodot, den man später "Vater der Geschichtsschreibung" nennen sollte. In seiner "Historiá" erwähnt er tatsächlich einen Boten namens Pheidippides. Der läuft allerdings schon Tage vor der Schlacht rund 250 Kilometer weit von Athen nach Sparta, um militärischen Beistand zu erbitten. Die Spartiaten sagten zu. Sie kamen wegen eines wichtigen Apollon-Fests jedoch zu spät.

1896 feierten die Olympischen Spiele Wiederauferstehung, jetzt in Athen und mit internationaler Beteiligung. Während der Vorbereitung erinnerte man sich an die historische Schlacht und erfand den Marathonlauf. Den ersten olympischen Bewerb dieser Art entschied der griechische Wasserträger Spyridon Louis für sich, nach knapp drei Stunden Laufzeit. Heute werden jedes Jahr weltweit hunderte Marathons ausgetragen, mit einer Streckenlänge von rund 42 Kilometern. Seit 1983 nimmt man auch die fast sechsmal längere Strecke von Athen nach Sparta wieder in Angriff, unter dem Titel "Spartathlon".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-05 14:29:08
Letzte ─nderung am 2016-08-08 16:33:10



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