• vom 18.05.2017, 17:52 Uhr

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Update: 18.05.2017, 23:13 Uhr

USA

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  • Seit Trumps Wahlsieg ging es an den Börsen steil bergauf, die Russland-Affäre macht die Anleger nervös.



Tokio/New York/Washington. (ast) Laxere Bankenregulierungen, Billionen an Investitionen, kräftige Steuersenkungen, vier Prozent Wachstum jährlich und jede Menge Jobs - die vollmundigen Versprechungen Donald Trumps vor seiner Wahl zum Präsidenten der USA im Herbst vergangenen Jahres hat die Börsen in den Vereinigten Staaten beflügelt. Wenige Tage nach der Angelobung des Republikaners im Jänner durchbrach der US-amerikanische Leitindex Dow Jones sodann erstmals in seiner Geschichte die Marke von 20.000 Punkten. Experten waren sich jedoch damals bereits uneinig darüber, wie nachhaltig der steile Aufwärtstrend ist und welche Folgen der Regierungswechsel für die Aktienmärkte haben wird.

Seit der Zuspitzung der Russland-Affäre mit der überraschenden Entlassung des FBI-Chefs James Comey und weiteren großen innenpolitischen Problemen der Trump-Regierung hat leichte Katerstimmung an den Börsen eingesetzt.

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Trump: Hexenjagd

Präsident Trump bezeichnete am Donnerstagabend (MEZ) die Diskussion seiner eventuellen Verbindungen mit Russland als "Hexenjagd" und erklärte, er habe Anderes zu tun, als sich damit herumzuschlagen, nämlich das Land zu regieren. Er bestritt, dass die Entlassung von FBI-Direktor James B. Comey etwas mit den Russland-Untersuchungen der Behörde zu tun habe.

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So trüben die Zweifel an einer baldigen Umsetzung Trumps Steuersenkungs- und Investitionspläne die Laune der Anleger. Da die Finanzwerte nach dem Wahlsieg Trumps im November zu den größten Gewinnern an den Märkten gezählt hatten, gehörten sie nun meist zu den Verlieren. Der US-Bankenindex rutschte um vier Prozent ab, die Bank of America büßte am Donnerstag fast sechs und Goldman Sachs 5,2 Prozent ein. Im Schnitt gaben die Kurse der Banken in der Eurozone rund zwei Prozent nach. Der EuroStoxx50 baute seine Verluste aus und fiel auf 3562,38 Punkte.

Der Dollar geriet ebenfalls unter Druck. Er durchschritt bereits Mitte der Woche sein Sechs-Monats-Tief. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, lag sodann auf dem Niveau vor Trumps Wahl. Im Gegenzug stieg der Euro auf ein Sechs-Monats-Hoch von 1,1171 Dollar. Zusätzlich zum "Comey-Gate" dürften die Korruptionsvorwürfe in Brasilien auch noch Auswirkungen auf den jüngsten Abwärtsstrudel der US-Börsen beitragen. An der Börse des südamerikanischen Landes ging es am Donnerstag massiv abwärts. Der Dow Jones schloss am Donnerstag zwar leicht im Plus bei 20.663,02 Punkten - am Tag davor hatte der Leitindex jedoch den größten Tagesverlust seit September erlitten. Antizyklische Investoren dürften die Gunst des Niedergangs genutzt haben.

Belastungsfaktor Trump
Nach kräftigen Kursverlusten an der Wall Street war in Fernost die Stimmung ebenfalls im Keller. "Befürchtungen, dass die US-Aktien weiter fallen könnten, machen die Investoren weiter nervös", sagte Marktanalyst Masayuki Doshida vom Wertpapierhändler Rakuten Securities.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Donnerstag mit 1,3 Prozent im Minus bei 19.553 Punkten. Der Topix-Index gab ebenfalls 1,3 Prozent nach auf 1555 Punkte. Das überraschend starke Wirtschaftswachstum in Japan im ersten Quartal rückte in den Hintergrund. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,5 Prozent.

"Donald Trump verwandelt sich anscheinend für viele Investoren momentan vom Heilsbringer zum Belastungsfaktor für die Märkte", sagte Anlagestratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der deutschen Postbank. Viele Börsianer halten daher eine Korrektur für längst überfällig. "Die Märkte, verzweifelt auf der Suche nach Gründen für eine Korrektur, haben in der Affäre Trump jetzt endlich einen Vorwand gefunden, nach Monaten des ausschließlichen Einatmens auch einmal auszuatmen", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Vor diesem Hintergrund greifen Investoren zu Gold. Das Edelmetall verzeichnete am Donnerstag ein knapp zweiprozentiges Kursplus und kostete zeitweise 1,264 Dollar je Feinunze. Dazu trugen auch die gedämpften Spekulationen auf eine baldige US-Zinserhöhung bei: Anleger taxieren inzwischen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank im Juni auf weniger als 60 Prozent. Vor einigen Tagen lag die Quote noch bei etwa 90 Prozent.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-18 17:57:07
Letzte nderung am 2017-05-18 23:13:15



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