• vom 10.10.2016, 17:23 Uhr

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Update: 10.10.2016, 18:58 Uhr

Gery Keszler

Ball mit neuem roten Mascherl




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Von Arian Faal

  • Der Life Ball bekommt 2017 ein neues Konzept.

Gery Keszler kehrt nach seinem HIV-Outing mit dem Life Ball am 10. Juni 2017 zurück.

Gery Keszler kehrt nach seinem HIV-Outing mit dem Life Ball am 10. Juni 2017 zurück.© apa/H. Neubauer Gery Keszler kehrt nach seinem HIV-Outing mit dem Life Ball am 10. Juni 2017 zurück.© apa/H. Neubauer

Wien. Eigentlich wäre der Life Ball, Europas größter Charity-Veranstaltung, am 10. Juni 2017 vor allem im Zeichen des Jubiläums gestanden. Dann nämlich gibt es den schrillen Ball der etwas anderen Art, der sich an die Fahnen geheftet hat, den Kampf gegen das HI-Virus zu thematisieren und zu unterstützen, seit einem Vierteljahrhundert. Nicht nur Schwule, Lesben und Transsexuelle zieht der Ball magisch an, sondern es reisten jährlich Menschen aus aller Welt nach Wien, um eine unvergessliche Ballnacht zu feiern und nebenbei etwas im Kampf gegen HIV zu tun. Tatsächlich ist die Zahl der Schwulen, Lesben und Transgender marginal am Life Ball. Primär sind es Menschen, die sich im Kampf gegen Aids verschrieben haben.

Doch nach der Absage des Balles 2016 beginnt nun das große Rätselraten, wie der angekündigte Relaunch im kommenden Jahr über die Bühne gehen soll. Denn das Jubiläum wird nun auch ein Neubeginn. Doch der Reihe nach, denn ein Rückblick auf die Bühnenshow des bislang letzten Events im und vor dem Wiener Rathaus lohnt sich: Der äußerst emotionale Auftritt des Ball-Vaters Gery Keszler 2015 ließ eine Zäsur anklingen und den Besuchern wurde klar, dass beim Life Ball künftig kein Stein auf dem anderen bleiben wird.


"Ich will den Betroffenen
Mut machen"

"Ich habe durch Aids einen weiteren Freund und Life-Ball-Mitarbeiter, nämlich den Horstl, verloren und möchte ihm den goldenen Ball 2015 deswegen widmen", sagte Kesler damals unter Tränen. Danach folgten drei Ansagen, die den prall gefüllten Rathausplatz erstarren ließen, so manchem Ballbesucher Tränen entlockten und für den Rest des Abends Ballgespräch sein sollten:

Zunächst gab Keszler völlig überraschend an, selbst einer der ersten Personen gewesen zu sein, die sich in ihren 20ern in Australien mit dem HI-Virus infiziert hatten. "Ich will den Betroffenen Mut machen", so der Organisator, dessen Redepausen immer wieder durch frenetischen Applaus gefüllt wurden. Dann die zweite Ansage: Ob er kommendes Jahr die Gala brauche, wisse er nicht, doch er dankte den Gästen für die enorme Unterstützung. "Egal, was man ist (...), herzlich willkommen beim Life Ball", sagte er. Schließlich musste er eingestehen, dass die Spendengala in der Hofburg, die 2014 rund 700.000 Euro eingespielt hatte, 2015 "nicht einmal einen Bruchteil" von dem gebracht habe und er dann immer wieder von dem Gedanken "Life Ball ja oder nein" verfolgt gewesen sei. Stille auf dem Rathausplatz. Betroffenheit. Ratlose Gesichter und Schock. Keszler legte nach. Die Organisation des Balls werde jedes Jahr schwieriger, manche Anfragen und Nachrichten immer dreister und einige würden nur noch die Party sehen, beklagte er unter Tränen. Ob ihn Internet-Kommentare wie: "Der Kondomverbrauch beim Life Ball im Rathaus ist höher als jener im ganzen ersten Bezirk in einem Monat" sehr getroffen haben?

Fast 80 Millionen
HIV-Infizierte weltweit

Und warum wird so wenig über die Fakten gesprochen, schien er sich zu fragen: Fast 80 Millionen Menschen haben sich weltweit in den vergangenen Jahrzehnten mit HIV infiziert. Mehr als die Hälfte davon sind an den Folgen einer durch Aids bedingten Erkrankung gestorben. Nach wie vor wird das Thema tabuisiert und von der Krankheit betroffene Menschen tagtäglich diskriminiert und ausgegrenzt. Zwischen den Zeilen konnte man herauslesen, dass ihm der eigentliche Sinn der Veranstaltung, nämlich die tatkräftige Unterstützung im Kampf gegen das HI-Virus und dessen Verbreitung, zu wenig thematisiert würden, auch in der medialen Wahrnehmung. Da wird nämlich - mittlerweile von 70 TV-Stationen und 500 akkreditierten Journalisten - zumeist nur über die Stars, die Modeschau, die schrillen Figuren und das wilde Partytreiben im Rathaus berichtet. Keszler schien tief verletzt über einige Entwicklungen. Abschließend bedankte er sich noch für die enorme Unterstützung durch die Besucher und sein Team. Die Besucher quittierten Keszlers Rede mit frenetischem Applaus und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Appelle, er möge bitte weitermachen, trudelten sowohl persönlich wie auch über die sozialen Medien ein. So ganz trennen von seinem Baby, dem Life Ball, konnte sich Keszler am Ende doch nicht. Der Ball wird nicht ad acta gelegt. Nach dem Ball kam die offizielle Bestätigung dafür, dass der Life Ball 2016 eine kreative Pause machen würde.

Subventioniert von der Stadt wurde der Ball übrigens auch 2016 mit 450.000 Euro. Als Begründung gab man an, dass die Veranstaltung ein wichtiger touristischer und wirtschaftlicher Faktor sei und die Fördersumme außerdem ohnehin beinahe halbiert wurde. 2015 waren dem Verein Aids Life 800.000 bereitgestellt worden. Keszler erklärte, dass das Team reduziert wurde, aber trotzdem Vorlaufkosten anfallen würden. Im Klartext wurde angekündigt, dass nach 23 Ausgaben endlich die Zeit für einen Relaunch gekommen sei und sich die schrille Veranstaltung "in jeder Hinsicht neu erfinden und auf die nächste Stufe heben wolle.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-10 17:26:05
Letzte nderung am 2016-10-10 18:58:55



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