• vom 13.02.2017, 12:11 Uhr

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Update: 13.02.2017, 12:15 Uhr

Arbeitszeit

Foglar fordert "Zeitsouveränität"




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Von WZ Online, APA

  • ÖGB-Chef will beim Zwölf-Stunden-Tag keine Einbußen bei der Überstunden-Vergütung hinnehmen.

ÖGB-Präsident Erich Foglar will auch keinen Fall Lohneinbußen zustimmen.  - © APAweb / Herbert Pfarrhofer

ÖGB-Präsident Erich Foglar will auch keinen Fall Lohneinbußen zustimmen.  © APAweb / Herbert Pfarrhofer

Wien. Die flexible Arbeitszeit – ein Versuch, sich die Zahlung von Überstunden zu sparen? Oder eine nötige Anpassung, um konkurrenzfähig zu bleiben? In die Debatte um den Zwölf-Stunden-Tag hat sich nun ÖGB-Chef Erich Foglar eingebracht: "Wir haben ja unzählige Fälle und Möglichkeiten, wo jetzt schon auf gesetzlicher und kollektivvertraglicher Basis Arbeiten bis zu zwölf Stunden nicht nur möglich ist, sondern auch tatsächlich geleistet wird", sagt Foglar. Für die Gewerkschaft sei aber klar: "Zwölf Stunden müssen die Ausnahme bleiben." Und: "Ein Rückgang der Entlohnung ist sicher nicht akzeptabel."

Wenn jemand zwölf Stunden arbeite, dann dürfe er nicht um seine Erholungsmöglichkeit umfallen. Familie, Bildung, sonstige Verpflichtungen dürften nicht leiden. Nur weil 12 Stunden Arbeit erlaubt werden, hätten Kindergärten nicht 12 Stunden offen. Insgesamt dürfe das Arbeitszeitgesetz nicht seine Schutzfunktion für die Arbeitnehmer verlieren.

Daher müssten der Möglichkeit, temporär zwölf Stunden zu arbeiten, in hohem Maße längere zusammenhängende Erholungszeit und ein hohes Maß an "Zeitsouveränität" der Arbeitnehmer gegenüberstehen: "Also ich verordne, wann du zwölf Stunden arbeitest, und ich bestimme auch, wann du dir den Zeitausgleich nehmen darfst, wird es sicher nicht geben", sagte Foglar im Gespräch mit der APA. Es müsse auch das Recht auf Verweigerung geben.

Kein Wegfall der Überstunden

"Eine weitere Schmälerung bei der Entlohnung, siehe Stichwort Wegfall der Überstunden und dergleichen, ist sicherlich nicht akzeptabel." Für den ÖGB sei "unverrückbar das Thema Arbeitszeitverkürzung damit verbunden", in welcher Form auch immer. Die sechste Urlaubswoche wäre ebenso eine Art der Arbeitszeitverkürzung, wie ein Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub. Es müsse nicht nur um die Wochenarbeitszeit gehen: "Es ist so vieles denkbar."

Kürzere Arbeitszeit sei angesichts der Veränderung und Digitalisierung der Arbeitswelt sinnvoll. Außerdem habe es in den letzten Jahren laufend eine Arbeitszeitverkürzung in Form von verstärkter Teilzeitarbeit gegeben, "aber leider einhergehend mit einem Lohnverlust". Das zeige sich daran, dass Österreich zwar eine Rekordbeschäftigung - also so viele Beschäftigte wie noch nie - habe, aber zugleich die Zahl der geleisteten Stunden auf dem Niveau von 2005/06 liege. Das bedeute, dass mehr Menschen heute die gleiche Zahl von Arbeitsstunden erbringen wie weniger Menschen vor gut zehn Jahren. Dadurch seien die Durchschnittslöhne gesunken, während die Kosten gestiegen seien. "Derzeit passiert Arbeitszeitverkürzung ausschließlich zulasten der Einkommen der arbeitenden Menschen", so der Schluss des ÖGB-Chefs. Man müsse "ohne Tabus" über einen Ausgleich zwischen Menschen mit Überstunden, die gerne weniger arbeiten würden und Menschen in Teilzeit, die mehr arbeiten wollen, nachdenken.

Zu viele Rücksichten

In Österreich werde Rücksicht genommen auf die vielfältige Wirtschaftslandschaft mit unterschiedlichsten Branchen, Betriebsgrößen und Märkten. Vielleicht sei es ein Nachteil, dass man so viele maßgeschneiderte Lösungen habe, "dass man es schon fast nicht mehr überblickt", sagt Foglar.

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Dokument erstellt am 2017-02-13 12:13:08
Letzte nderung am 2017-02-13 12:15:36



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