• vom 09.05.2012, 20:01 Uhr

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Update: 09.05.2012, 20:23 Uhr
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Zweitwohnsitz in den Bergen: Probleme der alpinen Gentrifizierung

Eine alpine Verdrängung



Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.

Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.© Hartmut Nägele Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.© Hartmut Nägele

Da besteht Handlungsbedarf für die Politik: Salzburg will bis zum Sommer mittels eines neuen Grundverkehrsgesetzes den Anteil an Zweitwohnsitzen in Tourismusgemeinden eindämmen. In der Gemeinde Saalbach-Hinterglemm, 1991 Veranstalter der alpinen Ski-WM, beträgt der Zweitwohnungsanteil bereits 60 Prozent. Künftig dürfen in Salzburg nur mehr dann Immobilien erworben werden, wenn der Inhaber in der jeweiligen Gemeinde auch seinen Hauptwohnsitz anmeldet. Die Bürgermeister werden sogar angehalten, Verdachtsfälle bei den Behörden zu melden.

Ob derartige Kontrollversuche von Erfolg gekrönt sein werden, ist offen. Dass der Verlust von Hauptwohnsitzen für Gemeinden negative Folgen hat, bestätigt auch Wissenschafter Perlik. Zweitwohnsitze bringen zwar urbane Wertschöpfung in ländliche Regionen, das kann aber auch ein kurzzeitiges Phänomen sein.

Wohnen im Wald
Der Wissenschafter Perlik befürchtet, dass diese Art des Wohnens viel Platz verbrauche und flüchtiger sei als bisherige Alpenraumbesiedlungen. Die jüngsten Entwicklungen geben ihm recht.

Denn steigende Preise müssen nicht zwingend mit wachsender Bevölkerung einhergehen. So hat Kitzbühel in der vergangenen Dekade zum ersten Mal seit den 1970er Jahren permanente Einwohner verloren. Für Perlik keine Überraschung. "Gewachsen sind die peri-alpinen Metropolräume am Alpenrand", sagt er. "Die Städte und Gemeinden innerhalb der Alpen werden als Wohn- und Freizeitlandschaften in die Metropolräume integriert. Dabei steigt der Anteil an Menschen, die nur zeitweise in den Alpen wohnen."

Eine Ursache dafür könnten unrealistische Vorstellungen über den bevorzugten Wohnort sein. Befragungen haben ergeben, dass für viele Menschen die Idealvorstellung eine von viel Wald umgebene Landschaft ist. "Dass, was die Leute wollen, kann es gar nicht geben", ist Perlik überzeugt. "Sie wollen einen urbanen Wohnraum mit viel unberührtem Wald und ein bisschen Wiese." So kommt es zu dem Phänomen, das Perlik als multilokales Wohnen bezeichnet: "Das Migrieren findet im Alpenraum nicht statt. In den europäischen Gebirgen braucht man das nicht, man kann in zwei Welten leben: Die Stadt stellt die Arbeitsplätze zur Verfügung und bietet kulturell-urbane Freizeitmöglichkeiten; die Berge hingegen bieten Ruhe und Outdoor-Aktivitäten."

Dass jene, für die der Alpenraum die einzige Welt ist, dabei zunehmend an Einfluss verlieren, ist Teil der Entwicklung.

Konflikte, die sich wie im Bundesland Salzburg, an der Höhe der Immobilienpreise entzünden, sind die Folge.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 15:47:06
Letzte Änderung am 2012-05-09 20:23:31


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