• vom 06.10.2017, 16:51 Uhr

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Match um Macht und Einfluss




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  • Der ÖFB berät am Samstag über die Nachfolge von Marcel Koller. Das wird ein hartes Stück Arbeit.

Vorhang auf? Am Samstag geht es im ÖFB (im Bild: Präsident Leo Windtner) um wichtige Entscheidungen.

Vorhang auf? Am Samstag geht es im ÖFB (im Bild: Präsident Leo Windtner) um wichtige Entscheidungen.

Wien. (rel) Die Ziffer 13 gilt ja gemeinhin nicht unbedingt als Glückszahl. Weswegen es Abergläubische vielleicht schon immer gewusst haben wollen: Über den insgesamt 13 stimmberechtigen Präsidiumsmitgliedern des österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) muss ein Fluch lasten. Wie sonst ist zu erklären, dass sich dieses Gremium, das nur zum Wohle des heimischen Fußballs wirken sollte, bisweilen harte "Grabenkämpfe" (Marc Janko) liefert, statt mit einer Stimme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen? Und das gerade in einer so wichtigen Frage wie der Nominierung eines neues Teamchefs oder Sportdirektors.

Um beide Funktionen geht es nämlich bei der ÖFB-Präsidiumssitzung am Samstagvormittag in Wien - und es wird kein Spaziergang für Präsident Leo Windtner werden. Hier prallen viele Einzelinteressen aufeinander, längst haben sich in der Herrenrunde, die aus dem Präsidenten, neun Landesvertretern und drei Bundesliga-Delegierten zusammengesetzt ist - Sportdirektor, Sekretäre und Frauenbeauftragte verfügen über kein Stimmrecht -, Seilschaften gebildet, um im Match um Macht und Einfluss nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Gewichte sind klar verteilt: Während sich die ÖFB-Landespräsidenten aus Salzburg und Tirol gern in der Rolle der "Opposition" sehen, versucht der "Ostflügel", bestehend Niederösterreich, Wien und Burgenland, den Ton anzugeben und die übrigen, als gemäßigt geltenden Länder auf ihre Seite zu ziehen. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Präsidenten um ehrenamtliche Funktionäre mit Leidenschaft für den Fußball handelt, die aber viel Erfahrung im Streiten, Tarnen, Täuschen, Mauern und Bluffen mitbringen - also Rechtsanwälte, Arbeiterkammer-Direktoren, Bürgermeister und Medienmacher. Nicht viel anders ticken die Vertreter aus Bundesliga und Erster Liga, die ebenfalls oft ihr eigenes Spiel spielen. Zuletzt geriet hier Bundesliga-Präsident Hans Rinner in Kritik, weil er bei Abstimmungen mehr seine persönlichen Interessen vertrete als jene der Liga.


Kommt Peter Schöttel?
So gesehen verspricht die Sitzung am Samstag in jedem Fall turbulent zu werden, geht es doch hier nicht nur um die Nachfolge von Teamchef Marcel Koller, sondern auch die des Sportdirektors. Der aktuelle Amtsträger Willi Ruttensteiner war ja zuletzt massiv unter Beschuss geraten. So werden dem Oberösterreicher nicht nur die zuletzt schlechten Ergebnisse des Nationalteams, sondern auch eine mangelnde Aufarbeitung der verkorksten Euro 2016 vorgeworfen. Hinzu kommen, wie ÖFB-Boss Windtner eingestand, persönliche Differenzen zwischen Ruttensteiner und einigen Landeschefs.

Zuletzt kursierten ja Spekulationen, wonach der Rauswurf des derzeitigen Sportdirektors bereits beschlossene Sache sei und der - von Ruttensteiner kürzlich zum ÖFB geholte - U19-Teamchef Peter Schöttel als Nachfolger feststehe. Windtner wollte das freilich nicht bestätigen. "Es ist alles offen. Die Entscheidung fällt am Samstag", sagte er. Leicht wird Windtner der Abschied seines Sportdirektors, der für ihn immer ein Vertrauensmann war, freilich nicht fallen.

Aber die Entscheidung liegt nicht bei ihm. Tatsächlich muss der ÖFB-Präsident, der seit seiner Wiederwahl im Juni immer mehr in die Defensive geraten ist, aufpassen, nicht selbst unter die Räder zu kommen. Damals musste er den Chefs der mächtigen Landesverbände Zugeständnisse machen, um sein Amt zu behalten. Einstimmig gewählt wurde er dafür übrigens trotzdem nicht - mit 12 statt 13 Stimmen. Aber immerhin gilt 12 als Glückszahl.




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Dokument erstellt am 2017-10-06 16:57:09



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