• vom 13.09.2017, 17:31 Uhr

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Update: 13.09.2017, 21:08 Uhr

Libyen

Ahmed Dabashis wundersame Läuterung




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Von WZ-Korrespondent Julius Müller-Meiningen

  • "Al-Ammu" ist Schlepperboss, Drogen- und Ölschmuggler, jetzt hilft er Italien, Flüchtlinge von Europa fernzuhalten.

Libyscher Schlepperboss hindert Flüchtlinge an Überfahrt - was sich Italien einiges kosten lässt.

Libyscher Schlepperboss hindert Flüchtlinge an Überfahrt - was sich Italien einiges kosten lässt.© afp Libyscher Schlepperboss hindert Flüchtlinge an Überfahrt - was sich Italien einiges kosten lässt.© afp

Rom. Sie nennen ihn al-Ammu, den Onkel. Als er vor Jahren noch auf der Suche nach Gelegenheitsjobs auf dem Markt von Sabratha herumlungerte, fragte Ahmed Dabashi stets: "Onkel, hast Du mal eine Zigarette?" Der Spruch wurde zu seinem Spitznamen. Sonst hat Dabashi kaum noch etwas mit dem kleinen Jungen von damals gemein. Der Libyer ist einer der berüchtigten Schlepperbosse, die an der Küste Libyens operieren. Inzwischen schicken Dabashi und seine Söldner die Flüchtlinge aber nicht mehr aufs Meer, sondern halten sie von der Überfahrt ab. Europa atmet auf.

Noch am 1. Juni veröffentlichten Experten des UN-Sicherheitsrates einen Bericht über die Lage in Libyen, in der auch von Dabashi die Rede ist. Auf Seite 63, Ziffer 258, wird er namentlich als einer der aktivsten Menschenhändler an der libyschen Küste aufgeführt. Zu dieser Zeit behaupteten die Regierungen der EU noch vehement, den Schleppern müsste dringend das Handwerk gelegt werden.


Geld für Schwerkriminellen aus Europa
Ob diese Devise heute noch uneingeschränkt gilt, ist unklar. Denn in den vergangenen drei Monaten haben Dabashi (und mit ihm vielleicht auch andere Milizenführer) eine erstaunliche Läuterung durchgemacht. Vom international gesuchten Schlepperkönig wurde der 35-Jährige zu einem der wichtigsten Verbündeten Italiens und damit auch Europas. Nach übereinstimmenden Berichten und Zeugenaussagen ist Dabashi heute derjenige, der mit seinen Söldnern die zentrale Mittelmeerroute und damit die Überfahrten von Flüchtlingen nach Italien de facto blockiert: Die Zahlen sind eindeutig. Den gesamten August über kamen nur noch 3892 Menschen von Libyen über das Mittelmeer nach Italien, im August 2016 waren es noch 21.294 Migranten. Auch die Daten von September (wenige hundert Migranten) weichen stark von den im Spätsommer wegen milder Wetterbedingungen üblichen Überfahrten ab.

Der Hauptgrund für den Rückgang ist nicht etwa die erfolgreiche Arbeit der libyschen Küstenwache, sondern Dabashis Seitenwechsel in Folge eines für ihn lukrativen Deals. Statt Flüchtlinge über das Meer zu schicken und dafür zu kassieren, halten Dabashi und seine Leute nun die Hand dafür auf, dass sie die Migranten vor der Überfahrt abhalten.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Geld für den Erzbanditen Dabashi letztendlich aus Europa fließt.

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Dokument erstellt am 2017-09-13 17:36:06
Letzte nderung am 2017-09-13 21:08:35



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