• vom 09.09.2011, 17:34 Uhr

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Update: 10.09.2011, 12:22 Uhr
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Terror vom 11. 9. 2001 hat Blick auf Muslime nachhaltig geändert

Wie 9/11 den Islam-Hass in die Köpfe pflanzte



Anhänger der "English Defence League": Am vergangenen Samstag marschierten rund 1000 von ihnen trotz Verbot in London auf. Wie üblich kam es zu Krawallen mit Polizei und Gegnern, es gab 16 Festnahmen.

Anhänger der "English Defence League": Am vergangenen Samstag marschierten rund 1000 von ihnen trotz Verbot in London auf. Wie üblich kam es zu Krawallen mit Polizei und Gegnern, es gab 16 Festnahmen.© EPA Anhänger der "English Defence League": Am vergangenen Samstag marschierten rund 1000 von ihnen trotz Verbot in London auf. Wie üblich kam es zu Krawallen mit Polizei und Gegnern, es gab 16 Festnahmen.© EPA

Islamfeind im schweizerischen Nationalrat: der SVP-Politiker Oskar Freysinger.

Islamfeind im schweizerischen Nationalrat: der SVP-Politiker Oskar Freysinger.© EPA Islamfeind im schweizerischen Nationalrat: der SVP-Politiker Oskar Freysinger.© EPA

Als Ray die EDL 2009 verließ, soll es Versuche der BNP zu ihrer Unterwanderung gegeben haben. Auch Lennon war angeblich Mitglied der BNP. Auf die Distanzierung der EDL von der BNP soll indes insbesondere der Millionär Alan Lake Wert gelegt haben. Für Ray ist Lake, der als EDL-Finanzier gilt, allerdings selbst ein Beispiel für den Rechtsextremismus der Bewegung. Belegen lässt sich dies durch Blog-Einträge, in denen Lake der englischen Regierung die Verbannung in "islamische Enklaven" wünschte, in denen sie "exekutiert oder zu Tode gefoltert" werden würden. Außerdem sagte er einem norwegischen TV-Sender, dass er glücklich wäre, wenn die Muslime, die für die Einführung der Scharia in Großbritannien demonstrierten, exekutiert würden.

Die Kreuzzügler
Mit dem Norweger Breivik will Lake aber selbstverständlich nichts zu tun gehabt haben, auch wenn dieser die EDL immer wieder lobend erwähnt. Jeden Kontakt streitet auch Paul Ray ab, der allerdings einen unleugbaren Bezugspunkt zu Breivik hat. Der Blog des fundamentalen Christen, wie er sich selbst sieht, firmiert unter dem Namen "Lionheart of England", benannt nach jenem Richard Löwenherz, der im späten 12. Jahrhundert den Dritten Kreuzzug anführte. Als Symbol benutzt er, ebenso wie die EDL, das Georgskreuz, das die Flagge Englands bildet, in einer Abwandlung, die stark an das Kreuz der Tempelritter erinnert - das wiederum Breivik auf die erste Seite seines Manifests setzte. Der Norweger zählte sich ja selbst zu den Neugründern des Templerordens, der mit dem Ersten Kreuzzug entstanden war.

Den Bezug zu den christlichen Befreiungsversuchen Jerusalems hat schon George W. Bush hergestellt: Am 17. September 2001, wenige Tage nach den Anschlägen, kündigte der damalige US-Präsident einen "Kreuzzug gegen den Terror" an. Seine Berater brachten ihn mit einiger Verspätung dazu, von diesem Terminus abzurücken, weil er in der islamischen Welt mit eben jenem mittelalterlichen Krieg des Christentums gegen den Islam verbunden sei. Bush hat zwar nie von einem Krieg gegen eine Religion gesprochen, der Schaden war aber angerichtet. Militante Islamisten verwendeten das Wort zum "Kampf gegen die Kreuzritter" im Westen, christlich fundierte rechte Gruppen griffen den Kreuzzug als Synonym für ihren Kampf gegen den Islam auf.

Bei den muslimischen Amerikanern, die weniger als ein Prozent der US-Gesamtbevölkerung stellen, stößt islamistische Propaganda übrigens auf wenig Gegenliebe: Laut einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrage glaubt nur ein Prozent der US-Moslems, die zu zwei Drittel Einwanderer der ersten Generation sind, dass Selbstmordattentate oder Gewalt gegen Zivilisten häufig zur Verteidigung des Islam gerechtfertigt sein könnten; 81 Prozent lehnen dies vollkommen ab.

Zufriedene US-Muslime
82 Prozent der muslimischen Bürger sind zufrieden mit ihrem Leben in den USA - allerdings ist die Zahl derer, die sich im Alltag benachteiligt fühlen, leicht gestiegen.

Dies ist wohl auf die erst mit einiger Verspätung nach 9/11 geänderte Sicht der nicht-muslimischen Amerikaner auf ihre Mitbürger zurückzuführen, die in den letzten Jahren negativer geworden ist: Wie eine Umfrage desselben Instituts ergab, ist die Zahl jener, die dem Islam wohlwollend gegenüberstehen, von 41 Prozent im Jahr 2005 auf 30 Prozent im August 2010 gesunken. Gestiegen ist vor allem die Zahl jener, die nicht genau wissen, was sie von der Religion halten sollen.

Diese Umfrage wurde zu einer Zeit durchgeführt, als vor allem die weit rechts stehende Tea Party mit ihren Falschmeldungen über die Religionszugehörigkeit von Präsident Barack Obama einigen Erfolg gehabt hatte. Im August 2010 war die Zahl jener, die ihn für einen Muslim hielten, gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen. Und im selben Sommer war auch der Höhepunkt der Diskussion um die Moschee, die nahe den 2001 gefällten Twin Towers entstehen soll. Die Mehrheit der US-Amerikaner ist dagegen, dass der Bau genehmigt wird.

Dies ist zu einem guten Teil auf jene Blogger zurückzuführen, die im Internet ebenso wie ihre europäischen Kollegen gegen den Islam hetzen. Ihre prominentesten Köpfe heißen Pamela Geller und Robert Spencer. Spencer gründete schon 2003 einen Blog namens "JihadWatch", um 2007 gewann auch Geller als Bloggerin Popularität. Zusammen gründeten sie "Stop the Islamization of America" (SIOA), analog zum europäischen Pendant SIOE, das vom dänischen Fleischhauer Anders Gravers, gleichfalls ein Verfechter des "Eurabia"-Mythos, gegründet wurde.

2010 trommelte vor allem Geller monatelang gegen den Bau eines islamischen Gemeindezentrums zwei Blocks vom "Ground Zero" entfernt, wo einst das World Trade Center stand - mit Erfolg: Die Errichtung des "Cordoba-Hauses", später in "Park51" umbenannt, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Pamela Geller hatte ihren ersten großen Triumph zu verzeichnen, zog sie doch die Tea Party und große Teile der Republikaner auf ihre Seite und pflanzte anti-islamisches Gedankengut in die Köpfe. Für die erwähnte "Eurabia"-Erfinderin Bat Ye’or ist sie "eine wahre Kämpferin für die Freiheit", für den Niederländer Geert Wilders "eine Heldin", steht auf Gellers Homepage zu lesen.

Wilders, einsamer Star
Wilders, der am 11. September vergangenen Jahres bei der SIOA-Protestveranstaltung gegen die sogenannte Ground-Zero-Moschee der Hauptredner war, ist seinerseits der unbestrittene Star der islamfeindlichen Szene. Er vergleicht den Koran, den er in den Niederlanden verbieten lassen will, mit Adolf Hitlers "Mein Kampf" und hat zu diesem Thema den umstrittenen Kurzfilm "Fitna" (in etwa Zwietracht, Heimsuchung) 2008 im Internet veröffentlicht. In Breiviks Manifest wird er als "einziger echter Konservativer in Europa" bezeichnet.




Schlagwörter

9/11, Terror, Islam

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-09-09 17:42:14
Letzte Änderung am 2011-09-10 12:22:16


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