• vom 12.08.2017, 07:30 Uhr

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Update: 12.08.2017, 10:42 Uhr

Nordkorea-Krise

Tanz auf der roten Linie




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Von Klaus Huhold

  • Trumps Drohungen gegen Nordkorea bergen eine große Gefahr: dass den Worten militärische Taten folgen.

Einsatzbereit: Nordkoreanische Soldaten marschieren in der Hauptstadt Pjöngjang auf. - © ap/Jon Chol Jin

Einsatzbereit: Nordkoreanische Soldaten marschieren in der Hauptstadt Pjöngjang auf. © ap/Jon Chol Jin



Washington/Wien. Sie steigen nicht vom Gas. Kein Tag vergeht, an dem sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un nicht gegenseitig - entweder persönlich oder durch Stellvertreter - irgendwelche Unfreundlichkeiten ausrichten. Zuletzt war wieder Trump an der Reihe.

Die Drohung, Nordkorea mit "Feuer und Zorn" zu überziehen, sei womöglich nicht hart genug gewesen, verkünde der US-Präsident. Wenn Nordkorea, wie angekündigt, die US-Pazifikinsel Guam angreifen sollte, würde es Probleme bekommen, wie sie nur wenige Länder erlebt hätten. Es sollte "sehr, sehr nervös" sein. Und: Militärische Lösungen seien "komplett vorbereitet und einsatzbereit, sollte Nordkorea unklug handeln". Zuvor hatte das asiatische Land Trump verspottet: Mit diesem sei keine normale Konversation möglich, er verkenne den Ernst der Lage und gehe damit der nordkoreanischen Militärführung ziemlich auf die Nerven.

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Trump gibt den starken Mann
Steht die Welt vor einem nuklearen Desaster, weil hier zwei Staatschefs wie zwei Stiere aufeinander zulaufen und keiner von den beiden abbremsen will? Oder sind die verbalen Ausbrüche nur Säbelrasseln? Wie viel Strategie und Psychologie steckt in dem Duell der beiden Atommächte USA und Nordkorea?

"Ich sehe derzeit keine Strategie bei den USA", sagt Reinhard C. Heinisch, der an der Universität Salzburg das Institut für Politikwissenschaft leitet. Immer wieder scheint Trump Alleingänge zu unternehmen. Mittlerweile ist bekannt, dass er mit seiner Administration die Drohung von "Feuer und Zorn" nicht abgesprochen habe. Die eigenen Leute müssten Trump offenbar immer wieder einfangen. Dass Trump droht und Außenminister Rex Tillerson beruhigt, scheint mittlerweile Teil der US-Außenpolitik zu sein.

Trump will Stärke zeigen. Dabei reagiert er aber auf die Meldungen der Atommacht Nordkorea genauso, wie wenn ihn irgendein Komödiant im Fernsehen beleidigt. Er schränkt damit den Handlungsspielraum der USA, die sich offenbar auch nicht sonderlich intensiv mit Verbündeten absprechen, enorm ein. "Wenn ich eine rote Linie ziehe, und diese wird überschritten, dann muss ich Taten folgen lassen, sonst zeige ich Schwäche", erklärt Heinisch der "Wiener Zeitung". Falls die Nordkoreaner also eine Rakete Richtung Guam abfeuern, könnte Trump allein aufgrund seiner verbalen Ausritte gezwungen sein, militärisch zu reagieren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 18:24:08
Letzte nderung am 2017-08-12 10:42:26



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