• vom 08.08.2017, 13:00 Uhr

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Update: 08.08.2017, 14:59 Uhr

Fußball-EM

Mediales Strohfeuer ohne Nachwirkung




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Von Katharina Hackl

  • Die Fußball-EM ist vorüber. Woran liegt es, dass die Damen nach wie vor geringere Medienpräsenz genießen als ihre männlichen Kollegen?

Zehn Mal netzte das Damennationalteam bei der EM 2017 ein. - © APAweb / Armin Weigel

Zehn Mal netzte das Damennationalteam bei der EM 2017 ein. © APAweb / Armin Weigel

Aus aktuellem Anlass wird in Österreich so viel und ausführlich über Frauensport berichtet wie schon lange nicht mehr. Auch wenn sich die Österreicherinnen im Halbfinale gegen Dänemark leider geschlagen geben mussten, hat die Mannschaft mit dem dritten Platz bei der Europameisterschaft Großes erreicht. Doch wie präsent ist Damenfußball abseits sportlicher Großereignisse?

Frauenmannschaften wird deutlich geringere Aufmerksamkeit geschenkt als jenen der Männer. Der weibliche Mannschaftssport wird sowohl von Medien, als auch von Sponsoren und Zusehern weniger beachtet und respektiert. Oft werden Ausdauer und Dynamik der Frauen belächelt, und selbstverständlich gibt es große Leistungsunterschiede zwischen Männern und Frauen, die in der Biologie der Geschlechter liegen. Doch ist das Grund genug, um Frauensport ein geringeres Interesse entgegen zu bringen?

Der ewige Vergleich schadet den Frauen

Tanja Walther Ahrens, die erste Frau im Präsidium des Berliner Fußballverbands, gab ihre Tätigkeit 2015 aufgrund von Klischees über Frauenfußball auf. Sie ist der Meinung, dass der ewige Vergleich mit dem Männerfußball den Frauen schadet, und dass Begriffe wie "Mannschaft" und "Tormann" dazu beitragen, dass Frauen im deutschen Fußball nicht ernst genug genommen werden.

Die Unterschiede zwischen Frauen- und Männermannschaftssport zeigen sich jedoch nicht nur im Fußball. Auch Basketballspielerinnen, Volleyballspielerinnen und Handballerinnen genießen tendenziell eine geringe Medienpräsenz als ihre männlichen Kollegen. Zahlreiche Analysen zeigen, dass es noch immer große Unterschiede in der Sportberichterstattung gibt. So werden Herrenspiele zur besten Sendezeit am Wochenende ausgestrahlt, während die Damen nur unter der Woche zu sehen sind.

Quotensensation beim Einzug ins Halbfinale

Das Viertelfinale der Damen-EM am Sonntag den 30.7. verfolgten rund 1,2 Millionen Zuschauer live im TV. Eine dermaßen hohe Einschaltquote bei einem Fußball-Match gab es seit dem Spiel Österreich gegen Island bei der Fußball-EM 2016 der Männer in Frankreich nicht. Der Einzug der österreichischen Damen ins Halbfinale erreichte einen Marktanteil von 44 Prozent, und ging als mit Abstand meist gesehenes Frauenfußballspiel in die Fernsehgeschichte des ORF ein.

Die erhöhten Einschaltquoten sind jedoch nicht der einzige Indikator für steigendes Interesse am Frauenfußball. Auch die Public-Viewing-Gelegenheiten vermehrten sich in den vergangen Tagen. 12 000 Menschen verfolgten das Halbfinale am 3. August am Wiener Rathausplatz. Auch im WUK, sowie in mehreren Lokalen am Donaukanal wurde das Spiel übertragen und lockte zahlreiche Zuschauer an.

Die Männer haben - trotz erheblich schlechterer Leistungen - aber dennoch die Nase vorne. Obwohl die österreichische Mannschaft bei der letztjährigen Europameisterschaft schon im dritten Spiel gegen Island ausschied, lagen die Einschaltquoten weit über jenen der diesjährigen Frauenspiele. Schon beim ersten Österreich-Spiel gegen Ungarn sahen 1,724 Millionen Menschen zu. Vier Tage später verfolgten 1,860 Millionen das Spiel gegen Portugal, und auch das letzte EM-Match erreichte eine Quote von stolzen 1,678 Millionen. Insgesamt wurde bei 12 Spielen um den Titel Europameister 2016 die Millionengrenze geknackt, während 1,2 Millionen Zuseher im Frauenfußball eine absolute Seltenheit darstellen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-08 09:50:34
Letzte nderung am 2017-08-08 14:59:09



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