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Update: 26.06.2017, 18:38 Uhr

China

Zum Sterben freigelassen




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Von WZ Online, APA, AFP, dpa

  • Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist aufgrund einer schwerer Krankheit auf freiem Fuß.

Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist auf freiem Fuß. - © APAweb/AP, Kin Cheung

Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist auf freiem Fuß. © APAweb/AP, Kin Cheung

Peking. Der chinesische Friedensnobelpreisträger und Dissident Liu Xiaobo ist nach Angaben seines Anwalts aus der Haft entlassen worden. Bei Liu sei im Mai eine unheilbare Leberkrebserkrankung festgestellt worden, kurz darauf sei er aus medizinischen Gründen freigekommen, sagte sein Anwalt Mo Shaoping am Montag.

Nach Angaben seines Anwalts wurde die Krebserkrankung bei Liu am 23. Mai festgestellt. Wenige Tage später sei er freigelassen worden. Der 61-Jährige lasse sich nun in einem Krankenhaus in Shenyang in der nordöstlichen Provinz Liaoning behandeln. Er habe "keine besonderen Pläne", fügte der Anwalt hinzu.

EIn leerer Stuhl bei Preisverleihung

Der in chinesischer Literatur promovierte Liu war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Jahr später wurde der Schriftsteller und Menschenrechtler mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Entgegennehmen konnte er die Auszeichnung nicht. An seiner Stelle stand ein leerer Stuhl bei der Preisverleihung in Oslo.

Das norwegische Nobelkomitee reagierte mit Erleichterung und Sorge auf die Freilassung. In einer Mitteilung am Montag hieß es, Liu Xiaobo hätte nie inhaftiert werden dürfen. In Wirklichkeit sei er verurteilt worden, weil er sein Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch genommen habe. Liu Xiaobo sei weiterhin in Oslo willkommen, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen.

Schwer belastete diplomatische Beziehungen

China hatte die Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu scharf verurteilt und als ungewünschte Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes bezeichnet. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Peking und Oslo erlitten wegen der Preisverleihung schweren Schaden.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte am Montag bei einer regulären Pressekonferenz, er habe keine Informationen bezüglich einer Freilassung Lius.

Liu hätte noch rund drei Jahre seiner Haftstrafe absitzen müssen. Seine Unterstützer zeigten sich besorgt über seinen Gesundheitszustand und kritisierten die Behandlung des Friedensnobelpreisträgers durch die chinesischen Behörden.

"Schockiert und traurig" 

"Bei Liu wurde im Gefängnis eine schwere Krankheit diagnostiziert", sagte der China-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Patrick Poon. "Liu hätte von vornherein niemals inhaftiert werden dürfen." Poon forderte die Behörden auf, dafür zu sorgen, dass Liu eine "angemessene medizinische Behandlung" und Zugang zu seiner Familie gewährt werde. Außerdem forderte er die bedingungslose Freilassung von Liu und all jener, "die nur wegen Ausübung ihrer Menschenrechte" inhaftiert seien.

Die im deutschen Exil lebende chinesische Journalistin Su Yutong, zeigte sich "sehr schockiert und traurig" über die Erkrankung ihres Freundes im Gefängnis. Sie forderte die Behörden auf, Liu zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen. "Wir wissen immer noch nicht, ob er in der Haft schwer gefoltert oder unmenschlich behandelt wurde", sagte Su. Die "größte Folter" für einen Gelehrten müsse aber gewesen sein, dass er in der Haft nicht habe schreiben, sprechen und seine Gedanken frei äußern können.

Lius Ehefrau seit 2010 unter Hausarrest 

Das PEN-Zentrum in Hongkong forderte am Montag Lius bedingungslose Freilassung. "Zu einer Zeit, in der China eine größere internationale Rolle einnehmen möchte, ist es nur angemessen, dass einem Mann Menschlichkeit und Mitgefühl entgegengebracht werden, der nie ein gewaltsames Verbrechen begangen hat, sondern sein Leben der Literatur und Meinungsfreiheit gewidmet hat", teilte die Organisation mit.

Lius Ehefrau Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest. 2014 erlitt sie nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation einen Herzanfall, nachdem bei ihr eine Depression angesichts der jahrelangen Festsetzung diagnostiziert worden war. Sie war am Montag telefonisch nicht zu erreichen. In einer automatischen Ansage hieß es, ihr Telefon sei nicht mehr in Betrieb.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-26 10:54:03
Letzte ─nderung am 2017-06-26 18:38:38



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