• vom 03.03.2013, 18:58 Uhr

Wahlen

Update: 03.03.2013, 19:57 Uhr

Landtagswahlen

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion




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Von Walter Hämmerle

  • An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer
  • SPÖ erobert Kärnten, Desaster für Dörfler - Pröll verteidigt Absolute.

Zwei Gesichter, die Bände sprechen: Gerhard Dörfler steht die Niederlage ins Gesicht geschrieben, Erwin Pröll der Wahltriumph detto. apa

Zwei Gesichter, die Bände sprechen: Gerhard Dörfler steht die Niederlage ins Gesicht geschrieben, Erwin Pröll der Wahltriumph detto. apa

Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der Landtage in St. Pölten und Klagenfurt entschieden – und dabei für zwei handfeste Überraschungen gesorgt.

In Niederösterreich bestand diese darin, dass die Volkspartei mit Langzeit-Landeshauptmann Erwin Pröll an der Spitze erstaunlich souverän die absolute Mehrheit zu halten vermochte. Nicht nur an Mandaten, das war noch am ehesten erwartet worden, sondern auch an Stimmen.


Während in Niederösterreich also alles beim Alten blieb, überrollte ein politisches Erdbeben Kärnten, bei dem im südlichsten Bundesland kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Die Freiheitlichen, seit 1999 die unangefochtene Nummer eins in und um Klagenfurt, schlitterten nach den zahllosen Affären und Skandalen der Ära Haider in ein Debakel, dessen Ausmaße vor dem Wahltag wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte – am wenigsten wahrscheinlich die Freiheitlichen selbst.

Die freiheitliche Ära ist Geschichte
Profitiert vom Absturz der FPK hat in erster Linie die SPÖ, die damit wieder jenen Platz erreichte, den sie in Kärnten über Jahrzehnte nach 1945 hinweg innegehabt hatte: den Platz an der Sonne als stimmenstärkste Partei. Künftig wird deshalb Peter Kaiser, der Spitzenkandidat der SPÖ, auf dem Sessel des Kärntner Landeshauptmanns Platz nehmen. Die freiheitliche Ära, die einst Jörg Haider in der zweiten Hälfte der 90er Jahre begründete, ist somit dreieinhalb Jahre nach dem Unfalltod des ehemaligen Parteichefs und Landeshauptmanns, Geschichte.

Ob sich Gerhard Dörfler und Kurt Scheuch – Noch-Landeshauptmann der eine, FPK-Parteiobmann der andere – in der Landespolitik halten können, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache, mit dessen Partei die FPK ein strategisches Bündnis geschlossen hat, forderte jedenfalls bereits von den Kärntner Parteifreunden Erneuerung ein.
Kärnten hat nach diesen Wahlen aber nicht nur wieder einen roten Landeshauptmann, sondern ist insgesamt politisch deutlich bunter geworden. Die ÖVP konnte ihre Verluste nach dem korruptionsbedingten Neustart mit Gabriel Obernosterer und Wolfgang Waldner in Grenzen halten und nicht nur Platz drei, sondern auch den Regierungssitz verteidigen. Neben SPÖ (3), FPK (1) und ÖVP (1) werden künftig auch Grüne und das Team Stronach mit je einem Sitz in der siebenköpfigen Landesregierung vertreten sein. Darüber hinaus gelang dem BZÖ mit Bundesparteiobmann Josef Bucher der Sprung in den Landtag; Bucher wird den Sitz jedoch nicht annehmen, sondern sich als Klubchef im Nationalrat auf die kommenden Nationalratswahlen konzentrieren.
Angesichts dieser Konstellation wird wohl der Proporz bei der Besetzung der Landesregierung im Laufe dieser Legislaturperiode ein Ende finden.

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Dokument erstellt am 2013-03-03 19:02:11
Letzte nderung am 2013-03-03 19:57:30




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