• vom 16.09.2017, 08:00 Uhr

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Update: 16.09.2017, 15:22 Uhr

Volleyball

"Freue mich auf meine Freiheit"




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Von Tamara Arthofer

  • Am Sonntag wird Peter Kleinmann 70, sechs Tage später endet seine Ära als Präsident des Volleyball-Verbandes.





Wien. Peter Kleinmann war eigentlich schon da, bevor es Volleyballsport in Österreich wirklich gab - da glaubten nämlich viele noch, es handle sich um ein Spielgerät aus Wolle, wie Kleinmann immer wieder erzählt. Ob als Spieler, als Trainer, als Manager von Österreichs erfolgreichstem Klub, den hotVolleys, oder in den vergangenen 16 Jahren als Verbandspräsident - sein Ziel sei es immer gewesen, den Sport populärer zu machen. "Das haben wir geschafft", sagt er. Und er sagt es mit demselben Stolz, mit dem er heute, bei einem Gespräch über Erfolg und Abschied, Sportpolitik und Volleyball - mit "V" -, seine Trophäensammlung präsentiert. Auf den Regalen hinter den Fitnessgeräten, mit denen er seine ganz persönliche "tägliche Turnstunde" abhält, wie der Mit-Initiator dieses Projekts sagt, stapeln sich Pokale und Auszeichnungen, Zeitungsausschnitte und Urkunden zieren die Wände; Blitzlichter aus knapp 55 Jahren Tätigkeit im Volleyballsport.

"Wiener Zeitung": Herr Kleinmann, sind Sie ein eitler Mensch?

Peter Kleinmann: Eitel? Nein. Ich sag’ immer: Schöner als ich wäre kitschig. Nein, im Ernst, das glaube ich nicht. Wenn Sie mich aber fragen, ob ich stolz bin, was ich im Volleyball erreicht habe, das kann man schon sein. Ich war als Spieler, Trainer und Manager 27 Mal Meister, wir waren mit den hotVolleys im Final Four der Champions League, in meine Amtszeit als Präsident des ÖVV fallen insgesamt 29 Medaillen, drei fünfte Plätze bei Olympia im Beachvolleyball, zuletzt der Vize-Weltmeistertitel durch Clemens Doppler und Alex Horst. Wir haben viel erreicht, darauf darf man doch stolz sein.

Inwiefern haben sich auf diesem Weg die Herausforderungen immer wieder verschoben?

Alle Beachvolleyball-Uhren sind akkurat angeordnet wie sonst nur der Arik-Brauer-Gedächtnis-Bart.

Alle Beachvolleyball-Uhren sind akkurat angeordnet wie sonst nur der Arik-Brauer-Gedächtnis-Bart. Alle Beachvolleyball-Uhren sind akkurat angeordnet wie sonst nur der Arik-Brauer-Gedächtnis-Bart.

Mein oberstes Ziel war es, den Volleyballsport populär zu machen. Das war schon als Spieler so. Weil niemand über Volleyball geschrieben hat, habe ich eine Zeitung angerufen und zur Antwort bekommen: Ist der Ball aus Wolle? Das habe ich mir nicht gefallen lassen, das hat mich motiviert. Dann wurde irgendwann darüber geschrieben, dann kam das erste Match im ORF, damals noch unter Teddy Podgorski: Ein Spiel von Pradl Innsbruck, wo ich gespielt habe. Schwarz-Weiß und mit einer Kamera. Als Trainer und Manager habe ich dann versucht, einen Klub, die hotVolleys, groß zu machen. Das ist zwar gelungen, aber mit einem einzelnen Verein kannst du den Sport nicht insgesamt populär machen. Die hotVolleys können vielleicht die Wiener begeistern, aber die Tiroler und die Kärntner können darüber gar nicht so lachen. Österreichweite Emotionen kannst du nur über die Nationalteams erzeugen.

Dann wurden Sie 2001 Verbandspräsident. Wie beurteilen Sie die Entwicklung seither?

Damals wurde ich gefragt, ob ich den Verband, der mit 1,7 Millionen Schulden kurz vor dem Konkurs stand, sanieren kann. Es gab Widerstand, weil ich meine Bedingungen hatte, aber sie haben mich einstimmig gewählt, wir haben den Verband umstrukturiert, und es ist gelungen. Damals hatten wir ein Budget von 400.000 Euro, jetzt haben wir 2,3 Millionen. Damals hatten wir acht bezahlte Mitarbeiter, jetzt 50. Heuer haben wir die erfolgreiche Beachvolleyball-Heim-WM gehabt und in der Weltliga mit dem Herren-Nationalteam, das mittlerweile viele starke Legionäre hat, unter anderem Deutschland geschlagen. Wir sind also auch in der Halle im Spitzenvolleyball angekommen.

Trotzdem wurde die EM verpasst. Wann wird man ein Nationalteam wieder bei einem Hallen-Großereignis sehen?

2019. Ich gehe davon aus, dass wir eine gute Chance haben.

Dann wird die Teilnehmerzahl von 16 auf 24 aufgestockt . . .

Ja, das war ein Konzept des österreichischen Volleyballverbandes. Zum Gewinnen gehört eben nicht nur das Volleyballspielen, sondern auch das Drumherum, die politische Kraft, die der ÖVV im europäischen und im Weltverband hat.

Wäre die Aussicht, das noch in führender Position mitzuerleben, nicht reizvoll? Warum gerade jetzt der Rückzug?

Ich bin jetzt 70, da sollen jüngere Leute innovativere Ideen bringen. Ich glaube, nach einem Jahr, in dem wir mit der Weltliga vor 4000 Zuschauern in Linz gespielt haben, in dem wir die Heim-WM im Beachvolleyball gehabt haben und sogar Vizeweltmeister geworden sind, ist es ein guter Zeitpunkt, aufzuhören. Ich habe meine Arbeit getan, jetzt will ich einmal etwas anderes machen.

Was wird das sein?

Das kann ich noch nicht sagen. Als erstes werde ich am 24. September meine Freiheit feiern. Denn jetzt bin ich nicht frei. Wenn ich zum Beispiel sage, wir spielen Weltliga, und die kostet 350.000 bis 400.000 Euro, muss ich die auftreiben. Das habe ich bei den hotVolleys jahrelang gemacht, das habe ich im Verband jahrelang gemacht, diesen Druck muss ich nicht mehr haben. Und ich weiß mein Kind Volleyball bei Gernot Leitner in guten Händen. Er kennt sich als ehemaliger Spitzenspieler in der Halle und im Beachvolleyball mit dem Sport aus, er ist medial stark, kennt sich als Top-Unternehmer wirtschaftlich aus und ist gut vernetzt. Diese Qualifikationen muss man haben, und die hat er.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-12 17:33:02
Letzte nderung am 2017-09-16 15:22:41



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