• vom 07.07.2017, 17:55 Uhr

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Update: 07.07.2017, 19:03 Uhr

G20-Gipfel

Willkommen in der Hölle




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Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Brennende Autos, Festnahmen, Gewalt - während des G20-Gipfels befindet sich Hamburg im Ausnahmezustand.

Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.

Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.© APAweb / dpa, Alex Heimken Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.© APAweb / dpa, Alex Heimken

Hamburg. Die Sonne geht auf, im Gängeviertel wummern die Bässe. Wie schon die ganze Nacht hindurch hört man auch Freitag in der Früh die Sirenen der Polizei in Hamburg. Das Gängeviertel ist ein ehemaliges Arbeiterviertel mit alten Fachwerkhäusern im Zentrum der Stadt. 2009 wurde es besetzt, der Abriss der teils verfallenen Gebäude verhindert. Die Besetzer richteten Ateliers und ein Café ein, Wohnungen und Veranstaltungsräume. Das Viertel liegt in der Demonstrationsverbotszone: Seit 6 Uhr ist die "Allgemeinverfügung" in Kraft, mit der das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in zwei Hamburger Innenstadtbereichen eingeschränkt wird. Im Gängeviertel feiert man nun "die letzte Stunde der Demokratie".

An der Kreuzung vor dem Viertel versperrt ein aufblasbarer "schwarzer Block" den Weg. Das war der Plan des Aktionsbündnisses "Block G20": Den Ablauf des Gipfels "spürbar zu stören und die Inszenierung der Macht, die der Gipfel darstellt, zu brechen." Dazu werde man einen "massenhaften, öffentlich angekündigten Regelübertritt begehen".


"Es geht ja um
unseren Planeten"

Hubschrauber kreisen. In der Stadt ist keine Ruhe. In der Nacht ist die G20-Welcome-to-hell-Demonstration eskaliert, die um
19 Uhr am Fischmarkt losgegangen ist. Weit kam sie nicht. Kurz vor der Hafenstraße stand ein großer Block komplett schwarz gekleideter Demonstranten einem Block Polizisten gegenüber. Erst wenn sie die Vermummung sein ließen, dürften sie weiterziehen, wurden die Frauen und Männer informiert. Die Polizei setzte Pfefferspray und Wasserwerfer ein. "Aufhören", riefen konventionelle Demonstranten.

Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.

Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.© APAweb Eine Schneise der Verwüstung hinterließ der Protest in der Nacht auf Freitag, zahlreiche Autos gingen in Flammen auf.© APAweb

Kurze Zeit später strömten immer mehr Menschen von der Norderelbe herauf Richtung Reeperbahn, viele mit schwarzen Regenjacken, Kapuze, Sonnenbrillen. Dazwischen Demonstranten gekleidet in unterschiedlichen Farben und - immer in Gruppen - Polizisten in Schutzuniform, mit Helmen und Schlagstöcken. "Haut ab, haut ab", brüllen Frauen und Männer ihnen im Chor zu.

Er war selbst mal Polizist, kommentiert ein Mittsechziger das Geschehen. Als Bürger habe auch er das Recht, gegen etwas zu protestieren, in Anspruch genommen. "Es geht ja um unseren Planeten", sagt seine Frau, die ebenfalls bei der Polizei gearbeitet hat.

Degen Demonstranten setzte die Polizei mitunter auch Pfefferspray ein.

Degen Demonstranten setzte die Polizei mitunter auch Pfefferspray ein.© APAweb Degen Demonstranten setzte die Polizei mitunter auch Pfefferspray ein.© APAweb

Ein paar Meter weiter lösen drei schwarz gekleidete Männer flink Plastersteine aus dem Boden und packen sie ein. "Denen geht es doch nicht um die Sache", empört sich der Ex-Polizist. Vorhin habe er mit ein paar von den schwarz gekleideten jungen Menschen gesprochen, "ganz liebe, nette Leute. Die sagten mir, das sei eine Tarnung, so fühlten sie sich in der Gruppe sicherer. Aber wenn die friedlich demonstrieren, dann tut ihnen ja keiner was". Dass die Polizisten unter ihren Helmen schwarze Sturmmasken tragen, findet er "falsch" - "so sieht man aus, wenn man ne Bank überfällt".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-07 18:00:16
Letzte nderung am 2017-07-07 19:03:38



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