• vom 04.12.2016, 18:43 Uhr

Bundespräsidenten-Wahl

Update: 04.12.2016, 20:26 Uhr

Wahlmotive

Die Wähler Van der Bellens waren motivierter




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Von WZ Online

  • Beide Kandidaten haben im Lauf der Wahlauseinandersetzung an Glaubwürdigkeit verloren.

Frauen entschieden sich mehrheitlich für Alexander Van der Bellen.

Frauen entschieden sich mehrheitlich für Alexander Van der Bellen.© APAweb 7 Erwin Scheriau Frauen entschieden sich mehrheitlich für Alexander Van der Bellen.© APAweb 7 Erwin Scheriau

Wien. Eine erste SORA-Analyse auf Basis einer Wahltagsbefragung unter 1.218 Wahlberechtigten zeigt, dass die bessere Mobilisierung für Van der Bellen die Wahl entschieden hat. Nahezu alle Befragten gaben an, dass ihre Entscheidung schon seit längerem feststand – und sie ihre Meinung seit dem Mai nicht geändert haben. Entscheidend für den Wahlsieg von Alexander Van der Bellen war demnach, dass er seine Unterstützer besser für eine Teilnahme an der Wahlwiederholung motivieren konnte als Norbert Hofer.

Alexander Van der Bellen überzeugte seine WählerInnen vor allem damit, dass er Österreich im Ausland gut vertreten könne (67% "sehr wichtiges" Motiv) sowie mit seiner pro-europäischen Haltung (65%). Amtsverständnis (59%) und Kompetenz (58%) von Van der Bellen waren ebenfalls wichtige Entscheidungsmotive.

Wahlmotiv: Richtungsentscheidung

42% der Van der Bellen-WählerInnen sagten, dass es Ihnen bei dieser Wahl eher um die Verhinderung des Gegenkandidaten gehe als um die Person des Bundespräsidenten. 54% sahen darin auch eine Richtungsentscheidung für Österreich.

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20161204_motive© APAweb 20161204_motive© APAweb

Die WählerInnen von Norbert Hofer machten ihr Kreuz bei dieser Wahl überwiegend wegen ihres eigenen Kandidaten (51%), und nicht um den Gegner zu verhindern (24%).

Wichtigste Wahlmotive für Hofer waren, dass ihr Kandidat die Sorgen der Menschen verstehe (55% "sehr wichtiges" Motiv), kompetent sei (55%) und gegen das etablierte politische System auftrete (54%). Für 52 Prozent war ein sehr wichtiges Wahlmotiv, dass Norbert Hofer wichtige Veränderungen im Land anstoßen könne.

Verlust an Sympathie und Glaubwürdigkeit

Beide Kandidaten haben im Lauf der Wahlauseinandersetzung an Glaubwürdigkeit und Sympathie verloren. So nannten im Mai noch 67% der Hofer- und 50% der Van der Bellen-WählerInnen Sympathie als wichtiges Wahlmotiv. Bei der Wiederholungswahl sind diese Werte auf 46% (Hofer) bzw. 37% (VdB) gesunken. Auch bei der Glaubwürdigkeit zeigt sich ein Rückgang in der Zustimmung von 62 auf 51 Prozent (Hofer) bzw. von 61 auf 50 Prozent (VdB).

Hohes Vertrauen in korrekte Durchführung der Wahl

Eine klare Mehrheit von über 90 Prozent der Befragten äußerte Vertrauen, dass die Wahl ordentlich durchgeführt und ausgezählt wird, 66 Prozent stimmen der Aussage sehr, weitere 27 Prozent ziemlich zu. Dieses hohe Vertrauen gilt für alle Bevölkerungsgruppen, für WählerInnen als auch NichtwählerInnen, für Hofer- wie für Van der Bellen-AnhängerInnen.

Zukunfts-Pessimisten und Optimisten

Eine besonders starke Auswirkung auf das Wahlverhalten hatte bei dieser Wahl der positive oder negative Blick in die Zukunft: So erzielte Norbert Hofer unter Personen, die die Entwicklung der Lebensqualität in Österreich pessimistisch sehen, mit 70% einen Vorsprung von 40 Prozentpunkten vor seinem Gegner.

Optimisten und Personen, die keine Veränderung der Lebensqualität erwarten, wählten mit 73% bzw. 59% hingegen überwiegend Van der Bellen.

Wie die Wahltagsbefragung zeigt, war dabei die Wahlbeteiligung unter Zukunftsoptimisten deutlich höher als unter Pessimisten, d.h. es gelang der Hofer-Kampagne weniger gut, diese Bevölkerungsgruppe zu mobilisieren.

SPÖ-Wähler für Van der Bellen

Personen, die bei einer vorgezogenen Nationalratswahl aktuell die SPÖ wählen würden, stimmten bei dieser Wahl zu 90 Prozent für Van der Bellen. Grün-Anhänger wählten ihn praktisch ausnahmslos, während aktuelle FPÖ-Wähler geschlossen Norbert Hofer unterstützten.

Befragte, die derzeit zur ÖVP tendieren, wählten jeweils zu rund 45 Prozent Hofer bzw. zu 55% Van der Bellen.

Frauen mehrheitlich für Van der Bellen, Männer für Hofer

Wie schon im ersten Wahlgang und der Stichwahl im Mai zeigt sich auch bei der Wiederholungswahl ein starker Gender Gap: Männer stimmten stärker für Norbert Hofer, er erreichte in dieser Gruppe 56%. Frauen wählten hingegen öfter Alexander Van der Bellen, er erreichte unter ihnen 62%.

Van der Bellen mobilisierte Junge und besser Gebildete

Alexander Van der Bellen konnte besonders junge WählerInnen ansprechen und erreichte in der Altersgruppe der Bis-29-Jährigen 58%, wobei mit 69% vor allem junge Frauen für ihn stimmten, während bei jungen Männern Norbert Hofer mit 53% vorne liegt.

Sein bestes Ergebnis erreichte Norbert Hofer mit 58% unter Männern im Alter von 30-59 Jahren.

Unter Personen mit Pflichtschulabschluss lag Hofer mit 53% vor Van der Bellen, unter Personen mit Lehrabschluss laf Hofer mit 64% deutlich vor Van der Bellen. Personen mit Matura oder tertiärem Abschluss wählten mit 78% überdurchschnittlich Van der Bellen.





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Dokument erstellt am 2016-12-04 18:45:17
Letzte nderung am 2016-12-04 20:26:40



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