• vom 02.05.2017, 11:55 Uhr

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Update: 02.05.2017, 18:59 Uhr

Österreich

Weniger Menschen armutsgefährdet




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Von WZ Online, APA, mort

  • Frauen sind von Armut und Ausgrenzung öfter betroffen als Männer.

1,5 Millionen Menschen bzw. 18 Prozent der Bevölkerung sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. - © APAweb / Gindl Barbara

1,5 Millionen Menschen bzw. 18 Prozent der Bevölkerung sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. © APAweb / Gindl Barbara



Wien. In Österreich ist das Armutsrisiko geringer als im EU-Schnitt. Auch hat sich die entsprechende Gefährdung in den vergangenen Jahren reduziert. Dennoch sind immer noch 1,5 Millionen Menschen bzw. 18 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, zeigt die aktuelle EU-Vergleichsstatistik SILC, die am Dienstag präsentiert wurde.

Gegenlenken will das SPÖ-Regierungsteam mit der Förderung besonders betroffener Gruppen. So plädierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bei der Berichts-Präsentation einmal mehr dafür, die Aktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose nun auch tatsächlich umzusetzen. Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) setzt auf einen Ausbau der Kinderbetreuung inklusive Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr, um die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen.

Information

Was bedeutet armutsgefährdet?

(mort) Personen mit einem niedrigen Haushaltseinkommen gelten als armutsgefährdet. Laut Definition der EU-Konvention liegt die Armutsgefährdungsschwelle bei 60 Prozent des Medians des äquivalisierten Jahresnettoeinkommens.

Doch was heißt das eigentlich? Zunächst: äquivalisiertes Jahresnettoeinkommen bedeutet, dass das Pro-Kopf-Einkommen gewichtet wird. Jede 1. Person eines Haushalts wird mit 1 gezählt, jede weitere mit 0,5, Kinder unter 14 Jahren mit 0,3, da deren Einkommen viel geringer ist. Nimmt man als Beispiel einen Zwei-Personen-Haushalt mit einem Jahresnettoeinkommen von 20.000 Euro, muss man durch 1,5 dividieren. Ergebnis: Das gewichtete Haushaltseinkommen beträgt rund 13.300 Euro.

Der Median ist ein Mittelwert, er teilt eine Liste von Werten in zwei Hälften. 2016 lag der Median bei den Haushaltseinkommen in Österreich bei 34.911 Euro. Der Median der äquivalisierten Jahresnettoeinkommen liegt bei 23.694 Euro.

Die Ärmutsgefährdungsschwelle liegt bei 60 Prozent dieses Medians. In Zahlen gesprochen: 14.217 Euro pro Jahr oder 1185 Euro pro Monat.

Alle Jahresnettoeinkommen, die darunter liegen, gelten somit in Österreich als armutgefährdet. 2016 waren es 14,1 Prozent. Hochgerechnet auf die rund 8,59 Millionen Personen umfassende Gesamtbevölkerung liegt die Zahl der armutsgefährdeten Personen hierzulande zwischen rund 1.089.000 und 1.326.000 Personen.

Neben der Armutsgefährdung gibt es auch noch die materielle Deprivation und die niedrige Erwerbsintensität. Materielle Deprivation bedeutet, dass sie Menschen bestimmte Dinge, wie etwa eine Woche Urlaub pro Jahr, nicht leisten können. Für die Vergleichsstatistik SILC werden den Personen neun Fragen dazu gestellt. Wer vier Fragen davon negativ beantwortet, gilt als erheblich materiell depriviert.

Manche Haushalte betrifft beides, sie sind sowohl armutsgefährdet als auch materiell depriviert. Die im Artikel erwähnten 18 Prozent der Bevölkerung beziehen sich auf Personen, die in eine der drei Kategorien (Armutsgefährdung, materielle Deprivation, niedrige Erwerbsintensität) hineinfallen.

Rendi-Wagner will bessere Öffnungszeiten der Betreuungsstätten

Warum hier Handlungsbedarf besteht, zeigen die von Statistik-Austria-Direktor Konrad Pesendorfer präsentierten Daten. Demnach sind Frauen öfter von Armut und Ausgrenzung betroffen als Männer und Jugendliche (42:32:23 Prozent). Auffällig ist, dass je mehr Kinder vorhanden sind, umso größer die Gefährdung ist, speziell wenn die Frau keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Auch zeigt sich, dass mehr Probleme auftreten, wenn die Kinder noch im Vorschulalter sind.

Für Rendi-Wagner ist dies Anlass, neben dem zweiten Gratis-Kindergartenjahr, das ab 2018 gelten soll, den massiven Ausbau der Kinderbetreuung vor allem bei den Unter-3-Jährigen zu forcieren. Ebenfalls drängt sie auf bessere Öffnungszeiten und weniger Schließtage.

18 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet

Stöger wiederum will die Umsetzung der in der Koalition festhängenden Aktion 20.000, mit der Langzeitarbeitslose in gemeinnützigen Organisationen oder Gemeinden geförderte Arbeitsplätze finden sollen. Der Sozialminister verwies darauf, dass 79 Prozent aus dieser Gruppe sozial gefährdet seien, daher entsprechende Maßnahmen gesetzt werden müssen.

Insgesamt stellt sich die Situation in Österreich so dar, dass 18 Prozent der Bevölkerung gemäß EU-Berechnung als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gelten. Das ist ein minimaler Rückgang gegenüber 2015, wo 18,3 Prozent zu der Gruppe gezählt wurden. Immerhin, der Wert lag auch schon einmal wesentlich höher, etwa 2008 mit 20,6 Prozent. Interessant ist der internationale Vergleich: Während in Österreich die Gefährdungsquote in diesem Zeitraum um 2,6 Prozent abnahm, blieb sie in der EU gesamt bei 23,7 Prozent stecken.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-02 12:06:15
Letzte nderung am 2017-05-02 18:59:41



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