• vom 14.11.2017, 17:38 Uhr

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Update: 16.11.2017, 16:47 Uhr

Arbeitsmarkt

Wiener sind extremer - auch in der Arbeit




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Von Martina Madner

  • Die Gegensatzpole der Hochzufriedenen und der Abgehängten am Arbeitsmarkt nehmen in Wien besonders zu.



Wien. Der internationale OECD-Vergleich macht sicher: Österreich steht in puncto "Guter Arbeit" gut da. Sowohl beim Lohnniveau und der Einkommensverteilung als auch mit einem vergleichsweise geringeren Risiko arbeitslos zu werden und einer guten sozialen Absicherung bei Arbeitslosigkeit schneide das Land gut ab, erläutert Raphaela Hyee, Ökonomin am Direktorat für Beschäftigung, Arbeit und Soziales. "Da befindet sich Österreich jeweils im obersten Drittel", sagt sie bei der Konferenz der MA 23, des Magistrats für Wirtschaft, Arbeit und Statistik.

Belastende Arbeitsplätze
Dann der Wermutstropfen: Zur Job-Quality-Framework der OECD zählt auch die Analyse des Arbeitsumfelds. Hierbei werden Stressfaktoren wie Zeitdruck, gesundheitliche Belastungen oder Mobbing am Arbeitsplatz unter die Lupe genommen. Solcher Stress kann zwar durch persönliche Autonomie in der Arbeitsgestaltung oder gute persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz ausgeglichen oder gemindert werden. Wird es laut OECD-Expertin aber hierzulande offenbar nicht: Herr und Frau Österreicher sprechen häufiger von Überlastung als Arbeitende in anderen Ländern.


"Bei der Belastung steht Österreich sehr schlecht da. Nur in den südeuropäischen Ländern ist man noch mehr überlastet am Arbeitsplatz. Der Zeitdruck, die physische Belastung und die Arbeitszeit sind vor allem bei Männern enorm hoch", sagt Hyee. "Es kann aber auch sein, dass sich Österreicher mehr beschweren als andere", räumt sie ein.

Ein Schelm, der dabei an grantelnde Wiener und Wienerinnen denkt, deren Aussagen laut Hyee bei den wahrgenommenen Belastungen eine besonders große Rolle spielen.

Wien nimmt manches vorweg
Wobei, ganz so simpel ist die Erklärung dann doch nicht. Wien ist laut Daniel Schönherr, Sozialforscher bei Sora, anders als andere Bundesländer. Da ist die raschere Entwicklung in Richtung Dienstleistungsgesellschaft. Es gibt mehr und andere atypische Beschäftigung, zum Beispiel mehr geringfügige und befristete Dienstverhältnisse. Arbeit nimmt in Wien einen höheren Stellenwert ein, und die Arbeitszufriedenheit ist zugleich unter Wiener Beschäftigten niedriger als bei Österreichern generell.

Grund dafür sind harte Fakten: Beispielsweise reicht 15 Prozent Wienern ihr Einkommen nicht aus. In Österreich generell stellen das gerade mal sieben Prozent fest. Man ist aber auch kritischer: "Wiener sind mit dem Image des Unternehmens, dem Führungsstil und Arbeitzeitregelungen weniger zufrieden als andere Österreicher." Schönherr sagt außerdem: "In Wien wird entgegen dem bundesweiten Trend der Anstieg von körperlichen und psychischen Belastungen stark wahrgenommen."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-14 17:41:05
Letzte nderung am 2017-11-16 16:47:03



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