• vom 03.03.2013, 18:59 Uhr

Wahlen

Update: 03.03.2013, 20:50 Uhr

Landtagswahlen

Pröll-Festspiele in Niederösterreich




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Von Clemens Neuhold

  • Erwin Pröll verteidigt bei Landtagswahlen trotz Erfolgs des Team Stronach zum 3. Mal die absolute Mehrheit
  • Historischer Absturz der SPÖ gibt den Ausschlag; Stronach stärker als FPÖ.

Erwin Pröll bleibt in Niederösterreich allgegenwärtig. Bei dieser Abschlussveranstaltung im Wahlkampf ahnte er schon sein Glück.

Erwin Pröll bleibt in Niederösterreich allgegenwärtig. Bei dieser Abschlussveranstaltung im Wahlkampf ahnte er schon sein Glück.© apa Erwin Pröll bleibt in Niederösterreich allgegenwärtig. Bei dieser Abschlussveranstaltung im Wahlkampf ahnte er schon sein Glück.© apa

Wien. Zwei duellieren sich und beide gewinnen, so lässt sich die niederösterreichische Landtagswahl zusammenfassen. Klarer Sieger ist Erwin Pröll, der seine absolute Mehrheit mit 51 Prozent überraschend deutlich verteidigt.

Zweiter Sieger ist Frank Stronach, der sich mit Erwin Pröll heftig duellierte. Der 80-jährige austro-kanadische Milliardär trat zum ersten Mal persönlich bei einer Wahl an und bestand seine Feuertaufe. Mit fast zehn Prozent ist das Team Stronach stärker als prognostiziert und wird auf Anhieb drittstärkste Kraft im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die FPÖ leidet stärker als gedacht unter der neuen Konkurrenz und erleidet mit 8,2 Prozent ein kleines Debakel. Damit liegt sie nur noch hauchdünn vor den Grünen, die mit acht Prozent ihr bisher bestes Ergebnis in Niederösterreich einfahren. Durch die Briefwahlstimmen könnten die Grünen im Zweikampf sogar noch das Rennen machen. Denn bei den "Zweitwohnsitzlern" aus Wien liegen sie traditionell gut.

Frank Stronach hat seine Feuertaufe als Politiker bestanden.

Frank Stronach hat seine Feuertaufe als Politiker bestanden.© dapd Frank Stronach hat seine Feuertaufe als Politiker bestanden.© dapd

Ein Debakel muss die SPÖ hinnehmen, die mit 21,5 Prozent noch weiter abstürzt als 2008; schon damals erlitt sie ein historisches Tief von 25,5 Prozent.

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"Erwinator"
Erwin Pröll ist seit 20 Jahren Landeshauptmann und kann nun ungestört sein Vierteljahrhundert an der Macht komplettieren. 2008 hatte er über 54 Prozent, der Verlust von drei Prozentpunkten auf aktuell 50,9 Prozent sind in Wahrheit ein Gewinn. Denn diesmal stand mit Frank Stronach ein neuer Bewerber mit im Ring. Außerdem schossen sich Prölls Gegner diesmal viel stärker auf seine Spekulationen mit Wohnbaugeldern ein als vor fünf Jahren. Doch nur für zehn Prozent der Wähler war das Thema wahlentscheidend. Viel spannender fanden die Niederösterreicher das Duell Pröll gegen Stronach, das den extrem kurzen Wahlkampf dominierte. Die beiden schenkten sich nichts, richteten sich in Plakaten, Inseraten und Fernsehspots Dinge wie "Schmähtandler" (Stronach über Pröll) oder "ein Milliardär, dem fad ist" (Pröll über Stronach) aus. Genutzt hat das Scheinduell Erwin Pröll genauso wie Stronach. Pröll machte dadurch seinen eigenen Wählern Feuer unterm Hintern und vermied, dass diese - von seiner Wiederwahl überzeugt - zuhause blieben.

Regierungssitz für Gabmann
Frank Stronach schafft mit 9,9 Prozent deutlich mehr Stimmen als prognostiziert. Er selbst wird sich ab sofort auf die Nationalratswahl im Herbst konzentrieren. Mit Ernest Gabmann, dem Sohn des langjährigen Pröll-Vizes Ernest Gabmann senior, wird aber sein Mann für Niederösterreich in die Landesregierung einziehen. Als Nummer drei schnappt das Team Stronach der FPÖ den Landesrat-Sitz von Barbara Rosenkranz weg. Die Klubführung soll Elisabeth Kaufmann-Bruckberger übernehmen, die derzeit im Nationalrat sitzt. Was mit ihrem Mandat im Parlament passiert, ist offen.

Die FPÖ unter der früheren Präsidentschaftskandidatin Rosenkranz leidet stärker als gedacht unter der neuen Konkurrenz. Viele Stronach-Wahler sind Protestwähler, seine kämpferischen und bierzelt-tauglichen Sprüche gegen das "System", gegen "Freunderlwirtschaft", Parteibuch und Intransparenz haben ähnliche Wählerschichten angesprochen wie damals, als Jörg Haider begann, gegen das System zu reiten. 8,2 Prozent sind auch deswegen ein denkbar schwaches Ergebnis für die Freiheitlichen, weil sich die FPÖ 2008 mit 10,5 Prozent erst langsam von dem historischen Debakel bei den Wahlen 2003 erholt hatte. Dieser Aufholprozess ist nun wieder abrupt gestoppt.

Schwarzer Tag für SPÖ
Bei der FPÖ wird nun eine Nachfolgediskussion starten, bei der SPÖ ist ein Abgang des Spitzenkandidaten Josef Leitner praktisch fix. Sowohl Leitner selbst als auch SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann sprachen in ersten Reaktionen von "Konsequenzen". Erste Rücktrittsaufforderungen folgten auf dem Fuß, die stellvertretende Landesparteifrau in Niederösterreich, Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek beeilte sich zu betonen, sie schließe einen Wechsel zur SPÖ nach St. Pölten aus und bleibe in der Bundesregierung.

Im Duell Pröll-Stronach ging Leitner mit seinen sozialen Themen komplett unter. Mit dem Einbruch der SPÖ brach die Basis für ein Wahlziel weg, das alle Parteien gegen Pröll vereinte: Seine absolute Mehrheit zu brechen. Während Pröll seine Leute emotionalisierte, blieben Leitners Leute zu oft zuhause. Trösten kann ihn nur sein Ergebnis in seinem Heimatbezirk Wieselburg: Dort erreichte Leitner fast die absolute Mehrheit.




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Dokument erstellt am 2013-03-03 19:26:06
Letzte nderung am 2013-03-03 20:50:05




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