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Update: 09.05.2017, 08:20 Uhr

Gesundheit

Defizite trotz Besserung




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  • Die steigende Zahl an Krebspatienten stellt die Strahlentherapie vor neue Herausforderungen.

Mittels Strahlentherapie sollen Krebszellen vernichtet oder erkennbar gemacht werden.

Mittels Strahlentherapie sollen Krebszellen vernichtet oder erkennbar gemacht werden.© Fotolia/s4svisuals Mittels Strahlentherapie sollen Krebszellen vernichtet oder erkennbar gemacht werden.© Fotolia/s4svisuals

Wien. (gral) "Stellen Sie sich vor, Sie haben Krebs und landen auf einer Warteliste." Mit diesen Worten umriss Robert Hawliczek, Bundesfachgruppenobmann der Radioonkologen in Österreich, die Situation für viele Krebspatienten des Landes. Zwar kündigt sich in einigen Regionen eine Verbesserung der heftig kritisierten Versorgungslage in der Strahlentherapie an, dennoch orten die Experten nach wie vor einen Mangel an Beschleunigern, wie sie am Montag im Rahmen des derzeit in Wien stattfindenden Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Strahlentherapie und Onkologie (Estro) betonten.

Wien soll bis zum Jahr 2020 mit 15, statt bisher 13 Linearbeschleunigern ausgestattet sein. Mit dieser Anzahl könnte zwar eine gute Basisversorgung gewährleistet werden - wäre da nicht ein Patientenstrom aus Niederösterreich. Dort gibt es fünf Beschleuniger und einen dazu für das Burgenland. Um die Versorgung sicherstellen zu können, wären allerdings zwölf Anlagen nötig, so Hawliczek.

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48 statt 64 Geräte
"In den Niederlanden kommen acht Linearbeschleuniger auf eine Million Einwohner", berichtete Joachim Widder, Leiter der Universitätsklinik für Strahlentherapie am Wiener AKH. Das sei auch der Stand in Skandinavien, der Schweiz und Belgien. Um die Routine-Therapie meistern zu können, bräuchte Österreich demnach insgesamt 64 solcher Einrichtungen. Derzeit gibt es hierzulande 42 Geräte - in absehbarer Zeit sollen es 48 sein. Das Niveau west- und nordeuropäischer Staaten bleibe damit in weiter Ferne.

Die Wissenschaft, Kapazitäten für Wartungsarbeiten und vor allem der steigende Bedarf an Strahlentherapie insgesamt für Krebspatienten werden die Situation in Zukunft verschärfen, wenn nicht massiv gegengesteuert wird, so der Tenor der Experten. Sie gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 die Zahl der Krebspatienten um etwa 20 Prozent zunehmen werde.

"Durch die Verbesserungen in der Therapie wird Krebs zunehmend eine chronische Erkrankung in nicht geheiltem Stadium", erklärte Karin Kapp von der Universitätsklinik Graz. Schon jetzt sollte dieser Mehrbedarf berücksichtigt werden. Von der Planung bis zur Inbetriebnahme einer Anlage würden immerhin einige Jahre vergehen.

Der Bedarf an Strahlentherapie wird auch aus anderen Gründen zunehmen. Denn die Onkologen weltweit erwarten, dass man damit Krebszellen so schädigen kann, dass sie für das Immunsystem wieder leichter erkennbar und bekämpfbar werden. In Kombination mit der neuen Immuntherapie soll dies zu besseren Behandlungserfolgen führen.

Bessere Therapieabläufe
Auch in Bereichen der medizinischen Physik gibt es Fortschritte. Besonders interessant seien die Weiterentwicklungen auf den Gebieten Automatisierung, Teilchentherapie, Hybridbildgebung oder Bilddatenanalyse, betonte Dietmar Georg von der Wiener Uniklinik. Abläufe von der Diagnose über die Therapieplanung bis hin zur Behandlung könnten nicht nur schneller, sondern auch präziser und individueller durchgeführt werden.

Zudem wird das Ziel verfolgt, die Therapie noch weiter zu verfeinern. Exaktere Diagnoseverfahren und Adaptierungen während einer Behandlungsphase könnten dazu beitragen, die Dosis besser zu planen. Solche Neuerungen ermöglichen auch eine bessere Prognose über das individuelle Ansprechen auf die Therapie, betonte Georg.

Schon heute ist das Ziel der Strahlentherapie, den Tumor lokal optimal mit möglichst wenig Nebenwirkungen und Spätfolgen zu behandeln. Mit den Fortschritten der Therapiemethoden, verbunden mit einem längeren Überleben der Patienten, widmen sich die Mediziner auch immer mehr Spätfolgen wie Fatigue, Schlaflosigkeit oder Hitzewallungen. Experten fordern mehr Augenmerk darauf, um den Krebspatienten den Alltag zu erleichtern.




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Dokument erstellt am 2017-05-08 16:54:06
Letzte nderung am 2017-05-09 08:20:18



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