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Von Daniel Bischof

  • 2017 waren in Wien erstmals mehr als 100.000 legale Schusswaffen im Umlauf. Die Nachfrage geht zurück, bleibt aber hoch.

- © ipopba/Fotolia

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Wien. Die Schwellen sind übersprungen. 2017 gab es in Wien erstmals mehr als 100.000 - legal erworbene - Schusswaffen. Österreichweit stieg ihre Zahl auf mehr als eine Million an. Das zeigen aktuelle Auszüge aus dem Zentralen Waffenregister, welche der "Wiener Zeitung" vorliegen. Während die absoluten Zahlen Rekordmarken brechen, lässt sich anhand der Auszüge im Mehrjahresvergleich aber auch feststellen: Die enorm hohe Nachfrage nach Schusswaffen, die im Herbst 2015 einsetzte, ist am Abklingen.

"Der große Waffenboom ist vorbei, wenn ich die jetzigen Zahlen mit Ende 2015 und Anfang 2016 vergleiche", sagt Markus Schwaiger, Eigentümer des Waffenfachgeschäfts "Euroguns" in Wien. Doch im Vergleich zu den Jahren vor dem "Boom" verkaufe er weiterhin drei bis vier Mal so viele Waffen. Rund 90 Prozent seiner Käufer seien dabei neue Kunden.


Unterschiedliche Motive
Die deutlichen Steigerungen zeigen sich auch bei einer Analyse der Anzahl an Waffenbesitzkarten, die von der Landespolizeidirektion Wien in den vergangenen Jahren neu ausgestellt wurden. 2014 waren es 1031 Karten, 2015 schon 1642 gewesen. 2016 stieg die Zahl auf 4632 an, während sie 2017 wieder auf 2228 fiel. Warum immer mehr Menschen in den vergangenen Jahren zu Waffen gegriffen haben? Recherchen der "Wiener Zeitung" im Herbst 2015 bei Waffenhändler, Psychologen und Behörden ergaben, dass neben sportlichen Zwecken und der Angst vor waffenrechtlichen Verschärfungen auch die Selbstverteidigung und Unsicherheit infolge der Flüchtlingskrise treibende Kaufmotive waren.

Laut Schwaiger ist auch derzeit die Motivlage "sehr gemischt". "Die meisten Kunden sagen natürlich gar nichts. Beim Rest ist der Sport und der Schutz vor Kriminellen ein Motiv. Ein Teil der Käufer spricht auch von einer angeblichen Überforderung oder gar einem Versagen der Polizei."

In Wien gibt es insgesamt 35.336 Waffenbesitzer (Stand 1. Jänner 2018). Am 1. Juli 2015 waren es 30.686 gewesen. Die Zahl der legal erworbenen Waffen stieg im gleichen Zeitraum von 90.475 auf 101.751. Bundesweit erhöhte sich die Zahl der Waffenbesitzer von 253.917 auf 301.420, jene der erworbenen Waffen von 893.757 auf 1.023.037.

2017 wurden in Wien zudem deutlich mehr Waffenpässe (WP) ausgestellt. 2014 bis 2016 waren es jeweils zwischen 250 und 281 gewesen. Im Vorjahr stieg die Zahl dann auf 923 an. "Das liegt daran, dass dank Musterverfahren und einer Gesetzesänderung seit 2017 Polizisten und Jagdaufseher wieder WP bekommen", sagt der auf Waffenrecht spezialisierte Anwalt Raoul Wagner. "Ansonsten bekommt man einen WP eigentlich nur mehr posthum." Die Behörden seien restriktiv - nicht einmal Waffenhändlern werde ein WP ausgestellt, "obwohl die Antiterrorbehörden alle Waffenhändler davor gewarnt haben, dass der Islamische Staat im Internet dazu aufruft, Waffenhändler auf offener Straße zu überfallen und dann ihre Geschäfte zu plündern".

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 18:32:07
Letzte nderung am 2018-01-12 21:41:07



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