• vom 13.11.2017, 18:21 Uhr

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Update: 13.11.2017, 22:27 Uhr

Erdbeben

In der Katastrophe verbunden




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Mehr als 400 Todesopfer hat das Erdbeben im irakisch-iranischen Grenzgebiet gefordert.

- © ap//Tasnim/Menati

© ap//Tasnim/Menati



Bagdad. Als der Esstisch kurz nach 21 Uhr Ortszeit am Sonntagabend zu wackeln begann, wurde schnell klar, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Gäste im Restaurant in Bagdad konnten zwar noch auf ihren Stühlen sitzen bleiben, doch die Gläser verschoben sich wie von Geisterhand dem Tischrand zu und konnten nur noch mit den Händen aufgefangen werden, bevor sie abzustürzen drohten. Was sich in der irakischen Hauptstadt wie ein Spuk ausnahm, wurde knapp 300 Kilometer weiter nördlich zur Naturkatastrophe: ein Erdbeben der Stärke 7,3 auf der Richterskala mit dem Epizentrum in der iranischen Provinz Kemanschah an der irakischen Grenze zu Kurdistan. Dort gab es allein im Bezirk Sarpol-e Sahab rund 300 Todesopfer.

Einen Tag danach wird das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher. Insgesamt sollen bei dem Beben mindestens 415 Menschen getötet worden sein, von mehr als 7000 Verletzten ist die Rede. In Halabdscha, einer Stadt an der Grenze zum Iran wurde ein zwölfjähriger Bub durch ein herabfallendes Stromkabel getötet. Das Beben war so heftig, dass seine Auswirkungen bis in die türkische Kurdenstadt Dijabakir, 680 Kilometer nordwestlich von Suleimanija, zu spüren waren. Und selbst im Süden des Iraks, in Basra, in 870 Kilometern Entfernung, erzitterte die Erde, wenn auch nur leicht.


Blockierte Straßen
und zahlreiche Nachbeben

Die betroffene Gegend in der Grenzregion zwischen Iran und Irak ist eine abgelegene Bergregion, die relativ dünn besiedelt ist. Die meisten Schäden gab es in den iranischen Grenzstädten Ghassre Schirin, Esgeleh und Sare Pole Sahab. "Berichten zufolge ist das Krankenhaus in Sare Pole Sahab zerstört worden", berichtet Walter Hajek, Leiter der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit des Österreichischen Roten Kreuzes. Die Patienten würden verlegt. "Die Situation ist dramatisch und teilweise noch unübersichtlich. Was nun zählt, ist rasche Hilfe, da nach 72 Stunden die Überlebenswahrscheinlichkeit von Verschütteten drastisch sinkt", so Hajek.

Vielerorts fiel der Strom aus. Die Schulen in den gesamten Grenzprovinzen zum Nordirak blieben am Montag geschlossen.

Bis zum Abend registrierte die iranische Erdbebenwarte 118 Nachbeben. Die Menschen flohen trotz Kälte auf die Straßen und in Parks und verbrachten die Nacht im Freien. 70.000 Menschen im Iran sind dem Roten Halbmond zufolge auf Notunterkünfte angewiesen.

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Schlagwörter

Erdbeben, Iran, Irak

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-13 18:26:07
Letzte nderung am 2017-11-13 22:27:59



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