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Update: 10.08.2017, 20:07 Uhr

Studie

Was Muslime unterscheidet




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Von Werner Reisinger

  • Neue Studie zu muslimischer Religiosität: erhebliche Unterschiede nach Herkunftsländern.

Kopftuch in der Schule

© apa/dpa/Frank Rumpenhorst Kopftuch in der Schule© apa/dpa/Frank Rumpenhorst

Wien. Wie religiös sehen sich in Österreich lebende Muslime selbst? Welchen Stellenwert nimmt ihre Religion ein, welche Grundhaltungen dominieren? Ist Konservativismus oder eine fortschrittliche Auslegung des Glaubens vorherrschend? Nur allzu oft werden "die Muslime" in Politik, Medien und nicht zuletzt im gesellschaftlichen Diskurs über einen Kamm geschoren. Eine nun vorliegende Studie, die der Politikwissenschafter Peter Filzmaier von der Donauuniversität Krems für den Österreichischen Integrationsfonds koordinierte, zeigt: Zwischen den verschiedenen Herkunftsländern von Muslimen in Österreich bestehen erhebliche Unterschiede.

Es handle sich um keine repräsentative Studie, auch gehe es nicht um "Zahlenfetischismus", wie Filzmaier gegenüber der "Wiener Zeitung" betont. "Die Studie soll einen Beitrag zur Versachlichung der emotionalen Debatte liefern." Ein statistisches Grundproblem stelle dar, dass es kein wie immer geartetes Verzeichnis der in Österreich lebenden Muslime gibt. Die Interviews wurden deshalb per Schneeball-System durchgeführt: Bereits befragte Interviewpartner werben weitere Interviewpartner an.


Liberale Bosnischstämmige
Im sechsmonatigen Untersuchungszeitraum wurden über 1100 Muslime befragt, im Einsatz waren dafür 40 Interviewer in zwei Wellen. Die Interviews wurden in sechs Sprachen geführt: Türkisch, Arabisch, Persisch, Russisch, Englisch und Deutsch.

"Es gab zwei generelle Zielgruppen: Migranten und in Österreich geborene Muslime, sowie anerkannte Flüchtlinge", sagt Filzmaier. Die erste Gruppe besteht zum überwiegenden Teil aus Menschen mit türkischen oder bosnischen Wurzeln, in der zweiten Gruppe finden sich Tschetschenen, Somalier und weitere, kleinere Gruppen aus Flüchtlings-Herkunftsländern. Zentrales Ergebnis: In der ersten Gruppe haben vor allem die türkischstämmigen Muslime tendenziell stark konservative Haltungen und weisen in der Selbstsicht eine eher ausgeprägte Religiosität auf - während sich Menschen mit bosnischen Wurzeln eher liberal und weniger religiös sehen. Bei den anerkannten Flüchtlingen sind es Menschen tschetschenischer und somalischer Herkunft, die stark konservativ-religiöse Standpunkte einnehmen.

Vor allem bei den türkischstämmigen Muslimen sei das Ergebnis durchaus bemerkenswert, sagt der Politologe. "In dieser Gruppe ist die Selbsteinschätzung viel stärker konservativ-religiös, und dabei kann das wenig mit dem aktuellen politischen Hintergrund in der Türkei, Stichwort Erdogan-Regime, zu tun haben. Das deshalb, da ein großer Teil dieser Gruppe bereits seit langem in Österreich lebt." Ob die starke Religiosität der Türkischstämmigen mit der regionalen Herkunft aus der Türkei zu tun hat, sei durchaus möglich, allerdings aus dem vorliegenden Datenmaterial nicht herauslesbar.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-10 17:45:06
Letzte nderung am 2017-08-10 20:07:28



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